Die "alten Riesen" der Landschaft Angeln : Mühlentour

Mühle 'Charlotte.' Foto: shz
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Mühle "Charlotte." Foto: shz

Schleswig-Holsteins Mühlen ermöglichen einen Einblick in vergangene Zeiten

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05. April 2012, 12:07 Uhr

Kappeln | Schon seit Jahrhunderten nutzen die Menschen die Kräfte von Wind und Wasser. Zahlreiche Wind- und einige Wassermühlen in der Region sind imposante Zeugen einer vergangenen Epoche, aber auch Vorreiter auf dem Weg zu einer modernen nachhaltigen Energiegewinnung.
Mühle "Amanda" in Kappeln: Kappelns "Schöne Holländerin", die auf dem höchsten Punkt der kleinen Schleistadt gebaute Mühle "Amanda", feiert in diesem Jahr ihren 124. Geburtstag. Der vierstöckige Galerieholländer wurde 1888 erbaut und 1977 unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1990 sind "Amanda" und das angegliederte alte Sägewerk als Kulturdenkmal eingetragen. Heute ist "Amanda" das Aushängeschild der Schleistadt Kappeln. Im ersten und zweiten Stock beherbergt die Mühle die Kappelner Tourist-Information der Ostseefjord-Schlei-GmbH. Im dritten Stock liegt das Trauzimmer, in dem auch auswärtige Hochzeitspaare im Urlaub den Bund fürs Leben schließen können. Im vierten Stock befindet sich der von außen sichtbare Rundgang. Von dort aus haben Besucher einen herrlichen Blick über die Stadt Kappeln und die Schlei bis hin zur Ostsee. Mit 24 Metern Kappenhöhe ist "Amanda" die höchste Windmühle im nördlichsten Bundesland.
Mühle "Amanda", Schleswiger Straße 1, 24376 Kappeln
Mühle "Charlotte" in Gelting: Am Eingang zum Naturschutzgebiet Geltinger Birk liegt die Mühle "Charlotte". Nach der Eindeichung des Geltinger Noores wurde um 1826 auf dem von Goldhöft zur Birk führenden Damm das Bauwerk durch den Rittmeister von Hobe vom Gut Gelting als Schöpf- und Kornmühle erbaut. Sie diente vor allem der Entwässerung der Birk wurde aber auch zum Mahlen von Korn eingesetzt. Bis 1938 wurde in der Mühle Korn gemahlen, als Schöpfmühle war "Charlotte" bis 1971 im Einsatz. Seither wird die Birk durch ein neu errichtetes Pumpwerk entwässert. Weil ihre Flügel fast bis zur Erde reichen, wird diese Mühlenform Erdholländer-Windmühle genannt. Der Legende nach verdankt die Mühle ihren Namen der Oberstallmeisterin Charlotte von Plessen, geb. Herzogin von Mecklenburg, die 1822 auf Schloss Gelting verstarb; aber auch Charlotte von Bjelke, eine Enkelin des Baron zu Gelting kommt als Namensgeberin in Frage. Die Mühle ist in Privatbesitz, wird als Ferienwohnung genutzt und kann daher nicht besichtigt werden. Adresse: Vom Parkplatz am Eingang der Geltinger Birk in Nieby, sind es knapp 100 Meter Fußweg bis zur Mühle "Charlotte" entlang der Straßen Goldhöftberg, Beveroe.
Mühle "Charlotte", 24395 Gelting
Mühle "Renata" in Sörup: Täglich besichtigen lässt sich die Mühle "Renata" im Söruper Ortsteil Schwensby. Der einstöckige Galerieholländer aus dem Jahre 1883 steht seit 1977 unter Denkmalschutz. Umfangreich restauriert wurde das Bauwerk zwischen 1999 und 2001. Nach Abschluss der Arbeiten entschied die "Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Schwensbyer Mühle", dass in der Mühle auch wieder Korn gemahlen werden soll. Seit 2007 stellt Müller Walter Skau auf der "Renata" Getreideschrot, Vollkornschrot und Hühnerkorn her. Öffnungszeiten Montag bis Sonnabend, 9 bis 18 Uhr, Sonntags nach "Wetterlage", Anmeldung bei Müller Walter Skau unter 0160 / 90 36 74 12.
Mühle "Renata", Kappelner Straße 27, 24966 Sörup
