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Leichtathletik-WM 2017 : Das sind die Medaillen-Chancen der Leichtathleten am Wochenende

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Nur einmal Silber hat der Deutsche Leichtathletikverband bis jetzt verbucht. Aber das Wochenende gibt Hoffnung.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 16:15 Uhr

London | Bis jetzt hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband nur einmal Silber durch Siebenkämpferin Carolin Schäfer verbucht. Der Umbruch im Hinblick auf Olympia 2020 in Tokio gestaltet sich nicht ganz einfach. Eine Ausbeute wie vor zwei Jahren in Peking mit achtmal Edelmetall ist unerreichbar.

Was ist am Wochenende zu erwarten?

Furioses Finale nach Flaute? Die deutschen Leichtathleten wollen im Endspurt der Weltmeisterschaften am Wochenende endlich zuschlagen. Die Hoffnungen in London ruhen vor allem auf dem Speerwurf-Trio mit Olympiasieger Thomas Röhler, Rekordhalter Johannes Vetter und Andreas Hofmann. „Jetzt kommen bei uns die Disziplinen, wo wir uns konkrete Medaillenchancen ausrechnen“, sagte Verbandschef Clemens Prokop am Freitag in der ARD.

Röhler, Vetter und Hofmann greifen am Samstag in London nach einer Medallie.
Röhler, Vetter und Hofmann greifen am Samstag in London nach einer Medallie. Foto: Gregor Fischer/dpa
 

Röhler, Vetter und Hofmann greifen am Samstag (21.15 Uhr MESZ/ZDF und Eurosport) nach Edelmetall. In der Qualifikation glänzte der Offenburger Vetter mit 91,20 Metern, sein deutscher Rekord vom 11. Juli steht gar bei 94,44 Metern.

In der Weltbestenliste liegen Röhler und Hofmann direkt hinter ihm. „Drei Medaillen im Finale - das ist ein Traum von uns“, sagte Röhler, „aber das ist wie eine Lotterie“. Ein Triple im Speerwerfen - Gold, Silber und Bronze für eine Nation - gab es in der WM-Geschichte noch nie. „Ich bin sicher, dass wir noch mit einigen Medaillen rechnen können“, sagte Prokop und verwies auf den für das deutsche Team etwas ungünstigen Zeitplan.

Vielversprechende Finalplätze erhofft sich der DLV vor allem von Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch. Jungfleisch schaffte es am Freitag nach einer Zitterpartie ins WM-Finale. Am Sonntag geht es für sie ab 20.10 Uhr in den Medaillen-Kampf. Außerdem interessant werden die Leistungen von Hürdensprinterin Pamela Dutkiewicz und der 4x100-Meter-Staffel der Frauen um Gina Lückenkemper.

Julia Harting aus Deutschland bei der Diskuswurf-Qualifizierung der Frauen.
Julia Harting aus Deutschland bei der Diskuswurf-Qualifizierung der Frauen. Foto: Matt Dunham/dpa

Zudem geht am Samstag der Zehnkampf mit den deutschen Mitfavoriten Rico Freimuth und Kai Kazmirek zu Ende.

Auch im Gehen soll am „Super-Sonntag“ mit gleich vier Entscheidungen noch was laufen. Erstmals sind auf der Zwei-Kilometer-Schleife zwischen Buckingham-Palast und Triumphbogen auch die 50 Kilometer der Frauen dabei - allerdings ohne deutsche Teilnehmerin. Mit vier Entscheidungen innerhalb von acht Stunden wird die wenig populäre Disziplin so intensiv im Fokus stehen wie noch nie. „Wenn ich am Sonntag wieder Bestzeit gehen kann, dann gewinne ich auf jeden Fall eine Medaille“, versprach der Potsdamer Christopher Linke.

Nadine Müller aus Halle/Saale darf weiter auf ihre dritte WM-Medaille nach Silber 2011 und Bronze 2015 hoffen. Die 31-Jährige warf 63,35 Meter. Tagesbeste wurde die favorisierte zweimalige Olympiasiegerin Sandra Perkovic aus Kroatien mit 69,67 Metern. Die Magdeburg Anna Rüh schied mit schwachen 60,78 Metern aus. „Der dritte Wurf ist an die Stange und dann erst richtig geflogen. Das hat mich geärgert. Der wäre bestimmt auf 64 gewesen“, meinte Julia Harting.

Am Sonntag um 20 Uhr wird Mateusz Przybylko im Hochsprung-Finale um eine Medaille kämpfen. Er hat die Qualifikation bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft gemeistert und darf im Medaillenkampf am Sonntag mitmischen. Der Leverkusener überwand am Freitag in London die geforderten 2,31 Meter im zweiten Versuch. Der EM-Dritte Eike Onnen aus Hannover schaffte mit 2,29 Metern ebenfalls den Einzug in den Endkampf.

2,31 Meter überwand Mateusz Przybylko bei der Hochsprung-Qualifikation.
2,31 Meter überwand Mateusz Przybylko bei der Hochsprung-Qualifikation. Foto: Bernd Thissen/dpa
 

Alle deutsche Athlet sind nach dem Magen-Darm-Virus wieder fit

Die Lage nach dem Ausbruch von Magen-Darm-Erkrankungen im WM-Teamhotel der deutschen Leichtathleten hat sich vollends entspannt. Einen neuen Fall gebe es auch am Freitag nicht, zudem sei kein Sportler mehr in Quarantäne, bestätigte Peter Schmitt, Sprecher des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Die Athleten sind inzwischen auf verschiedene Hotels in London verteilt. Ursprünglich sollten alle in einem 900-Betten-Komplex an der Tower Bridge untergebracht sein.

„Ich bin mit unserem Bundestrainer irgendwo ganz abgeschieden. Wenn man hier fünf Leute fragt, erlebt jeder die WM ganz anders, weil jeder woanders schläft und wohnt“, sagte Diskuswerferin Julia Harting aus Berlin. „Klar ist das schade, aber alles ist besser als krank zu werden.“

Nach Angaben des deutschen Teamarztes Andrew Lichtenthal waren insgesamt sieben deutsche Athleten und sechs Betreuer seit vergangenen Freitag erkrankt. Die Magen-Darm-Beschwerden sind zum Teil auf das Norovirus zurückzuführen. Die Hygienemaßnahmen wurden massiv verstärkt. Etwa 40 Menschen sind derzeit bei der WM betroffen, drei von ihnen hätten sich mit dem Norovirus angesteckt. Dies hatte die die Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) mitgeteilt.

Stark eingeschränkt wurde im DLV-Team die Betreuung der Athleten vor den Wettkämpfen, da der Norovirus auch durch Hautkontakt übertragen wird. „Physiotherapeuten dürfen die Athleten nicht mehr betreuen, die Ärzte behandeln Athleten nur in Notfällen, um die Übertragungsgefahr so niedrig wie möglich zu halten“, hatte Chefcoach Idriss Gonschinska erklärt.

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