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Systembefreiung mit Tücken: Jailbreaks für iPhone und Co. 

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München (dpa/tmn) ? Mit einem sogenannten Jailbreak können sich Besitzer von Smartphones und Tablets neue Funktionen und alternative Software auf ihre Geräte holen. Der Eingriff birgt jedoch Risiken. Außerdem verspielt der Nutzer damit seinen Garantieanspruch.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2013 | 05:33 Uhr

München (dpa/tmn) ? Mit einem sogenannten Jailbreak können sich Besitzer von Smartphones und Tablets neue Funktionen und alternative Software auf ihre Geräte holen. Der Eingriff birgt jedoch Risiken. Außerdem verspielt der Nutzer damit seinen Garantieanspruch.

Das englische Wort Jailbreak bedeutet übersetzt Gefängnisausbruch. In der Welt der Technik versteht man darunter, die Beschränkungen bestimmter Geräte aufzuheben und sich Zugriff auf neue Funktionen zu verschaffen. Meistens wird der Ausdruck im Zusammenhang mit iOS-Geräten von Apple genutzt - iPhone, iPod und iPad also. Ob ein Jailbreak illegal ist, ist noch unklar. Ein Risiko geht der Nutzer damit aber auf jeden Fall ein.

Wie verbreitet das Knacken von Betriebssystemen ist, belegen die Nutzungszahlen der Jailbreak-Software Evasi0n für iPhone und Co. Laut einem Bericht des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins «Forbes» installierten in den ersten vier Tagen nach der Veröffentlichung am 28. Januar 2013 weltweit etwa sieben Millionen Nutzer die Software.

Zwei Gründe dafür: Programme wie Evasi0n sind meistens kostenlos und selbst für Laien ohne große Vorkenntnisse installierbar. «Nutzer schließen ihr Gerät an den PC und starten das Programm», erklärt Klaus Baasch von der Computerzeitschrift «Chip». «Nach nur wenigen Minuten ist der Vorgang abgeschlossen.»

Auf den ersten Blick hat sich nach der Installation nichts verändert: «Mails, Kontakte, Bilder, Programme und sonstige Daten sind an Ort und Stelle und auch nach dem Eingriff allesamt ohne Einschränkungen nutzbar», sagt Baasch. Die Veränderungen am System sind nicht offensichtlich, aber gewaltig. Denn durch den Jailbreak erlangt der Nutzer Administratoren-Rechte.

Bei iOS-Geräten lassen sich dadurch zum Beispiel Beschränkungen umgehen, die Apple bei der Installation von Software macht. In diesem Punkt ist das System eigentlich sehr strikt: Anwendungen werden nur akzeptiert, wenn sie aus dem hauseigenen App Store stammen. Nach einem Jailbreak kann der Nutzer jedoch Programme von anderen Quellen installieren. Eine davon, den alternativen Marktplatz Cydia, bringt Evasi0n gleich mit.

Die Plattform bietet, genau wie das Original von Apple, sowohl kostenfreie als auch kostenpflichtige Apps. «Im Cydia-Shop finden Nutzer Programme, die die Funktionalität der iOS-Geräte deutlich erweitern», sagt Baasch. Ein Beispiel ist das Gratisprogramm SBSettings, das dem Besitzer besseren Zugriff auf Funktionen wie WLAN, GPS und Bluetooth verschafft: Mit nur einem Knopfdruck lassen sich die Verbindungen ein- und ausschalten. Normalerweise muss der Nutzer dafür erst umständlich ins Einstellungsmenü wechseln.

Ein Jailbreak bringt jedoch nicht nur mehr Möglichkeiten, sondern auch Risiken mit. Einen Defekt des Geräts hält Baasch zwar für nahezu ausgeschlossen. «Selbst wenn mal etwas nicht korrekt funktionieren sollte, ist das kein Problem», erklärt der Redakteur. «iPhone, iPod und iPad lassen sich über iTunes mit einem Klick in den Auslieferungszustand zurückversetzen.» Gefahren lauern eher durch alternative Software: Weil diese nicht durch die strengen Kontrollen des App Store gelaufen ist, holt sich der Nutzer damit viel schneller Datenkraken oder Schadsoftware auf Telefon oder Tablet.

Außerdem stellt sich die Frage, ob der Systemeingriff überhaupt legal ist. In Apples Heimatland haben Gerichte dazu bereits Urteile gefällt. «Jailbreaks bei Mobiltelefonen sollen in den USA legal sein, bei Tablet-PCs dagegen nicht», erklärt der Frankfurter Rechtsanwalt Andreas Lober. Hierzulande gibt es noch keine Klarheit. «Meines Wissens nach hat bislang noch kein deutsches Gericht darüber entschieden», sagt der Spezialist für Medien- und IT-Recht.

Auch ohne Gerichtsurteile hält er den Systemeingriff aber für rechtlich bedenklich: «Ein Jailbreak durch den Nutzer an einem Handy, einem Tablet-PC oder an einer Spielkonsole ist nicht zwingend strafbar, sehr sicher aber illegal.» Der Grund dafür liegt im Kleingedruckten der Hersteller: «Durch einen Jailbreak wird gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen.»

Deshalb droht beim Hacken eines Betriebssystems auch der Verlust aller Garantieleistungen. Apple warnt selbst ausdrücklich davor, Software zu installieren, die das Betriebssystem von iPhones, iPods oder iPads manipuliert: «Eine nicht autorisierte Veränderung von iOS stellt eine Verletzung des Endbenutzer-Lizenzvertrags dar», erklärt ein Unternehmenssprecher. «Apple kann daher jeglichen Service für ein iPhone, ein iPad oder einen iPod touch ablehnen, auf dem nicht autorisierte Software installiert wurde.»

Außerdem bekämpft die Firma populäre Jailbreaks immer wieder selbst: Ein aktuelles iOS-Update auf Version 6.1.3 sperrt zum Beispiel alle Funktionen, die sich der Nutzer vorher mit Evasi0n erkämpft hat. Wer seine Administratoren-Rechte behalten will, muss also auf Systemaktualisierungen verzichten und verpasst so eventuell neue Funktionen oder wichtige Sicherheitsupdates.

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