Neue Suchmaschine : Mehr Datenschutz als Google: „Qwant“ startet in Deutschland

Die Suchmaschine Qwant kommt aus Frankreich nach Deutschland.
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Die Suchmaschine Qwant kommt aus Frankreich nach Deutschland.

Fünf Suchkategorien, alles auf einer Seite, mehr Privatsphäre und die Idee einer Europa-Suchmaschine - das ist Qwant aus Frankreich. Branchen-Primus Google hat mit 100 Milliarden Suchanfragen monatlich zwar nichts zu befürchten, sollte Qwant aber ernstnehmen.

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05. März 2014, 16:16 Uhr

Berlin | Bunt und farbenfroh wirbt Qwant mit einer neuen Vision des Internet und will alles auf einer Seite vereinen. Die französische Suchmaschine ist nach Deutschland gekommen, möchte Google allerdings Konkurrenz machen. „Ich trete nicht gegen Google an“, sagte Qwant-Mitgründer Eric Léandri. Qwant will die Daten seiner Nutzer besser schützen als der Suchmaschinen-Primus. Da viele Nutzer nach mehr Datensicherheit streben, könnte die neue Suchmaschine in Deutschland ein Erfolg werden.

Sie speichert keine IP-Adressen und Suchergebnisse werden nicht personalisiert. Zwei Versprechen, mit denen die Suchmaschine aus unserem Nachbarland Frankreich die Deutschen Sucher überzeugen möchte. „Wir sammeln absolut keine persönlichen Daten“, sagte Léandri am Dienstag in Berlin anlässlich der Vorstellung des Unternehmens. Informationen werden demnach nur für die Dauer der jeweiligen Sitzung gespeichert. Auch die Suchergebnisse werden ungefiltert ausgeworfen, unabhängig von vorherigen Suchanfragen. Anonymes Surfen steht also im Vordergrund.

Wird ein Suchbegriff, z.B. Fußball, eingegeben zeigt Qwant in fünf Kategorien alles an, was den Nutzer interessieren könnte. Die Rubrik „Netz“ zeigt alle klassischen Suchergebnisse an. „Sozial“ durchforstet  die sozialen Netzwerke nach dem Suchbegriff. „Nachrichten“ zeigt alle aktuellen Ereignisse zum Stichwort an und „Einkaufen“ ergänzt den Suchbegriff um Shopping-Ergebnisse. Hinzu kommt der sogenannte „Qnowledge Graph“, der den Suchbegriff mit Wikipedia definiert. Die Ergebnislisten lassen sich endlos scrollen. Alles findet sich auf einer Seite, blättern ist nicht mehr nötig. Ergänzt wird die Suchmaschine durch die Bilder- und Videosuche, wie man sie von Google gewohnt ist.

Die FAZ testete die neue Suchmaschine bereits auf Herz und Nieren. Das Ergebnis: Die Suchergebnisse von Qwant sind ordentlich, aber weniger aktuell als bei Google. Wer aktuelle Nachrichten sucht, ist also mit Google besser beraten. Wer sich informieren und stöbern möchte, dem sei Qwant ans Herz gelegt.

Qwant sammelte bisher 3,5 Millionen Euro von Investoren ein, sagte Mitgründer Jean-Manuel Rozan. Mit dem Verkauf von Software an Firmen und mit Werbelinks finanziert sich die Suchmaschine. In Frankreich ging Qwant Anfang 2013 online. Innerhalb eines Jahres zählte die Suchmaschine 600 Millionen Suchanfragen. Zum Vergleich: Google verarbeitet monatlich 100 Milliarden Anfragen. Für Léandri sei der Aufbau einer europäischen Suchmaschine das erklärte Ziel.  Bis zum Ende des Jahres werde Qwant nach Brasilien und in weitere europäische Länder expandieren. Auf Italienisch, Spanisch und Portugiesisch läuft die Suche bereits.

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