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Computer und Netzwelt : Samsungs smarte Uhr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Unternehmen stößt mit der Computer-Uhr Galaxy Gear ins Smartwatch-Geschäft vor. Mit der Computer-Uhr kann man sogar telefonieren.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 18:40 Uhr

Samsung hat den Smartphone-Markt fest im Griff – jetzt setzten die Südkoreaner auf ein Zukunftsgeschäft. Nach wochenlangen Spekulationen stellte Samsung bei der Internationalen Funkausstellung im Berliner Tempodrom die Computer-Uhr Galaxy Gear vor. Damit gelang es dem Konzern diesmal, vor Apple in eine neue Produkt-Kategorie vorzustoßen. Der Vorsprung mit der Gear-Uhr hat damit auch einen symbolischen Wert für Samsung, das sich seit Jahren gegen Apples Ideenklau-Vorwürfe wehren muss. Auch Apple-Chef Tim Cook und seine Entwickler aus dem kalifornischen Cupertino tüfteln zähen Gerüchten zufolge schon längst an einer Computer-Uhr.

Die Galaxy Gear ist als Begleiter für Samsungs Smartphones konzipiert. Die 168 Gramm schwere Uhr zeigt auf ihrem 1,63 Zoll großen Amoled-Touchscreen zum Beispiel an, wenn neue Nachrichten eingehen. Über die am Verschluss versteckten Lautsprecher samt Mikrofon kann der Nutzer auch telefonieren, ohne das Smartphone aus der Tasche zu holen. Und verschiedene Apps sind bereits vorinstalliert, so etwa Nachrichten der „New York Times“ oder von Bloomberg, das digitale Gedächtnis Evernote sowie das populäre Spiel „Angry Birds Star Wars“. Auch Fotos und kleine Videosequenzen lassen sich mit der Gear aufnehmen, die Kamera-Linse ist im Armband der Uhr integriert und lässt sich mit einem Wisch über das Display aktivieren. Weitere Sensoren können etwa Bewegungsdaten für Sport-Apps ermitteln.

Marktbeobachter erwarten, dass Computer-Uhren das „nächste große Ding“ werden. „Gerätehersteller mögen Smartwatches, weil sie persönliche Geräte sind, die auffällig für andere getragen werden“, sagte Neil Mawston von Strategy Analyst der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Wenn du deinen Freund siehst, wie er eine coole Smartwatch trägt, möchtest du möglicherweise auch eine.“

Der IT-Branchenverband Bitkom ermittelte, dass jeder dritte Bürger in Deutschland Interesse an einer Smartwatch hat. Demnach sollen 13 Prozent der Teilnehmer einer repräsentativen Umfrage sicher sein, ein solches Gerät nutzen zu wollen, etwa jeder Vierte ist entschlossen, sich eine Smartwatch zuzulegen.

Die Galaxy Gear lässt sich aber nicht unabhängig von einem Samsung-Smartphone nutzen. Ausdrücklich präsentierte das Unternehmen die Computer-Uhr als „Kompagnon“ des neuen Smartphones Galaxy Note 3, das der Konzern auf der gleichen Veranstaltung ebenfalls für den 25. September ankündigte. Auch einige ältere Samsung-Telefone wie das S4 sollen nach einem Software-Update mit der Computer-Uhr kommunizieren können.

Samsung selbst nannte in Berlin keinen Preis für das Gerät. Bloomberg erfuhr aber, dass die Uhr 299 Dollar kosten werde. Damit läge sie deutlich über der Preisspanne, die sich Interessenten in Deutschland laut Bitkom vorstellen könnten. Demnach würden diese im Schnitt rund 87 Euro ausgeben, mehr als jeder Vierte würde aber auch mehr als 100 Euro investieren.

Analysten erwarten Bloomberg zufolge dennoch, dass Samsung noch in diesem Jahr eine halbe Million Uhren absetzen könnte. Das wäre in etwa die Menge, die bislang Sony von seiner Smartwatch verkaufte. In diesem Monat bringen die Japaner das zweite Modell auf den Markt. Die Marktforscher von Jupiter Research gehen sogar von 70 Millionen Geräten aus, die bis 2017 verkauft werden könnten. Bislang sind bereits 15 Millionen solcher Geräte verkauft worden.

Samsung hält die Zielgruppe seiner Uhr allerdings überschaubar, da sich das Gerät nur im Zusammenspiel mit bestimmten Smartphones aus dem gleichen Haus nutzen lässt. Und Apple dürfte sich mit einer Antwort nicht mehr viel Zeit lassen. „Wir erwarten, dass sich Samsungs Galaxy Gear ziemlich gut verkauft“, sagt Analyst Neil Mawston gegenüber Bloomberg. „Aber es ist am Wahrscheinlichsten, dass Apple die Smartwatch-Industrie in Schwung bringen wird.“

Schließlich wäre es nicht das erste Mal, dass Apple damit gelänge, was andere zuvor nicht vermochten. Auch mit dem iPad reaktivierte das Unternehmen eine alte Idee und brachte sie nach vergeblichen Versuchen anderer Hersteller erstmals zum Erfolg. Zudem habe Apple die Möglichkeit, eine iWatch viel enger an das Ökosystem seines Betriebssystems iOS zu knüpfen als es in der fragmentierten Android-Gemeinschaft möglich sei, so Mawston.

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