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iPad-Klasse : Unterricht 2.0: Lernen mit dem iPad

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An der Auguste-Viktoria-Schule in Flensburg gehören für 25 Oberstufenschüler die Tablet-PCs zum festen Schulalltag. „Wir möchten erreichen, dass die Nutzung zum Normalfall und nicht zum Sonderfall wird"

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 12:36 Uhr

„Alle gehen bitte in das Verzeichnis E5 Wipo. Dort wird gleich der Test erscheinen. Bitte speichert ihn unter eurem Namen ab. Sobald ihr ihn ausgefüllt habt, sendet die Datei bitte an mich per E-Mail zurück“, sagt Klassenlehrer Timo Räker zu seinen Schülern. Was sich wie ein Satz aus der Informatikstunde anhört, ist die Einleitung in den Unterricht im Fach Wirtschaft und Politik an der Flensburger Auguste-Viktoria-Schule (AVS).

In den kommenden 15 Minuten müssen die Gymnasiasten Wissensfragen zu den wichtigsten Ereignissen der vergangenen Woche beantworten. Die Schüler werden beispielsweise gefragt, welche Partei sich für die PKW-Maut einsetzt. Drei Möglichkeiten gibt es, eine davon ist richtig. Die Elftklässler können die richtige Antwort im pdf-Dokument anklicken.

Sobald sie fertig sind, speichern sie die Datei und senden sie als Anhang an ihren Klassenlehrer, der die Punkte mit Excel addiert. Am Ende erscheint die Note. Als hätten sie nie etwas anderes gemacht, öffnen die Schüler das gewünschte Dokument und beginnen mit der Arbeit. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich ans Werk machen, liegt daran, dass das iPad seit Beginn des Schuljahres ihr ständiger Begleiter ist. Die Initialzündung für das iPad-Projekt kam vor rund einem Jahr.

Damals startete die Flensburger Ostseeschule mit ihrem iPad-Unterricht. Seitdem wurde an der Auguste-Viktoria-Schule überlegt, wie Tablets auch dort im Unterricht eingesetzt werden können. So schauten sie sich an anderen Schulen erfolgreiche Modelle an, wie etwa am Gymnasium Kronshagen. Unter der Federführung der dortigen Initiatorin des iPad-Projekts, Nicole Haferlandt, werden Tablets seit 2011 eingesetzt.

Weitere Unterstützung erhielt die AVS von der Fachhochschule Westküste. Mit Hilfe der FH wurden die Schüler an der AVS zu ihren Vorstellungen zum Tablet-Einsatz befragt. Mit den Ergebnissen erarbeitete die Schule ein pädagogisches Konzept, welches nun als Grundlage für die Verwendung im Unterricht dient. Das Konzept unterscheidet sich von den bisherigen Projekten dadurch, dass eine Klasse über drei Jahre die iPads in der Schule und zuhause nutzen kann. „Wir möchten erreichen, dass die Nutzung zum Normalfall und nicht zum Sonderfall wird“, erklärt Räker, der gemeinsam mit seinem Kollegen Bernd Clausen das Schulnetz und Dateienverwaltung für die iPads an der Schule entwickelt hat.

Bevor alles losgehen konnte, mussten die Geräte finanziert werden. Mit Hinweis auf die Kassenlage blieben Anfragen bei der Wirtschaft oder bei der öffentlichen Hand ohne Erfolg. Am Ende finanzierten vor allem die Eltern und der schuleigene Innovationsfonds das Projekt. „Wir haben die Eltern von Anfang an mit ins Boot genommen. Alle Eltern stehen hinter dem Konzept“, sagt Räker. Auf die Schüler wartet die nächste Unterrichtsaufgabe: Thema ist die Partizipation. Wie können wir uns am gesellschaftlichen Willensbildungsprozess beteiligen, möchte Räker wissen.

Zur Illustration lässt Räker von seinem iPad über den Beamer eine passende Karikatur an der Wand erscheinen. Eine rege Diskussion unter den Schülern kommt in Gang. Ist eine Unterschriftenaktion bereits Partizipation oder erst die Teilnahme an einer Demonstration? Nachdem die Begriffe geklärt sind, geht es zum nächsten Punkt. Auf dem iPad öffnen die Schüler eine Studie zum Partizipationsverhalten Jugendlicher. Hier sollen die Studienergebnisse ausgewertet werden. Für die Notizen wird auf dem iPad das Schreibprogramm geöffnet. Ziel der Übung: Die Schüler sollen einen eigenen Fragebogen entwickeln. Anschließend befragen die Schüler den Familien- und Freundeskreis. Die Ergebnisse werden digital ausgewertet und präsentiert.

Die vielseitigen Möglichkeiten des Tablets werden bewusst eingesetzt. „Wir möchten herausfinden, wo das Gerät den Unterricht bereichern kann und wo es sich als Arbeits- und Organisationsmittel am besten entfalten kann“, erklärt Räker. Dort wo Schulbücher an ihre Grenzen stoßen, kommt das iPad zum Einsatz. Wenn die in den Büchern enthaltenen Fakten veraltet sind, lassen sich bequem aktuelle Studien im Internet heraussuchen. Mit dem iPad können die Schüler jederzeit recherchieren, ohne den Kassenraum verlassen zu müssen. „Es lohnt sich auszuloten, wo die Vorteile der neuen Technologie liegen“, ist sich Räker sicher.

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