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Unwetter im Urlaubsparadies : Côte d'Azur nach der Flut: Bislang 19 Tote geborgen

vom
Aus der Onlineredaktion

Nach den verheerenden Überschwemmungen wird aufgeräumt. Noch sind nicht alle Vermissten gefunden.

Cannes | „Apokalypse“, „Desaster“, „Katastrophe“. In den Orten entlang der Côte d'Azur suchen die Menschen Worte für die heftigen Zerstörungen infolge von Überschwemmungen und Sturmböen. Am Montag haben die Bewohner und Helfer die Aufräumarbeiten fortgesetzt. Retter in Antibes suchten weiter noch nach einer vermissten Person. Die Zahl der Menschen, die infolge der heftigen Niederschläge ums Leben kamen, hat sich nach Angaben der Präfektur des betroffenen Départements Alpes-Maritimes auf 19 erhöht. Unter den Opfern sind laut Präfekt Adolphe Colrat auch eine Italienerin, ein Brite und ein Portugiese.

Wenige Stunden intensivster Regenfälle verwandeln über Nacht eine der beliebtesten französischen – und auch von Deutschen stark frequentierten – Ferienregionen in ein Chaos aus Schlamm und Wasser. Die Hinterlassenschaften der Wetter-Tragödie sind eine streckenweise verwüstete Küstenregion: umgestürzte Bäume, übereinandergeschobene Autos, weggespülte Erdmassen, überflutete Felder, vollgelaufene Keller, Garagen und Verbindungstunnel. 


In rund 20 Schulen fiel der Unterricht nach Angaben von Präfektur und Stadtverwaltungen aus. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF konzentrierte sich zunächst darauf, den Pendlerverkehr in Städten wie Nizza und Cannes wieder zum Laufen zu bringen.

Am Montag kämpften Helfer in der Region zunehmend auch gegen Gestank, der sich nun infolge der Schlamm- und Wassermassen ausbreitete. Betroffen war ein rund 30 Kilometer langer Abschnitt entlang der Côte d'Azur im äußersten Südosten des Landes.

Eine Schätzung zu den materiellen Folgen der Katastrophe gab es am Montag noch nicht. Angesichts der Schäden an Häusern, Firmengebäuden und Wohnungen sicherte der französische Versicherungsverband Afa eine rasche Bearbeitung zu. Afa-Präsident Bernard Spitz sagte in Nizza, für eine Bilanz sei es noch zu früh. So seien die Schäden in vielen Unternehmen noch nicht bekannt.

In der Region sind extreme Wetterlagen keine Seltenheit. Nach Angaben von Meteorologen waren die Niederschläge jedoch in ihrer Heftigkeit nicht ausreichend früh vorhersehbar. Grund für die Unwetter war der Zustrom warmer Luft über das Mittelmeer in Richtung Pyrenäen, Küste und Alpen. Gegen diese Front schob sich zwischen den beiden Gebirgsketten im Südosten und im Südwesten kühlere Luft aus dem Norden des Landes – mit katastrophalen Folgen. Bereits am Samstag baute sich nahe Marseille kurzfristig ein unheilverkündender Tornado auf. In Cannes etwa wurden 195 Millimeter Regen in 24 Stunden gemessen, allein 107 Millimeter davon fielen in nur zwei Stunden. Bei einem ähnlichen Unwetter waren im benachbarten Département Var 2010 Schäden in Höhe von fast einer Milliarde Euro bilanziert worden. Schnelle finanzielle Hilfe für Region und Betroffene hatte Präsident François Hollande bereits am Wochenende versprochen.


Mancherorts versuchten Plünderer die Notlage in der Nacht zu Sonntag auszunutzen. Nach Angaben von Innenminister Bernard Cazeneuve vom Montag wurden deswegen neun Menschen festgenommen.

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erstellt am 05.Okt.2015 | 16:12 Uhr

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