Fragen und Antworten : Das Drama in Fukushima

Die Atomkraftanlage in Fukushima nach einer zweiten Explosion. Foto: dpa
Die Atomkraftanlage in Fukushima nach einer zweiten Explosion. Foto: dpa

Darüber, wie es genau um die Reaktoren im japanischen Fukushima aussieht, gibt es nur spärliche Informationen. Hier sind Fragen und Antworten.

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16. März 2011, 11:30 Uhr

Die Lage im japanischen Katastrophengebiet spitzt sich weiter zu. Nur noch wenige Menschen halten sich in der Nähe der Unglücksreaktoren auf. Genaue Informationen sind spärlich. Atom-Experten versuchen daher, sich von außerhalb ein Bild zu machen. Fragen und Antworten:
Die Atomanlage liegt direkt am Meer. Warum war sie nicht besser geschützt?
Fukushima ist durch Schutzmauern vom Meer getrennt, aber gegen einen Tsunami mit gigantischen Wellen dieses Ausmaßes waren die Mauern zwecklos. Zwar beziehen die Ingenieure bei der Planung eines Kernkraftwerks auch Katastrophenszenarien mit ein. Dennoch haben die Betreiber die durch eine Monsterwelle nach einem Erdbeben drohende Gefahr offensichtlich unterschätzt. Einen so gewaltigen Tsunami hat wohl niemand für möglich gehalten.
Warum haben die Notfallsysteme versagt?
Das Erdbeben hat die externe Stromversorgung der Reaktoren von Fukushima Eins zerstört. Das Kraftwerk konnte keinen Strom mehr produzieren, denn nach dem Beben hatten sich alle Reaktoren selbst abgeschaltet. Zwar traten die Notkühlsysteme danach wie geplant in Aktion, doch lieferten die dafür erforderlichen, im Gebäude tief gelegenen Dieselgeneratoren nur für etwa eine Stunde Strom. Dann wurden sie von der Riesenwelle überflutet. Auch die für Notfälle vorgesehenen Batterien waren nach wenigen Stunden leer.
Wurden mobile Generatoren nach Fukushima gebracht?
Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. Das Beben und die darauf folgende Flutwelle haben die Infrastruktur um die Anlage herum und in der ganzen Region weitgehend zerstört. Selbst wenn es gelänge, neue Generatoren zur Anlage zu schaffen, wäre deren Betrieb angesichts der Überflutungen kaum möglich.
Gab es noch andere Probleme?
Fachleute berichten, dass die Naturkatastrophe offenbar auch diverse Messinstrumente zerstört hat. Die Arbeiter und Ingenieure sahen zwar, dass das Kühlwasser um die Brennstäbe herum absank. Wie dramatisch die Lage war, erkannten sie wegen ungenauer Messungen aber zu spät.
Warum wird jetzt Meerwasser in die Anlage gepumpt?
Das ist wohl eher ein Akt der Verzweiflung, um eine Kernschmelze zu verhindern. Normalerweise sind die Brennstäbe von besonders reinem, demineralisiertem Wasser umgeben. Das Gemisch aus Borsäure und Meerwasser wird die Reaktoren nach Ansicht von Experten stark beschädigen. Bor absorbiert Neutronen, verlangsamt die Kernspaltung und soll die Reaktoren so zusätzlich abkühlen. Die Prozedur sei auch deshalb schwierig, weil der Druck im Inneren so hoch ist, erklären Physiker. Das Vorgehen sei mit dem Versuch vergleichbar, einen aufgeblasenen Ballon mit Wasser zu füllen.
Ist die Anlage in Fukushima noch zu retten?
Der Betreiber hat die betroffenen Reaktoren vermutlich schon abgeschrieben. Ist der Kern des Reaktors einmal mit Meerwasser überflutet, ist es so gut wie unmöglich, ihn wieder in Betrieb zu nehmen. Die Kosten wären enorm.
(dpa, shz)

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