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Provider-Stress : Nutzlose Garantie

vom

Michaela Hübers aus Flensburg ist umgezogen. Ihren Internet- und Telefonanschluss wollte sie mitnehmen. Der Anschluss kam nie, dafür Rechnungen und Mahnungen.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2009 | 05:31 Uhr

"Nur wenn Sie zufrieden sind, sind wir es auch." Ein vollmundiges Versprechen, mit dem die 1&1 Internet AG wirbt. Michaela Hübers aus Flensburg kann über diese sogenannte Qualitäts-Garantie des großen Internetproviders nur müde lächeln. Denn statt eines Internet- und Telefonanschlusses in ihrer neuen Wohnung gab es für sie nichts als Ärger - über nunmehr fünf Monate.

Alles fing mit ihrem Umzug innerhalb Flensburgs an. Bei 1&1 war die Berufsschullehrerin schon Kundin, wollte ihren Anschluss lediglich mit ins neue Heim nehmen. Ein Techniker sei dann auch zum verabredeten Termin gekommen, um den Anschluss freizuschalten. Doch dann nahm das Unterfangen Internetanschluss eine hässliche Wendung: Die Telefonleitung war defekt und der Techniker zog unverrichteter Dinge wieder ab.
Acht Stunden in der Hotline
Was nun für Michaela Hübers folgte, waren ergebnislose Stunden in der Hotline ("Insgesamt waren das bestimmt acht Stunden."), um einen neuen Technikertermin zu bekommen und die Zusendung einer eidesstattlichen Erklärung. Darin sollte die 48-Jährige bestätigen, dass der Techniker zum Termin nicht erschienen war. "Das konnte ich natürlich nicht unterschreiben, da es ja nicht der Wahrheit entsprach", widerspricht sie. Nach tagelangem Telefonieren mit der Hotline - übrigens von einem Freund aus, da ihr Anschluss ja nicht funktionierte - gab Hübers entnervt auf. Statt einen Termin abmachen zu können, sei sie lediglich ständig weiterverbunden worden.

"Ich ließ mich bei der Verbraucherzentrale von einem Anwalt beraten. Der riet mir erstens, 1&1 mit einer Frist aufzufordern, die Freischaltung vorzunehmen; und zweitens, bei Nichteinhaltung, fristlos zu kündigen", erläutert Hübers. "Beides jeweils durch Einschreiben mit Rückschein."
Freigeschaltet wurde die Flensburgerin nicht. Sie kündigte, doch ihre Kündigung wurde nicht bestätigt. Post bekam sie trotzdem: Rechnungen und Mahnungen. "In ihren Briefen behauptet 1&1 weiterhin, ich hätte dem Techniker den Zugang zur Wohnung verweigert und mich nicht um einen weiteren Termin bemüht. Beides sind Lügen", heißt es in einem Schreiben an shz.de, mit dem Michaela Hübers um Hilfe bittet. Denn zwischenzeitlich forderte sie auch schon ein Inkassobüro auf, die Rechnungen zu bezahlen. Das tat Hübers nicht.
"Alles richtig gemacht"
Thorsten Meinicke ist Referent für Verbraucherrecht in der Geschäftsstelle Kiel der Verbraucherzentrale und sagt: "Frau Hübers hat alles richtig gemacht." Sie habe sich rechtzeitig um die Umstellung nach dem Umzug bemüht, sei vor Ort gewesen, als der Techniker kam - dafür hat sie sogar einen Zeugen - und habe nachtelefoniert. Und das Wichtigste: Sie hat die Rechnungen nicht bezahlt. "Denn der Bereich von der Leitung bis zur Verteilerdose liegt in der Zuständigkeit von 1&1", erklärt Mei nicke. Eine vertraglich zugesagte Leistung sei also nicht erbracht worden, so dass Michaela Hübers nach der Fristsetzung von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen konnte.

Die eidesstattliche Erklärung bleibt allerdings auch für den Fachmann ein Rätsel. Denn was verspricht sich die 1&1 AG davon, ihre Kundin zu einer Falschaussage aufzufordern? Zumal ein solches Verhalten strafbar wäre. "Es könnte mit Vorsatz gewesen sein oder aber ein Irrtum", sagt Meinicke. Aber in jedem Fall sei es "ein dicker Hund".
Stellungnahme
Auf Nachfrage von shz.de hat 1&1 nun kurzfristig Stellung zu dem gesamten Vorgang genommen: "Aus Kulanz haben wir ihren Vertrag heute beendet. Alle offenen Vertragskosten sind storniert (inkl. der Kosten ihres alten Anschlussver trages). Die Rücklastkosten, die Versandkosten der neuen Hardware, die Umzugsgebühr sowie die Ablösegebühr auf Grund einer vorgezogenen Kündigung im Umzugsfall sind ebenfalls von uns storniert worden. Auch das Inkassoverfahren haben wir in diesem Zusammenhang eingestellt."

Doch 1&1 lässt es sich nicht nehmen, anzumerken: "Trotzdem möchte ich bemerken, dass Frau Hübers im Vorfeld ihrerseits nicht dazu beigetragen hat, ihre Angelegenheit zu klären." Auch das Wort "Kulanz" hinterlässt in diesem Zusammenhang einen bitteren Beigeschmack. Für Thorsten Meinicke ist es sogar eine Frecheit: "Das Versäumnis liegt nach der aktuellen Beweislage ganz klar bei 1&1." Dabei heißt es doch bei dem Internetanbieter so vielversprechend: "Nur wenn Sie zufrieden sind, sind wir es auch."

Sollten Sie ein ähnliches Problem haben, hier einige Tipps der Verbraucherzentrale, falls alle Bemühungen, den Konflikt zu lösen, gescheitert sind:
1. Dem Anbieter per Einschreiben mit Rückschein eine Frist setzen, für die Erbringung der vertraglich vereinbarten Leistung und mit einer fristlosen Kündigung drohen.
2. Bei Nichteinhaltung der Frist per Einschreiben mit Rückschein fristlos kündigen.
3. Bei weiteren Rechnungen bzw. Mahnungen z. B . bei den Anwälten der Verbraucherzentrale Rechtsrat einholen und erst dann ggf. zahlen.
4. Den bisherigen Ablauf der Misere in einem Schreiben an die Geschäftsführung (bei einer GmbH) bzw. den Vorstand (bei einer AG) zusammenfassen und zu einer Stellungnahme auffordern. Zudem darauf bestehen, dass die Kündigung anerkannt wird.
5. Bestätigt der Rechtsanwalt die Wirksamkeit der fristlosen Kündigung kann ein neuer Anbieter gesucht werden.
6. Kommen weiterhin Rechnungen bzw. Mahnungen erneut Rechtsrat bei der Verbraucherzentrale einholen oder, insbesondere bei bestehender Vertrags-Rechtsschutzversicherung, einen Rechtsanwalt beauftragen.
7. Und noch ein wichtiger Tipp: Den gesamten Schriftverkehr gut aufbewahren.
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