zur Navigation springen

Historischer Quoteneinbruch : Das Echo zum „Tatort: Babbeldasch“: Von „Konzept geht auf“ bis „furchtbar!“

vom
Aus der Onlineredaktion

Die „Bild“ hatte schon im Vorfeld kräftig gegen den „Tatort“ gewettert. Insgesamt gingen die Einschätzungen auseinander.

Ludwigshafen | Ein Improvisations-„Tatort“ mit Laien-Darstellern und schwerster Pfälzer Mundart – und das am Sonntag zur „Prime Time“: Regisseur Axel Ranisch und Drehbuch-Skizzierer Sönke Andresen glaubten offenbar an den Versuch, die „ewigen“ Ludwigshafener Kommissare Odenthal (Ulrike Folkerts) und Kopper (Andreas Hoppe) durch ein solches schwer verdauliches Experiment laufen zu lassen. Für Diskussionsstoff hatte der neue „Tatort“ aus Ludwigshafen am Sonntagabend schon am Freitag gesorgt, als die „Bild“ ihn auf der Titelseite als „schlechtesten Tatort aller Zeiten“ verdammte und strikt davon abriet, sich den Streifen anzuschauen. In den sozialen Medien gingen die Einschätzungen letztlich deutlich auseinander.

Ranisch dreht immer ohne Drehbuch. So hatte er auch für die Folge „Babbeldasch“ auf ein ausformuliertes Filmmanuskript verzichtet und umso mehr auf „echte Dialoge“ gesetzt. Das hat nicht allen gefallen, wird aber fortgesetzt.

Die negative Presse wirkte sich nicht antizyklisch aus. Nur 6,35 Millionen Zuschauer schalteten laut „Quotenmeter“ am Sonntagabend den „Tatort“ ein. Mit 17,6 Prozent Marktanteil blieb der ARD-Krimi zwar Marktführer in der Primetime, wurde aber so wenig angeschaut wie seit vielen Jahren keine Erstausstrahlung der Reihe mehr. Die drei Fälle zuvor hatten stets mindestens neun Millionen Zuschauer erreicht, im Durchschnitt liegen die Ludwigshafener ebenfalls bei über neun Millionen.

Nach 15 Minuten sollen bereits über eine Million Zuschauer weggeschaltet haben, nur noch 5,77 Millionen erlebten das Ende noch mit. „Schon abgeschaltet, das geht gar nicht. Amateurhaft und langweilig!“, lautete eine Kritik auf der offiziellen „Tatort“-Facebookseite am Abend.

Experimentalkino am Sonntagabend

„Dass sich Frau Folkerts und Herr Hoppe für sowas hergeben ... Experimentalkino am Sonntagabend. Irgendwann ist es auch mal gut“, postete ein anderer Zuschauer. „Zum ersten Mal in meinem Leben hab ich den Tatort abgeschaltet. Das geht gar nicht“, erklärte der nächste. „Eine absolute Katastrophe. Und nicht wegen des Dialekts“, wieder ein anderer.

Auch der sh:z-Tatortkritiker Frank Kober fand eher wenig Gefallen an dem Streifen.

Aber es gab auch Stimmen, die dagegenhielten: „Flexibilität ist angesagt, liebe Tatort-Gemeinde! Ich bin zwar auch ein Nordlicht, finde den Dialekt sehr lustig ... und ich verstehe ihn sogar. Meckert doch nicht immer so viel.“ Oder: „Der pälzer Dialekt isch doch schee....“ betonte ein weiterer Post - und: „Grad weil der so schrill ist, find ich den gut.“

Eine Zuschauerin fand sogar, die Folge sei schlicht „der Hit“. Das grundsätzliche Interesse an „Babbeldasch“ („Sabbeltasche“) war jedenfalls nicht gering: Der Trailer auf der Facebook-Seite war am Abend schon mehr als 90.000 Mal abgerufen worden. Auf Twitter war „#tatort“ bei den „Trends“ schon bald ganz oben, nachdem die Sendung angefangen hatte. Einen eigenen Hashtag hatte die Folge „#babbeldasch“ auch.

Wie auf Facebook hagelte es in dem Kurznachrichtendienst Kritik: „Tatort ohne Drehbuch? Was kommt als nächstes? Tatort als Animationsfilm?“, lautete ein Tweet.

 

„Meinen Katzen beim Schlafen & Putzen zuzuschauen ist spannender“, monierte eine andere Userin. Ein Urteil lautete schlicht: „missglückt :-(„

 

Aber auch auf Twitter fehlten die zustimmenden Meinungen nicht: „Das Konzept geht auf“, erklärte einer der Nutzer des Kurznachrichtendiensts. Etliche waren auch genervt von der harschen Kritik der anderen: „So viele verbiesterte #Tatort-Nörgeleien - kann man das nicht einfach locker sehen als amüsantes Experiment, das auch mal möglich sein darf?“

Nun wird berichtet, dass bereits ein weitere Streifen dieser Machart im Kasten ist. Es soll in die Abgeschiedenheit eines Schwarzwaldhotels gehen.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Feb.2017 | 15:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen