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Astronaut Andreas Mogensen : Dänen feiern Weltraumreise zur ISS wie Mondlandung

vom
Aus der Onlineredaktion

„Astro-Andreas“ ist der erste Däne im Weltall. Seit dem geglückten Start am Mittwoch ist das Land im Weltraum-Fieber.

shz.de von
erstellt am 02.Sep.2015 | 14:46 Uhr

Baikunur, ISS | Der erste dänische Mann im All, Andreas Enevold Mogensen, ist am Mittwochmorgen um 6.37 Uhr mit einer russischen Sojus TMA-18M und zwei Kameraden vom Weltraum-Bahnhof Baikonur in Kasachstan ins Orbit gestartet. Hunderttausende Dänen kauerten am frühen Mittwochmorgen vor dem Fernseher, um Zeuge dieser historischen Weltraumreise zu werden. Sie wurden nicht enttäuscht: Um 6.47 Uhr erreichte die Rakete mit der Kapsel ihre erste Kreislaufbahn.

Unter den Zuschauern vor Ort befanden sich die Mutter, die Frau und der Bruder des 38-jährigen Kopenhagener Kosmonauten. Der Start verlief perfekt. Nach wenigen Flugminuten setzte Mogensen seinen ersten Funkspruch ab:  „Alles gut.“ Die Raumkapsel steigt mit bis zu 28.000 Stundenkilometern aus der Erdatmosphäre auf.

Andreas Mogensen ist Dänemarks Sigmund Jähn.
Andreas Mogensen ist Dänemarks Sigmund Jähn. Foto: dpa

Mogensens Bruder, ein Löwenforscher aus Afrika, war angesichts des lupenreinen Starts begeistert. „Unglaublich“ kommentierte er den historischen Moment für Dänemark und seine Familie. Mit den anderen Zuschauern stieß er mit Wodka auf den Erfolg an.

Mit an Bord sind der Russe Sergei Volkov und der Kasache Aidyn Aimbetov. Hinter Volkov ist Andreas Mogensen zweiter Mann in der Hierachie.

Auch Dänemarks Forschungs- und Bildungsminister Esben Lunde Larsen (Venstre) war beim Raketenstart in Kasachstan vor Ort dabei und sprach nach dem geglückten Start von einem großen Augenblick für die dänische Raumfahrt. Dass Dänemark nun einen Mann im All gehabt habe, sei von großer Bedeutung für das kleine Land. Er wünschte Andreas Mogensen für die nächsten Tage viel Glück mit seinen Forschungs-Aufgaben.

Auch die frühere Forschungsministerin ist aus dem Häuschen. Über Twitter schreibt Sofie Carsten Nielsen (Radikale Venstre): „Ganz wild! Noch nie sind meine Kinder so schnell aus dem Bett gekommen. Astro-Andreas ist eine Riesen-Inspiration!“

In Dänemark trendet der Twitter-Hashtag #rumrejse („Weltraumreise“) derweil an Nummer eins.

Erst am Freitag, nach über 50 Stunden Flugzeit,  werden die Astronauten nach dem Andocken an die Weltraumstation ISS die Kapsel verlassen. Mogensen und Aimbetow verbringen eine achttägige Kurzmission in der Schwerelosigkeit, rund 400 Kilometer über der Erde. Sie unternehmen zudem einen Raumschifftausch, der Rückflug erfolgt mit einer Sojus TMA-16M. Wolkow bleibt ein halbes Jahr auf der ISS.

Vor seinem Start sagte der dänische Ingenieur, er denke besonders an seinen leider verstorbenen Vater und an seine 20 Monate alte Tochter, die er hoffentlich bald wieder in seine Arme schließen könne.

Seit 2009 hat sich Mogensen bei der ESA auf diesen Einsatz vorbereitet. 8.412 andere wollten mit – sechs haben es geschafft, sind heute Teil des Astronautenkorps der ESA. „Ich habe bei der NASA in Houston trainiert, im europäischen Astronautenzentrum in Köln, im japanischen Astronautenzentrum bei Tokio, im kanadischen Zentrum in Montreal und jetzt in der Stadt der Sterne in Russland“, so Mogensen.

In den vergangenen Wochen hatte sich Mogensen in der Raumfahrt-Stadt bei Moskau aufgehalten, wo seit Gagarins Zeiten für Einsätze dieser Art trainiert wird. Mogensens Auftrag im All sind u. a. Experimente zur Schwerelosigkeit. Ein straffes Programm wartet auf ihn. „Wir wissen, dass man Muskelmasse und Knochenmasse verliert und dass die Immunabwehr geschwächt wird. Aber wir wollen das verstehen lernen, damit wir dem in Zukunft entgegenwirken können, wenn wir weiter ins Weltall vordringen wollen“, so Mogensen zu seinem Auftrag.

Um den ersten Ausflug eines Dänen in den Weltraum gebührend zu würdigen, bringt der Astronaut einiges mit: Eine Erstausgabe von Søren Kierkegaard, einen Schleifstein aus der Wikingerzeit, einen Hoptimist und einige Lego-Figuren. Diese Dinge werden allerdings nicht ins Weltall entlassen, sondern die ISS-Station mit Mogensen wieder verlassen.

Und natürlich ist auch der Dannebrog, die dänische Flagge, mit an Bord, von dem es in der Legende heißt, er sei vom Himmel gefallen.

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