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Lichtfeldkamera Lytro: Revolutionär in Kinderschuhen

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Berlin (dpa/tmn) - Diese Fotos sind lebendig: Mit einem Klick kann man verschiedene Teile eines Bildes auf der Lytro in den Fokus rücken. Die Lichtfeld-Technik der ungewöhnlichen Kamera erlaubt aufsehenerregende Effekte, zeigt aber auch noch einige Schwächen.

Berlin (dpa/tmn) - Diese Fotos sind lebendig: Mit einem Klick kann man verschiedene Teile eines Bildes auf der Lytro in den Fokus rücken. Die Lichtfeld-Technik der ungewöhnlichen Kamera erlaubt aufsehenerregende Effekte, zeigt aber auch noch einige Schwächen.

Das kalifornische Start-up Lytro verspricht nichts Geringeres als eine Revolution in der Fotografie: Eine Kamera, bei der man keinen Autofokus braucht, sondern später in den fertigen Bildern die gewünschten Stellen scharfstellen kann. Die dpa-Themendienst-Redaktion hat die Lytro angeschaut und ausprobiert. Das Ergebnis: Das nachträgliche Fokussieren klingt abenteuerlich, funktioniert aber tatsächlich.

Der Effekt ist besonders stark, wenn ein Objekt ganz nah an der Kamera ist - zum Beispiel eine Blume oder eine Kaffeetasse - und ein anderes etwas weiter weg. Dann kann man mit Klicks auf verschiedene Stellen im Bild den Vordergrund oder den Hintergrund scharf aussehen lassen, während der Rest verschwimmt.

Die Lytro, die heute (15. Juli) rund eineinhalb Jahre nach dem Start in den USA auch in Deutschland auf den Markt kommt, ist eine Lichtfeldkamera. Das heißt, dass sie möglichst die gesamten verfügbaren Licht-Informationen einfangen will, statt wie herkömmliche Kameras die Linsen auf einen bestimmten Punkt zu fokussieren.

Möglich macht das eine besondere Konstruktion: Das Licht in der Lytro fällt durch ein Gitter aus rund elf Millionen winzigen Linsen. Lytro selbst spricht von elf «Megarays» (Lichtstrahlen) als neue Messeinheit ähnlich den gewohnten Megapixeln. Den Rest erledigt eine clevere Software, die die Informationen auswertet und die Bilder mit dem gewünschten Fokus zusammensetzt.

Das neuartige Prinzip lässt die Kamera auch anders aussehen als herkömmliche Fotoapparate. Sie erinnert eher an eine kantige Taschenlampe, an einem Ende das Objektiv, am anderen ein kleiner Touchscreen-Bildschirm. Damit lässt sich der Effekt der Bilder sofort ausprobieren, detailreiche Einblicke erlaubt das Display aber nicht.

Die ungewöhnliche Form stört beim Fotografieren weniger als man vorher vermuten könnte - im Gegenteil, sie gibt sogar mehr Freiheit, neue Blickwinkel auszuprobieren. Und dank der fehlenden Fokussierung können Bilder schneller aufgenommen werden. Um den Zoom auslösen, streicht der Fotograf einfach am Gehäuse entlang.

Das Lichtfeld-Konzept bringt allerdings auch einige Einschränkungen mit sich - vor allem eine reduzierte Auflösung. Das macht die Lytro empfindlich bei rasanten Bewegungen oder schwachem Licht. Es ist keine Kamera, mit der man im Gehen schnell einen Schnappschuss knipsen kann. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das Bild verschwommen sein wird und es auch bleibt. Ein schnell fahrendes Auto bringt die Kamera ebenfalls an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Außerdem lässt der magische Effekt merklich nach, je weiter das zweite fotografierte Objekt von der Kamera entfernt ist. Fotografiert man etwa zwei Gebäude, zwischen denen auch 100 Meter liegen können, kommt oft ein eher gewöhnliches Bild heraus, nur in schlechterer Auflösung als man es von heutigen herkömmlichen Kameras gewohnt ist. In die Aufnahme eines wirklich beeindruckenden «lebendigen Bildes» müssen Nutzer also schon einige kreative Energie investieren.

Das macht deutlich, dass die Lytro-Kamera noch eher ein Zauberlehrling als ein erfahrener Magier ist. Aber immerhin gelang ihren Entwicklern um den Stanford-Wissenschaftler Ren Ng erstmals eine bezahlbare Lichtfeldkamera. Bisher kam die Technologie nur in extrem teuren Industrie-Geräten zum Einsatz.

Um den Fotografen mehr Spielraum zu geben, hat Lytro neben dem Standard-Modus «Everyday», für den Alltag also, noch eine zweite «Creative»-Funktion hinzugefügt. Dabei verhält sich die Lytro ein wenig wie eine herkömmliche Kamera und lässt sich auf einen bestimmten Punkt fokussieren. Das hat den Vorteil, dass Objekte noch näher an die Linse herangerückte werden können - zugleich aber wird der Geschwindigkeitsvorsprung der Kamera etwas geschmälert.

Ein Nebeneffekt ist die Tatsache, dass die lebendigen Bilder nur digital existieren, entweder in der Lytro-Software oder auf der Webseite des Anbieters. Von dort können sie immerhin in die eigene Homepage eingebettet und bei Facebook geteilt werden. Bei den populären Farbfiltern ist Lytro noch einen Schritt weiter gegangen: Man kann zum Beispiel nur den Hinter- oder Vordergrund schwarz-weiß werden lassen oder mit anderen Effekten verfremden. Eine relativ neue Trickfunktion lässt einzelne Objekte im Bild wackeln. Software anderer Anbieter zum Bearbeiten der Lytro-Bilder gibt es bisher nicht.

Die Kamera gibt es mit zwei verschiedenen Speichergrößen. Die Version mit 16 Gigabyte (GB) bietet Platz für 750 Bilder und hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 579 Euro. Ihre kleinere Schwester kommt für 479 Euro auf 8 Gigabyte und 350 Bilder in den Handel. Das teurere Modell wird nur in Rot angeboten, während es die 8-GB-Variante in Pink, Graphit und Türkis gibt.

Erklär-Videos bei Lytro

Lytro-Fotogallerie

Bilder aus dpa-Test

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erstellt am 14.Aug.2013 | 05:33 Uhr

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