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"Gegenwind Lohbarbek" : Windkraftgegner machen mobil

vom

Gegen die Pläne für einen Windpark wendet sich die Bürgerinitiative Gegenwind.

Lohbarbek | Das ist die Horrorvision besorgter Lohbarbeker: Direkt in ihrer Umgebung ragen elf Windkraftanlagen in einer Höhe von 160 Metern mit Rotoren im Durchmesser von 90 Metern gen Himmel - und zerstören damit Natur, Ruhe und Gesundheit in ihrem beschaulichen Dorf.

Kontroversen waren jüngst entstanden, weil ein Windpark von einigen Landbesitzern vorangetrieben wurde (wir berichteten). Dagegen wendet sich die Bürgerinitiative "Gegenwind Lohbarbek", die jetzt zur Informationsveranstaltung eingeladen hatte.
Minderung ihrer Lebensqualität und die Zerstörung der Landschaft
Rainer Petersen, neben Meike Groß und Torsten Lüthje einer der Mitinitiatoren, stellte klar: "Wir wollen keine Grundsatzdiskussion um alternative Energien lostreten, aber unsere Bedenken durch Informationen über die Gefahren zum Ausdruck bringen." Dafür hatten sie mit Jutta Reichardt und ihrem Mann Marco Bernardi von der Initiative Gegenwind Neuendorf-Sachsenbande (www.gegenwind-neuendorf.de) zwei Referenten eingeladen, die aus ihrer eigenen Erfahrung berichteten. In drastischen Worten beschrieben sie die Minderung ihrer Lebensqualität und die Zerstörung der Landschaft durch die Windanlagen. 1994 seien sie aus der Großstadt mit dem Interesse zugezogen, in Ruhe inmitten der Natur leben und arbeiten zu können. "Heute zählen wir nach 14 Jahren 110 Windkraftwerke beim Rundumblick von unserem Land aus", so Jutta Reichardt. "Neun Monate nach unserem Einzug waren Vögel und Fledermäuse verschwunden."

Denn das sei die Kehrseite der Windindustrienutzung: "Sie führt zur Zerstörung von Natur und Landschaft, von Gesundheit und Lebensqualität, zur Entwertung unserer Immobilien und Alterssicherung", so Marco Bernardi. "Vergessen Sie die schönen Sommerabende auf Terrasse, Balkon oder in Ihrem Garten, denn sobald Wind weht, wird es laut", so Jutta Reichardt.
Krank durch niederfrequenten Schall
Vor allem der "niederfrequente Schall", kleiner als 20 Hertz, "ist richtig bösartig, er verursacht Schlaf- und Konzentrationsstörungen, führt zu Brummen im Kopf und innerer Unruhe und verstärkt Nervenkrankheiten." Ämter und Behörden seien grundsätzlich "Erfüllungsgehilfen der Landespolitik und somit so gut wie nie auf ihrer Seite."

Schließlich kündigten sie an, dass sie sich am Wochenende mit allen Bürgerinitiativen in Schleswig-Holstein zu einem Landesverband der Windkraftgegner zusammenzuschließen werden. "Vor einem Monat mit zwölf Initiativen begonnen, sind es mittlerweile bereits 28", sagte Jutta Reichardt.
"Wir müssen alle 700 Bewohner Lohbarbeks ins Boot bekommen"
Kontrovers diskutierten die Zuhörer die Perspektiven für ihren Ort. Schon die Schlüsse aus dem Landesentwicklungsplan, den Reiner Petersen in Grundzügen erläuterte, waren den meisten nicht klar. "Jeder darf dazu seine Stellung abgeben", sagte er. "Aber wird die auch gelesen und gehört? Wer weiß das schon?"

Auch die Rolle des Gemeinderates wurde unterschiedlich bewertet. Spricht er sich für oder gegen die Planungen aus, so die allgemeine Frage. Torsten Lüthje war sich bewusst: "Wir müssen alle 700 Bewohner Lohbarbeks ins Boot bekommen, denn das Problem ist im Ort oft noch gar nicht bekannt." Um die Unklarheiten auszuräumen, sollte es einen Bürgerentscheid geben, so der abschließende Tenor - wenn sich auch dagegen wiederum einige lautstarke Stimmen erhoben.
Bürgerentscheid in Sicht
Die Bürgerinitiative Gegenwind ist zwar sehr aktiv, doch auf der Seite eventueller Bauherren herrscht noch Schweigen. "Bei uns ist noch kein Antrag für den Bau eines Parks eingegangen", sagt der Leitende Verwaltungsbeamte Volker Tüxen vom Amt Itzehoe-Land. Gleichwohl empfiehlt das Amt der Gemeindevertretung, über die Frage, ob die Einwohner einen Windpark wollen oder nicht, einen Bürgerentscheid durchzuführen. Diesem muss die Vertretung dann mit zweidrittel Mehrheit zustimmen. An dem Ergebnis des Bürgerentscheids ist die Gemeinde gebunden. Bürgermeister Martin Hildebrandt betonte auf Anfrage, die Frage eines Bürgerentscheids auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen.

Dass zurzeit noch kein Antrag für einen Windpark gestellt ist, liegt sicherlich auch am Regionalplan IV, der für Lohbarbek keine Windeignungsflächen ausweist. Doch der Regionalplan wird fortgeschrieben. Der Kreis Steinburg wird deshalb bis Ende März Eigungsflächen und Ausschlussflächen für den gesamten Kreis ermitteln und den Gemeinden zur Stellungsnahme zusenden. Diese können ihre Einwände oder Bedenken bis Juni 2009 mitteilen, Ende August soll das Kreiskonzept beschlossen werden, damit es in den neuen Regionalplan 2010 einfließen kann.

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erstellt am 10.Feb.2009 | 05:04 Uhr

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