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Britta Reimers : Steinburg hat wieder eine Stimme in Europa

vom

Nach einer spannenden Nacht stand es fest: Die Poyenberger Landwirtin Britta Reimers hat den Sprung ins Europaparlament geschafft.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2009 | 06:57 Uhr

Poyenberg | Spannung bis zuletzt in Kiel. Immer wieder brandete Applaus und Jubel im Landeshaus auf. Zwischendurch gab es heiße Diskussionen zwischen den Mitgliedern der FDP-Landtagsfraktion. Ein endgültiges Ergebnis der Europawahl ließ lange auf sich warten. Britta Reimers (37) war schon mit dem Zug auf dem Weg ins heimatliche Poyenberg, als sie von ihrem Wahlsieg erfuhr: Parteifreunde informierten sie gegen Mitternacht per Handy, dass sie einen Sitz im Europaparlament habe. "Ich freue mich riesig über das Ergebnis. Aber ich muss das ganze erst sacken lassen, um es richtig zu begreifen."

Der Gewissheit ging ein Wahlkrimi voraus, "wie es ihn bisher erst zwei oder drei Mal im Landeshaus gegeben hat", erzählt Britta Reimers am nächsten Morgen. Im Fernsehen und an den Computern hatte die Landwirtin zusammen mit den Parteifreunden versucht, die aktuellsten Hochrechnungen zu erfahren. "Wir haben gezittert und gebangt, es war ein Wechselbad der Gefühle." Erst gegen Mitternacht stand es fest: Die FDP erreichte 11,0 Prozent und ergatterte damit zwölf Sitze im Parlament in Straßburg. Britta Reimers belegte Platz zwölf der Bundesliste. Ihr gelang somit knapp der Sprung vom Bauernhof in Poyenberg auf die große Bühne der europäischen Politik. Nur Ernst Engelbrecht-Greve (CDU), von 1958 bis 1962 Abgeordneter im Europäischen Parlament, hatte dies aus Steinburg bislang vor ihr geschafft.
"Was mich in Straßburg erwartet, ist für mich noch völlig offen"
Trotzdem blieb die 37-Jährige bodenständig und bescheiden: "Es wäre vermessen, jetzt mit stolz geschwellter Brust durch die Gegend zu laufen. Es waren fleißige Hände, die mir geholfen haben und die Wähler, die mir diese riesige Aufgabe zutrauen."

Seit gestern steht das Leben der Landwirtin und zweifachen Mutter Kopf: "Massenhafte Telefonanrufe", die Neuorganisation von Hof und Familie und die bevorstehende Arbeit in Straßburg und Brüssel. Eine Haushaltshilfe hat Britta Reimers schon eingestellt. Die Aufgaben, die im landwirtschaftlichen Betrieb anfallen, den sie zusammen mit ihrem Mann Detlev (45) führt, müssen neu eingeteilt werden. "Was mich in Straßburg erwartet, ist für mich noch völlig offen. Aber ich werde ganz neugierig an meine neuen Aufgaben herangehen", sagt die 37-Jährige. Ob sie sich dort eine Wohnung nimmt oder ein Hotel ausreiche, wisse sie jetzt noch nicht. Auf jeden Fall wolle sie über Telefon und E-Mail für ihren Mann und für ihre Kinder, Ann-Katrin (10) und Jonathan (11), stets erreichbar sein.

Heute geht es erst einmal für zwei Tage nach Bonn, wo sich die gewählten FDP-Abgeordneten treffen, um sich zu besprechen. Den Tag nach dem Wahlkrimi hat die 37-Jährige, die ab jetzt Steinburg, ja sogar ganz Schleswig-Holstein in Europa vertritt, wie jeden anderen begonnen. "Ich war um fünf Uhr mit meinem Mann im Stall und habe unsere Kühe versorgt."

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