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Leuchterscheinung und Knall : Dänemark sucht weiter nach Meteoriten-Teilen

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Aus der Onlineredaktion

Sie liegen vor dem Haus, auf dem Parkplatz und sonstwo: Sicher ist noch mehr zu finden vom Meteoriten, der sein mysteriöses Leuchten am Wochenende auch über Norddeutschland versprühte.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 16:31 Uhr

Kopenhagen/Rostock | Seit Andreas Mogensen vor einem Jahr als erster dänischer Astronaut zur Raumstation ISS flog, kennt die Raumfahrt-Begeisterung der Dänen keine Grenzen mehr. Seit dem Wochende können die Landsleute ihren Hunger nach Außerirdischem mit etwas Glück auch auf heimischem Boden stillen. Denn die Chancen, frische Meteoritenteile zu finden, standen selten so gut.

Hunderte waren am Wochenende in der Hauptstadtregion Kopenhagen Zeugen von einem grünlich-gelbliches Leuchten mit hellen Lichtblitzen georden. Astrologen von der Universität Kopenhagen gaben schnell die Bestätigung: Bei der Himmelserscheinung handelte es sich um einen ein Meteoriten – möglicherweise von der Größe eines Handballs.

Meteoriten sind alte Brocken aus dem All, die anders als Meteore beim Eintritt in die Atmosphäre nicht verglühen und dann auf Planeten oder ihre Monde aufschlagen. Sie können von anderen Planeten, Kometen oder Asteroiden abgesprengt worden sein. Durch ihr hohes Alter können sie den Forschern viel über die Entstehung der Erde verraten.


Eine Familie in Ejby bei Glostrup fand gleich am Sonntag ein Stück vor ihrem Haus, das „etwa so groß wie ein Golfball“ war, wie Johan Uldall Fynbo von der Universität Kopenhagen am Montag mitteilte. Auf der dänischen Hauptstadtinsel Seeland habe man sogar einen deutlichen Knall hören können, sagte Uldall : „Es hat sich angehört wie ein Gewitter.“ Das Fundstück wurde am Montag im Geologischen Museum der Presse präsentiert.

Der Leiter des Museums, Henning Haack, hat keinen Zweifel: „Ich bin mir zu 99 Prozent sicher, dass es ein Stück des Meteoriten ist“, so Haack gegenüber Danmarks Radio. „Ich hoffe, dass sich viele Menschen auf die Suche nach dem Meteoriten machen. Es ist perfektes Wetter dafür und auch die perfekte Jahreszeit, denn es gibt jetzt im Winter nur wenig Vegetation“, sagte Haack weiter. Teile des Meteoriten können abgesprengt und über einem größeren Bereich runtergekommen sein. Haack vermutet in der Nähe noch weitere Meteoritensplitter. Sogleich begann unter den Einwohner die Suche nach weiteren Fundstücken. Diese sind allerdings Staatseigentum und müssen abgegeben werden.

Am Montag tauchten weitere Stückchen des Meteoriten auf einem Parkplatz in Herlev westlich von Kopenhagen auf. Zusammen hätten die Steine ein Gewicht von einem halben Kilogramm, sagte Daniel Wielandt vom Geologischen Museum dem Fernsehsender TV2. „Die Steine werden jetzt ins Geologische Museum transportiert, wo sie so schnell wie möglich trocknen sollen“, so Wielandt. Sie enthalten noch kosmische Strahlung und sollen schnellstmöglich zu Untersuchungen in ein unterirdisches Labor nach Italien gebracht werden.

Laut Haack sind die in der letzten Woche ebenfalls über Jütland gesichteten Feuerbälle aber kein Grund zur Sorge. Was geschehen sei, habe hohen wissenschaftlichen Wert, müsse aber niemand beunruhigen, sagte er gegenüber „Jyllands Posten“. Nach Schätzungen erreichen pro Jahr mehr als 19.000 Meteoriten mit einer Masse von jeweils mehr als 100 Gramm die Erdoberfläche.

Auch in Norddeutschland hatten Menschen am Samstagabend die helle Leuchterscheinung am Himmel beobachtet. Vor allem auch aus dem Raum Rostock schilderten Augenzeugen in den sozialen Netzwerken ihre Sichtungen. Sie hätten kurz nach 22.00 Uhr den verglühenden Himmelskörper gesehen, der einen langen grünlichen Schweif hinter sich hergezogen habe, hieß es in mehreren Medienberichten. Viele wollen auch hier zudem einen Feuerball und manche einen Knall wahrgenommen haben. Auch von einem etwa 100 Meter langen Schweif berichten einige.

Sichtungen wurden aus Rostock, Ribnitz-Damgarten, Heiligendamm, Laage, Bützow, Stralsund, Schwerin, Greifswald und sogar aus Magdeburg und Bremen gemeldet. In einem Forum des Arbeitskreises Meteore schreibt Hansjürgen Köhler vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene von einer „Feuerkugel“, die um 21.50 Uhr über Groß-Neuleben bei Lübeck gesehen worden sei. 

