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Ausbildung 2017 : Darum haben so viele noch keinen Ausbildungsplatz

vom

150.000 Jugendliche haben keine Lehrstelle. Das liegt auch daran, dass junge Leute zunehmend wählerisch sind.

shz.de von
erstellt am 11.Aug.2017 | 11:52 Uhr

Schon Lange schien die Welt der Lehrstellen nicht mehr so in Ordnung: Genauso viele Ausbildungsplätze wie Lehrstellenbewerber. Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) gab es im Juli 512.000 Ausbildungsplätze: exakt genau so viele wie Lehrstellenbewerber. Eine Lage, von der man in schlechten Zeiten nur träumen konnte. Dennoch hatten zuletzt noch 150.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz. Trotz sinkender Schülerzahlen und einem weitgehend stabilen Angebot an Ausbildungsplätzen ist die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage groß. Das sind die wichtigsten Gründe, warum die Lage trotz rechnerischer Ausgeglichenheit schwierig bleibt:

Regionale Unausgewogenheit

Ob jemand in seinem Traumberuf eine Lehrstelle findet oder eher schlechte Karten hat, hängt stark vom Wohnort des Bewerbers ab. Vor allem Berliner Schulabsolventen müssen laut Bundesagentur-Statistik schon sehr gute Noten haben oder zu großen Kompromissen bereit sein, wenn sie eine Lehrstelle finden wollen. Dort kamen Ende Juli auf 100 angebotene Lehrstellen 133 Bewerber. Ähnlich schwierig ist die Lage in Nordrhein-Westfalen, wo auf 100 Lehrstellen 127 junge Ausbildungsinteressenten kommen. In Hessen liegt das Lehrstellen-Bewerber-Verhältnis bei 100:116.

<p>In der Grafik werden die Regionalen Unausgewogenheiten sichtbar. Sie zeigt Länderspezifisch die Bewerber je 100 betrieblicher Lehrstellen. </p>

In der Grafik werden die Regionalen Unausgewogenheiten sichtbar. Sie zeigt Länderspezifisch die Bewerber je 100 betrieblicher Lehrstellen.

Foto: picture-alliance/ dpa-infografik
 

Mangelnde Mobilität

Wer dennoch an seinem Traumberuf festhält, dem bleibt laut Experten nur der Umzug - etwa ins boomende Bayern. Dort hatten Firmen Ende Juli den Arbeitsagenturen fast 100.000 Lehrstellen gemeldet. Zugleich suchten nur gut 77.000 junge Männer und Frauen dort einen Ausbildungsplatz - ein Verhältnis von 100 Lehrstellen auf 77 Bewerber. Auch Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland zählen zu den Bundesländern, in denen Bewerber auf ein Überangebot an Lehrstellen treffen. Die Bereitschaft von Schulabsolventen, wegen einer Lehrstelle umzuziehen, ist nach Erfahrungen der Bundesagentur allerdings nicht allzu groß.

Festhalten am vermeintlichen Traumberuf

In Deutschland gibt es 330 Ausbildungsberufe. Trotzdem kommt anscheinend für viele Jugendliche nur ein Dutzend Berufe in Frage. Dass es bei diesen Berufen oft nur wenige Lehrstellen gibt, scheint sie wenig zu beeindrucken. Beim beliebten Beruf Tierpfleger wird deutlich: Für die nur 295 gemeldeten Lehrstellen hatten sich Ende Juli 2650 junge Leute interessiert: Auf 100 Stellen kamen so statistisch 898 Bewerber. Weitere begehrte Berufe mit knappem Lehrstellenangebot sind Einkauf- und Vertriebsmitarbeiter, Veranstaltungs- und Mediengestalter, Raumausstatter und Buchhändler.

Unzureichende Qualifikation

Für die Bundesagentur ist die Qualifikation zwar nur ein „weicher Faktor“, der statistisch nicht erfasst ist. Trotzdem kennen viele Berufsberater bei den Arbeitsagenturen das Problem: „Wenn einer mit Hauptschulabschluss und schlechter Mathematiknote zur Berufsberatung kommt und als Berufswunsch Informatiker angibt, dann wird ein guter Berufsberater dem jungen Mann schnell klar machen, dass es für ihn vielleicht doch nicht das Richtige ist“, sagt ein BA-Insider. Meist gelinge das auch. Schwieriger sei das hingegen bei Arbeitgebern, die nur Bewerber mit Top-Noten suchten. Da müsse man schon mal erklären, „dass man als Unternehmen nicht immer einen Weltmeister bekommt, sondern auch mal einen Durchschnittsportler nehmen muss“.

Last-Minute-Entscheidungen

Ähnlich wie in anderen Lebensbereichen gibt es nach Beobachtungen der Bundesagentur auch bei der Berufswahl einen Trend zum Abwarten - nicht zuletzt begünstigt durch das in vielen Regionen gute Ausbildungsangebot. „Manche Jugendliche zögern mit ihrer Entscheidung bis zuletzt, weil sie alternativ zur Lehrstelle etwa eine schulische Weiterbildung in Betracht ziehen“, berichtet ein Bundesagentur-Sprecher. Tatsächlich finden auch Spätentschlossene derzeit genug unbesetzte Lehrstellen. Allein in der Gastronomie waren Ende Juli bundesweit noch rund 14.000 Ausbildungsplätze frei, 21.000 im Handel und 3300 in der Kunststoffverarbeitung. Die Auswahl für junge Leute ist also groß.

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