Wassermühle Schaalby: Die Schaalbyer Wassermühle wurde erstmals 1464 urkundlich erwähnt. Bis 1970 wurde die Mühle genutzt. Für den Eigenbedarf wird bis heute noch geschrotet. Das Mühlengebäude aus dem Jahre 1842 steht seit 1981 unter Denkmalschutz. Heute treibt eine eiserne Welle über ein Winkelgetriebe ein mächtiges Holzkammrad an, das Energie über Spindeln und hölzerne Stockräder an die Mahlgänge verteilt. Mit einer zugeschalteten Wasserturbine kann Strom erzeugt werden. Die Wassermühle wird durch den oberhalb liegenden Mühlenteich mit Wasser versorgt. Das große Wasserrad mit einem Durchmesser von 4,80 Meter und einem Gewicht von sechs Tonnen kann bis zu sechs Umdrehungen pro Minute erreichen. Die drei Mahlgänge treiben die Mahlsteine mit bis zu 110 Umdrehungen pro Minute an. 1986 wurde das Wasserrad erneuert. Die Mühle kann besichtigt werden, Führungen sind nach Anmeldung unter 0 46 22 / 24 46 möglich.
Wassermühle Schaalby, Mühlenstraße 4, 24882 Schaalby
Mühle "Grödersby": Einen wunderbaren Ausblick auf das Grödersbyer Noor mit Verbindung zur Schlei hat man von der Straße vor der Grödersbyer Mühle. Neben einer bereits seit Jahrhunderten bestehenden Wassermühle wurde 1767 wenige Meter entfernt eine Bockmühle errichtet, der älteste Windmühlentyp in Europa. Gut 100 Jahre später, 1888, musste das Bauwerk einer Galerieholländer-Windmühle weichen, die bis heute erhalten ist. Der Betrieb wurde 1968 eingestellt, nachdem sie zuvor einige Jahre mit Elektroantrieb gearbeitet hatte. Der Betrieb der Wassermühle wurde bereits 1911 eingestellt. Die Mühle besteht aus vier Ebenen, die saniert und vollständig zu Wohnzwecken umgebaut wurden. Da sich die Mühle in Privatbesitz befindet, ist eine Besichtigung nicht möglich.
Mühle "Grödersby", Mühlenstraße, 24376 Grödersby
Mühle "Hoffnung" in Munkbrarup: Die Mühle "Hoffnung" in Munkbrarup, ein "Kellerholländer", stand ursprünglich in Meierwik. Dort abgebaut wurde das Bauwerk mit Pferd und Wagen Balken für Balken nach Munkbrarup transportiert und dort 1868 wieder aufgebaut. Zum Drehen der Kappe in den Wind besitzt diese Mühle noch das alte Holzbalkengerüst, den sogenannten Steert. Im Inneren ist die Mahleinrichtung mit zwei Schrotgängen und einem Schälgang vollständig erhalten. In der Mühle kann geheiratet werden. Führungen sind ganzjährig nach Vereinbarung, 04631 / 35 95, möglich. Vom 1. Mai bis 31. August finden an jedem Freitag für kleine Gruppen Führungen ohne Anmeldung statt.
Mühle "Hoffnung", Auberg 6, 24960 Munkbrarup
Kleine Mühlenkunde: Beim Kellerholländer befindet sich ein Erdwall um das unterste Geschoss herum, beim Galerieholländer ein "Holzbalkon", die "Galerie", unterhalb der Mühlenflügel. Von Erdwall oder Galerie aus werden die Flügel besegelt und die Mühlenkappe in den Wind gedreht. Die Bockwindmühle ist der älteste Windmühlentyp in Europa. Das gesamte Mühlenhaus ruht auf einem einzelnen dicken Pfahl, auf dem das hölzerne Stützgestell, der namengebende "Bock" befestigt ist. Dank dieser Konstruktion kann die Mühle in den Wind gedreht werden. Diese Methode ist jedoch bei wechselnden Windrichtungen nicht optimal und sehr beschwerlich. Der Erdholländer ist eine ebenerdig gebaute Holländermühle, deren Flügelenden fast bis zum Erdboden reichen. Beim Galerieholländer war es angesichts der größeren Bauhöhen der Holländerwindmühlen nicht mehr möglich, die Flügel oder den Steert vom Boden aus zu erreichen. Ein umlaufender Balkon, die Galerie, ermöglichte Bedienung und Wartungsarbeiten der Flügel.
Wer tiefer in das Thema Mühlen in Schleswig-Holstein eintauchen möchte, dem sei das Buch "Geschichte der Mühlen zwischen Eider und Königsau" (Wachholtz Verlag, ISBN 3 529 02690 5, 19,50 Euro) von Hans Petersen empfohlen. Ausgesprochen detailreich im Stile einer Chronik geht der Autor auf die Geschichte, Eigentums- und Pachtverhältnisse ebenso ein wie auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Erträge.

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