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Depressionen und Antidepressiva : Dänemarks Jugend schluckt die meisten Psycho-Pillen

vom
Aus der Onlineredaktion

Oh, du fröhlich Dänemark? Eine Studie zeichnet ein ganz anderes Bild von der Jugend des Landes.

Kopenhagen | Dänemarks Nachwuchs wirft alarmierend viele Stimmungsaufheller ein. Innerhalb von nur sieben Jahren hat sich die Anzahl dänischer Kinder und Jugendlicher, die Antidepressiva einnehmen, um satte 60 Prozent erhöht. Das zeigt eine neue multinationale Studie, die erstmals den Konsum von Psychopharmaka bei Kindern im Alter von 0 bis 19 Jahren in fünf Ländern miteinander vergleicht. In Deutschland ist der Konsum laut „European Neuropsychopharmacology“ zwischen 2005 und 2012 insgesamt um 49,2 Prozent angestiegen.

Dänemark ist laut „World Happiness Report“ das glücklichste Land der Welt. In dem Ranking wird vor allem die „geistige Gesundheit“ hoch gewichtet, das umfasst das wahrgenommene Glück eines Menschen.

Der überraschend starke Anstieg in Dänemark macht Lise Aagaard, Professorin für klinische Pharmalogie an der Süddänischen Universität, Sorgen. Sie war an der Untersuchung beteiligt. „Was, wenn das so weitergeht?“, fragt sie. Der Untersuchung zufolge haben 11.774 von 1.203.817 dänischen Kindern und Jugendlichen 2012 antidepressive Arzneien erhalten. Das sind prozentual mehr als zum Beispiel mehr als in den USA oder England.

Eine Erklärung für den starken Anstieg haben die Forscher derzeit nicht parat. Nehmen seelische Leiden zu oder verschreiben die Ärzte leichtfertiger? „Wir haben keine Ahnung. Aber wir beobachten, dass es auch in den anderen Ländern einen ziemlich starken Anstieg gibt“, sagt Aagaard. Die meisten Rezepte werden der Untersuchung zufolge von Hausärzten verschrieben. Die Richtlinien der Gesundheitsbehörde zur medizinischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Leiden sagen allerdings, dass es Fachärzte sein sollen, die zu beurteilen haben, ob ein Kind Medizin braucht.

Beim Verband Landsforening Psykatri macht sich Thorstein Theilgaard ebenfalls Sorgen: „Wir beobachten eine Tendenz dazu, dass die Behandlung von Depressionen in Dänemark mit Pillen beginnt und endet. Die Medizin wird oft zu unkritisch verschrieben und mit zu leichter und schneller Hand“, so der Generalsekretär. „Es gibt alle möglichen Gründe, über Alternativen nachzudenken, zum Beispiel Gespräche mit einem Psychologen. Wir wissen, dass das gute Wirkung zeigt“, sagt er. Er weist auf eine Untersuchung hin, die kürzlich zeigte, dass Medizin das Risiko für Aggressionen und Selbstmord bei Kindern und Jugendlichen erhöht. „Das müssen wir sehr ernst nehmen“, so Theilgaard, „besonders, wenn wir wissen, dass die Medizin bei vielen Kindern und Jugendlichen nicht hilft“.

Die Untersuchung zeigt auch, dass die Hausärzte häufig andere antidepressive Mittel als Fluoxentin verschreiben, welches laut Lise Aagaard das einzige für Kinder zugelassene Mittel ist.

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erstellt am 09.Mär.2016 | 12:26 Uhr

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