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Pikanter Betrug am Gewürzregal : Dänen prüfen Oregano-Inhalt: Die Hälfte ist Laub

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Offenbar wird auch am Gewürzregal geschwindelt – und das im großen Stil.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 11:09 Uhr

Man steckt nicht drin in Olivenöl, Lasagne, Vakuumkaffee und Gewürzstreuer. Neben Riechen, Schmecken und dem Glauben ans Etikett hat der Konsument keine Möglichkeit, der zerschredderten Wahrheit ins Gesicht zu schauen. Gewiss wird bei gerebelten Trocken-Kräutern auch mal der eine oder andere Teil einer nicht deklarierten Pflanze in den Streuer wandern – produktionsbedingt, wie es dann heißt. Doch wie viele Kuckucksblätter gibt es wirklich in den Gewürzstreuern? Der Frage wollte die dänische Verbraucherschutzorganisation Tænk auf den Grund gehen – und die Antwort ist laut einem Bericht von „Jyllands Posten“, nun ja, pikant.

Oregano aus Dänemarks Supermärkten wurde ins Labor entführt. Dort stießen Lebensmittelchemiker bei vier von zehn Produkten auf Inhalte, die nicht einmal ins Kräuterregal, geschweige denn auf eine mitteleuropäische Pizza gehören. Der Oregano wurde gestreckt mit Laub von Olivenbäumen, Myrte und Zistrosen. In einigen Produkten bestimmten diese nicht deklarierten Bestandteile sogar mehrheitlich den Inhalt. Dies sei kein Zufall, sondern organisierter Betrug, sagt Camilla Udsen von der Organisation Tænk. Zistrosenblätter sind geschmacklos und dienen laut den Verbraucherschützern einzig und alleine dazu, den Produktionspreis flach zu halten.

<p>Oregano (hier frisch und unverpackt) gehört zum Standardrepertoire in der Küche.</p>

Oregano (hier frisch und unverpackt) gehört zum Standardrepertoire in der Küche.

Foto: imago/CTK Photo

Bei Produkten der Marken Änglamark, Robero Krydderier Oregano und Kilic Oregano, die teilweise auch in Grenzmärkten in Deutschland vertrieben werden, lagen die Oregano-Anteile bei 50 bis 70 Prozent. Der Rest im Verschnitt waren organische Füllmassen von Bäumen und Sträuchern. Coop hat das Produkt von Änglamark nun aus den Regalen verbannt. Es war besonders problematisch, da es als „ökologisch“ deklariert ist, und somit eigentlich besonderen Produktions- und Kontrollbedingungen unterliegt.

Die Supermärkte haben auf diesen „leichten“ Lebensmittelskandal inzwischen großflächig reagiert. Tenor: Selbst wenn der Kunde nur 80 Cent für 100 Gramm zahle, habe er ein Recht darauf, ein Produkt ohne Streckung zu erhalten. Coop hat auch Oregano der Marke Kilic entfernt. Diese gibt an, von einem deutschen Lieferanten beliefert worden zu sein.

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