Transparency Korruptionsindex 2016 : Dänemark hat geringste Korruption, Somalia Schlusslicht

Korruption lässt Populisten groß werden, sagt Transparency International.

Korruption lässt Populisten groß werden, sagt Transparency International.

Weltweit steigt das Ausmaß der wahrgenommenen Korruption an. Auch die Dänen sacken ab – für den Sonnenplatz reicht es trotzdem.

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25. Januar 2017, 14:07 Uhr

Geld unter dem Tisch, unerlaubte Geschenke, geschwärzte Dokumente oder gar feste Gebühren unter dem Tisch: Korruption ist ein globales Phänomen. In Dänemark ist es allerdings weniger verbreitet als in den übrigen Ländern der Welt. Das belegt der neue Corruption Perceptions Index (CPI), der jährlich von der Organisation Transparency International herausgegeben wird. Demnach teilt sich Dänemark gemeinsam mit Neuseeland den Titel des Landes mit der geringsten Korruption. Dahinter folgt Finnland.

Top Top 10 im Korruptionswahrnehmungsindex 2016 (positiv)

Platz/Land Punkte 2016 2015 2014
1. Dänemark 90 91 92
1. Neuseeland 90 88 91
3. Finnland 89 90 89
4. Schweden 88 89 87
5. Schweiz 86 86 86
6. Norwegen 85 87 86
7. Singapore 84 85 84
8. Niederlande 83 87 83
9. Kanada 82 83 81
10. Deutschland 81 81 79

Der Vorsitzende von Transparency International Dänemark, Knut Gotfredsen, freut sich darüber, dass Dänemark nach Jahren auf den obersten Plätzen nun endlich ganz an der Spitze des Rankings steht. Allerdings mahnt er auch zur Besonnenheit. „Unser Gesamtergebnis ist im Vergleich zu den Vorjahren schlechter geworden, daher gibt es keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen“, sagt Gotfredsen zur Nachrichtenagentur Ritzau.

Intransparenz bei der Parteienfinanzierung

Es lässt sich nicht genau ermitteln, wodurch der dänische Score genau gesunken ist, aber Gotfredsen vermutet, dass die Intransparenz bei der dänischen Parteienfinanzierung einer der Gründe ist. Erst im vergangenen Dezember wurde dieser Punkt vom Europarat kritisiert.

Auch die Änderung des Öffentlichkeitsgesetzes – die die Einsicht in Minister- und Behördendokumente einschränkt – ist laut Gotfredsen ein Grund für das schlechtere Abschneiden gegenüber den Vorjahren.

Dänemark erreichte im vergangenen Jahr 90 von 100 Punkten auf dem Korruptionsindex. 2015 waren es 91 und 2014 sogar 92 Punkte. Der Index basiert auf Einschätzungen zur Korruption im öffentlichen Sektor, die von Experten aus internationalen Institutionen und Forschungsgruppen abgegeben werden. Die Skala reicht von 0 Punkten – als sehr korrupt wahrgenommen – bis zu 100 Punkten für völlige Korruptionsfreiheit.

 

Korruptions-Anstieg gibt Populisten Aufwind

Das Dänemark trotz Verschlechterung die Spitze erklimmen konnte, liegt vor allem daran, dass die Korruption im vergangenen Jahr weltweit zugenommen hat. Insgesamt gebe es nach Einschätzung von Transparency mehr Länder, in denen sich die Lage 2016 verschlechtert habe, als solche, die besser als 2015 dastünden. In 69 Prozent der insgesamt 176 untersuchten Länder sei die Korruption sehr hoch.

Die ausufernde Korruption in vielen Ländern der Welt gibt nach Einschätzung von Transparency International Populisten Aufwind. „Die Menschen sind die zu vielen leeren Versprechungen der Politiker, etwas gegen die Korruption zu tun, leid und wenden sich populistischen Politikern zu, die einen Systemwandel versprechen“, heißt es im jüngsten Jahresbericht der Antikorruptions-Organisation. Damit verschlechtere sich die Lage aber meistens nur.

„Statt den Vetternwirtschafts-Kapitalismus anzugehen, errichten diese Führer oft noch schlimmere Formen korrupter Systeme“, sagte der Vorsitzende der in Berlin ansässigen Organisation, José Ugaz. Nur dort, wo es Meinungsfreiheit, Transparenz und starke demokratische Institutionen gebe, könne Korruption erfolgreich bekämpft werden. In Ländern wie der Türkei oder Ungarn, wo autokratische Anführer an Macht gewonnen hätten, habe sich die Einstufung in den vergangenen Jahren verschlechtert. Dagegen beginne sich die Lage in Argentinien, wo eine populistische Regierung 2015 abgewählt wurde, zu verbessern.

Damit verschlechtere sich die Lage aber meistens nur. „Nur dort, wo es Meinungsfreiheit, Transparenz und starke demokratische Institutionen gibt, kann Korruption erfolgreich bekämpft werden", so der Vorsitzende von Transparency International, José Ugaz, zur Deutschen Presse-Agentur.

Deutschland und die anderen Länder

Deutschland landet im Korruptionswahrnehmungsindex hinter Kanada unverändert mit 81 Punkten auf dem zehnten Platz. Am stärksten verschlechtert hat sich im Jahresvergleich Katar, das zehn Punkte einbüßte. „Die Fifa-Skandale, die Ermittlungen zur Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 in Katar und Berichte über Menschenrechtsverletzungen bei Arbeitsmigranten haben die Wahrnehmung des Landes klar beeinträchtigt“, sagt Ugaz. Verbessert habe sich die Situation unter anderem in Weißrussland, Myanmar und Afghanistan.

Ganz am Ende der Skala steht Somalia auf Platz 176, mit einem Score von 10. Die korruptesten EU-Länder sind Bulgarien mit 41 Punkten und Griechenland mit 44 Punkten. Am untersten Ende der Skala rangiert im zehnten Jahr hintereinander Somalia. Den vorletzten Platz belegt der Südsudan knapp unter Nordkorea. Großer Absteiger ist das von einem großen Korruptionsskandal erschütterte Südkorea. Das Land stürzte von Rang 37 auf den 53. Platz ab.

Das sind die zehn korruptesten Länder der Erde (laut CPI 2016)

Platz/Land Punkte 2016 Punkte 2015 Punkte 2014
166. Irak 17 16 16
166. Venezuela 17 17 19
168. Guinea-Bissau 16 17 19
169. Afghanistan 15 11 12
170. Libyen 14 16 18
170.  Sudan 14 12 11
170. Yemen 14 18 19
173. Syrien 13 18 20
174. Nordkorea 12 8 8
175. Südsudan 11 15 15
176. Somalia 10 8 8
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