Faltbarer Bildschirm : Samsung will mit Aufklapp-Display neuen Trend setzen

Das biegsame Display sei «die Basis für das Smartphone für Morgen», schwärmt Samsung-Manager Justin Denison. /AP
Das biegsame Display sei «die Basis für das Smartphone für Morgen», schwärmt Samsung-Manager Justin Denison. /AP

Faltbare Smartphones mit biegbaren Bildschirmen, sprachgesteuert mit dem Digitalassistenten Bixby: Samsung will den Markt aufmischen, so wie einst Apple mit dem iPhone. Lassen sich App-Entwickler und Nutzer überzeugen?

shz.de von
08. November 2018, 18:11 Uhr

Dieser Samsung-Prototyp wirkt erst wie gewöhnliches Smartphone - doch das Gerät lässt sich wie ein Buch aufklappen und hat im Inneren ein zweites faltbares Display in der Größe eines kleinen Tablets.

Auf diesem 7,3 Zoll (18,5 cm) großen Bildschirm können bis zu drei Apps gleichzeitig laufen. Das biegsame Display sei «die Basis für das Smartphone von Morgen», schwärmt Samsung-Manager Justin Denison in San Francisco.

Ein Samsung-Telefon, in dem sich ein zweiter faltbarer Bildschirm in der Größe eines kleinen Tablets versteckt, könnte im kommenden Jahr auf den Markt kommen. Die Produktion der entsprechenden «Infinity Flex Displays» soll jedenfalls in den nächsten Monaten anlaufen.

«Das nächste große Ding» im Smartphone-Markt soll nicht von Apple, sondern von Samsung aus Südkorea kommen. 2007 hatte das iPhone mit seinem großen berührungsempfindlichen Display den Handy-Markt revolutioniert und das Ende der Tastaturtelefone eingeleitet. Seitdem wurden Smartphones immer dünner und ihre Bildschirme immer größer - aber ihre Grundform mit dem Touchscreen als Mittelpunkte bleibt unverändert. Jetzt will Samsung den nächsten Schritt mit einem Falt-Display gehen.

Google ist mit im Boot: Das Betriebssystem Android werde den Bildschirm vollständig unterstützen, versichert Glen Murphy vom Internet-Konzern auf der Samsung-Entwicklerkonferenz.

Viele Details blieben bei der Präsentation des Prototypen in San Francisco allerdings buchstäblich im Dunkeln: Das Licht auf der Bühne war so runtergedreht, dass man fast nur die Displays leuchten sah. So blieb unklar, wie dick das zusammengefaltete Gerät ist - und wie Samsung den Falt-Mechanismus gestaltete. Später wurden einige wenige Details veröffentlicht. Daraus wurde immerhin klar, dass das «klassische» Display auf der Außenseite mit einer Diagonale von 4,58 Zoll (11,6 cm) nach heutigen Verhältnissen eher klein ausfällt. Zudem bekommt es einen dicken Rahmen oben und unten - etwas, wovon sich die Industrie eigentlich gerade verabschiedet.

Samsung ist seit der Jahren der Marktführer im Smartphone-Geschäft nach der Zahl verkaufter Smartphones - wird aber zunehmend von chinesischen Rivalen unter Druck gesetzt. Im vergangenen Quartal sank der Absatz von Samsung-Smartphones nach Zahlen des Marktforschers IDC im Jahresvergleich um 13,8 Prozent auf 72,2 Millionen Computer-Handys und einen Marktanteil von noch 20,3 Prozent. Auf dem zweiten Rang steigerte der chinesische Anbieter Huawei seine Verkäufe um fast ein Drittel und kam mit 52 Millionen Smartphones auf einen Marktanteil von 14,6 Prozent. Apple sehen die Analysten von IDC auf Platz drei bei einem Marktanteil von 13,8 Prozent - aber dank der teuren iPhones sichert sich der Konzern den Großteil der Gewinne in dem Geschäft.

Zu Samsungs Zukunftskonzept gehören auch eine neue Benutzeroberfläche namens «One UI» und intelligenter Sprachsteuerung. Diese Rolle soll für Samsung Bixby übernehmen, ein Digitalassistent, der Amazons Alexa und Apples Siri herausfordert. Samsung will 22 Milliarden Dollar in die Entwicklung Künstlicher Intelligenz investieren und in sieben KI-Zentren über 1000 Entwickler einstellen. Die deutschsprachige Version von Bixby solle in wenigen Monaten eingeführt werden, hieß es in San Francisco. Damit wird dann auch die bislang in Deutschland nutzlose «Bixby-Taste» an neueren Samsung-Smartphones einen Sinn bekommen. In den USA bekam Bixby allerdings bisher wenig schmeichelhafte Kritiken.

DJ Koh, der Chef von Samsungs Mobilfunksparte, hat zwei Tage Zeit, um die rund 5000 angereisten Softwareentwickler und Partnerfirmen von seiner Zukunftsvision zu überzeugen. Denn er steht vor einem Problem. Anders als damals Apple kontrolliert er nicht das Betriebssystem seines Smartphones. Samsung setzt auf Android und ist auf Googles Unterstüzung angewiesen. Samsungs eigenes Betriebssystem «Tizen» hat nie den Durchbruch im Smartphone-Markt geschafft. Koh muss die Entwickler auf seine Seite ziehen. Passen sie ihre Anwendungen und Apps nicht an, bleibt das Falt-Telefon eine Hülle ohne Inhalt. Samsung wird nun erst einmal einen Faltbildschirm-Simulator bereitstellen, auf die Entwickler ihre Produkte testen können.

Koh verspricht den externen Entwicklern zudem jetzt erstmals vollen Zugriff auf Bixby. In einer eigenen Software-Umgebung, dem «Bixby Developer Studio», sollen sie einfach und schnell Bixby-Projekte erstellen können. Dabei werden sie von der künstlichen Intelligenz unterstützt, die Teile des Softwarecodes automatisch schreiben werde.

Samsung, betont Koh, verkaufe 500 Millionen Geräte jedes Jahr, von Haustechnik über smarte Lautsprecher bis zum Smartphone oder Fernseher. Bis 2020 sollen alle aktuellen Geräte vernetzt sein und immer mehr von ihnen werden Bixby bekommen. Diese riesige Basis, hofft Samsung, werde für genug Interesse sorgen. Bereits 2021, so die Samsung-Marktforscher, werde die Zahl der großen Smartphones die der gewöhnlichen Modelle übersteigen. Mit dem Falt-Phone, das immer noch in jede Anzugtasche passt, will Samsung dann ein attraktives Produkt anbieten können.

Denn der Smartphone-Primus kann nicht davon ausgehen, die neuen Gerätekategorie für sich allein zu haben. Inzwischen werden Smartphones mit faltbaren Bildschirmen unter anderen auch von den chinesischen Herstellern Huawei, Xiaomi und Lenovo erwartet. Und der südkoreanische Samsung-Konkurrent LG zeigte bereits den Prototypen eines großen Fernseher-Displays, das sich zusammenrollen lässt.

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