Am Tag als die Stücke in Dänemark einschlugen, soll in Indien ein Busfahrer von einem Meteoriten getötet worden sein. Dies wäre der erste dokumentierte Fall in der Geschichte der Menschheit. Es könnte sich dem abstürzenden Körper aber auch um Weltraumschrott gehandelt haben, sagen Wissenschaftler. Vor drei Jahren hatte ein Meteoritenregen in der russischen Stadt Tscheljabinsk große Schäden angerichtet und 1500 Menschen verletzt.

Erdgeschichtlich bedeutende Meteoriteneinschläge:

VREDEFORT, SÜDAFRIKA: Als größter noch sichtbarer Einschlagkrater der Welt gilt Vredefort nahe der südafrikanischen Millionenstadt Johannesburg. Vor gut zwei Milliarden Jahren traf dort ein schätzungsweise 150.000 Kilometer pro Stunde schneller Meteorit mit einem Durchmesser von zehn Kilometern die Erde. Er drang etwa 17 Kilometer tief in die Erdkruste ein. Der Durchmesser des Kraters wird auf rund 100 Kilometer geschätzt. Im Laufe der Jahrmillionen zerstörte die Erosion große Teile des gigantischen Lochs.

CHICXULUB, MEXIKO: Der Einschlag des Meteoriten an der Nordküste der mexikanischen Halbinsel Yucatán soll vor etwa 65 Millionen Jahren das Aussterben der Dinosaurier verursacht haben. Die dabei freigesetzte Einschlagenergie entsprach nach Angaben des Deutschen Geoforschungs-Instituts in Potsdam mehr als dem Zehntausendfachen des gesamten Weltarsenals an Atomwaffen und setzte riesige Mengen an Staub und Gas frei. Der Meteorit mit einem Durchmesser von mehr als zehn Kilometern traf die Erde mit etwa 90.000 Kilometern in der Stunde. Der Krater war bei einem Durchmesser von etwa 180 Kilometern bis zu 900 Meter tief. Etwa die Hälfte des Kraterrings ist unter der Meeresoberfläche des Golfs von Mexiko verborgen, auf dem Festland liegt er unter einer dicken Sedimentschicht.

NÖRDLINGER RIES: Das nordschwäbische Ries ist ein fast kreisrunder Kessel mit einem Durchmesser von etwa 25 Kilometern. Der Riesenkrater entstand vor etwa 14,5 Millionen Jahren, als ein fast ein Kilometer großer Steinmeteorit mit einer Geschwindigkeit von geschätzten 70.000 Stundenkilometern nahe der heutigen Stadt Nördlingen (Bayern) auf die Erdoberfläche prallte. Er drang 1000 Meter tief in die Erdkruste ein. In der Gluthitze des Aufpralls verdampfte der Meteorit. Die Wucht des Einschlags bewegte nach Forschungen über 150 Kubikkilometer Gestein. Das kosmische Geschoss soll die Zerstörungskraft von 250 000 Hiroshima-Bomben gehabt haben.

BARRINGER, ARIZONA: Vor etwa 50.000 Jahren traf ein Meteorit mit einem Durchmesser von 45 Metern und einem Gewicht von 270.000 Tonnen auf die Erde. Beim Aufprall im Gebiet des heutigen US-Bundesstaates Arizona war er 72.000 Kilometer in der Stunde schnell und riss ein mehr als 170 Meter tiefes Loch. Der nahezu kreisrunde Barringer-Krater mit einem Durchmesser von 1600 Metern wurde nach dem amerikanischen Bergbauingenieur Daniel Barringer benannt, der ihn im Jahr 1902 als erster erforschte. Wissenschaftler fanden dort einige kleine Stücke des Himmelskörpers aus Nickel und Eisen, der Hauptteil des Meteoriten verdampfte.

TUNGUSKA, RUSSLAND: Größere Verwüstungen richtete ein Meteorit wahrscheinlich zuletzt im Juni 1908 in Sibirien an. Eine gigantische Druckwelle raste durch die bewaldete Einöde am Flüsschen Steinige Tunguska und knickte auf 2000 Quadratkilometern Bäume wie Streichhölzer um. In dem dünn besiedelten Waldgebiet kam nach offiziellen Angaben niemand ums Leben. Der auf bis zu 40 Meter Größe geschätzte Brocken - vermutlich aus Stein und Eis - erhitzte sich so stark, dass er sich vor dem Aufschlag nach Meinung vieler Forscher vollständig auflöste. Es ist noch nicht mit letzter Sicherheit geklärt, dass die Verwüstung wirklich durch einen Meteoriten entstanden ist.

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