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Großer Klang aus kleinen Boxen: WLAN-Lautsprecher für zu Hause

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Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Musik kommt heute oft nicht mehr aus der Stereoanlage, sondern aus unauffälligen Kästen oder schicken bunten Kegeln: WLAN-Lautsprecher klingen trotz des kleinen Formats erstaunlich gut. Die Einrichtung kann für Ungeübte aber zur Tortur werden.

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erstellt am 28.Mai.2013 | 11:33 Uhr

Frankfurt/Main (dpa/tmn) - Musik kommt heute oft nicht mehr aus der Stereoanlage, sondern aus unauffälligen Kästen oder schicken bunten Kegeln: WLAN-Lautsprecher klingen trotz des kleinen Formats erstaunlich gut. Die Einrichtung kann für Ungeübte aber zur Tortur werden.

Wer hat heute schon noch einen Plattenschrank? Immer mehr Musikfans haben ihre Sammlung von Liedern und Alben nicht mehr auf CDs, sondern auf der Festplatte. Das macht nicht nur Regale, sondern auch die große Stereoanlage überflüssig. Direkt vom Computer oder Smartphone will man die Musik aber meist trotzdem nicht abspielen, zu mager ist die Klangqualität. Hier kommen WLAN-Lautsprecher ins Spiel, die sich drahtlos über das Netz mit Musik versorgen lassen und sie in Stereoanlagen-Qualität abspielen.

In der Regel bestehen die Systeme aus einer Box, die nicht unbedingt wie ein klassischer Lautsprecher aussehen muss. Manche WLAN-Lautsprecher sind wie Kegel geformt, andere wie kleine Säulen. Als Musikquelle dienen ein Smartphone, ein MP3-Player, das Notebook oder die Netzwerkfestplatte. Wichtig ist nur, dass Lautsprecher und Quelle im selben WLAN angemeldet sind. «Die WLAN-Übertragung ist sehr stabil und unterbrechungsfrei, solange die Lautsprecher sich innerhalb der Funkreichweite des Routers befinden» sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu).

Und auch in Sachen Qualität schneidet WLAN deutlich besser ab als andere Drahtlosstandards. «Die typischen Verfahren zur Audioübertragung via WLAN sind verlustfrei, können also CD-Qualität eins zu eins übertragen», erklärt Bernhard Rietschel, Chefredakteur der Fachzeitschrift «Audio». «Bluetooth, vor allem der klassische Standard A2DP, arbeitet mit verlustbehafteter Datenreduktion, die man sehr deutlich als Qualitätsverschlechterung hört.»

Aktuelle WLAN-Lautsprecher erlauben die Musikübertragung in der Regel auf zwei Wegen. Airplay ist ein auf iTunes und Geräte von Apple zugeschnittenes Verfahren zur Musikübertragung per LAN und WLAN. «Die Einrichtung ist sehr einfach», sagt Rietschel. «Im Prinzip reicht es, wenn Sender und Empfänger sich im gleichen Netzwerk befinden.» Allerdings bringt nicht jede Box unbedingt Airplay-Unterstützung mit. Den zweiten Standard DLNA verstehen dagegen nahezu alle Lautsprecher, Smartphones und Netzwerkfestplatten. Gesteuert wird die Musikwiedergabe in diesem Fall über spezielle, meist kostenlose Apps der Lautsprecher-Hersteller.

Allerdings ist die Einrichtung über DLNA nicht ganz so unkompliziert wie bei Airplay. Denn hier zeigt sich der Nachteil des schicken Lautsprecher-Designs ohne viel Schnickschnack: «Da die Geräte meist kein eigenes Display besitzen, läuft die Einrichtung nur über Umwege», sagt Rietschel. Nutzer, die sich in Netzwerkfragen nicht so auskennen, kommen damit nicht immer klar.

Wer das Audio-Netzwerk zu Hause allerdings erst einmal eingerichtet hat, muss sich nicht auf einen Lautsprecher in einem Zimmer beschränken. «Sowohl Airplay- als auch DLNA-Lösungen bieten in der Bedienoberfläche Menüpunkte an, mit denen man Boxen in unterschiedlichen Räumen ganz einfach auswählen kann», erklärt gfu-Sprecher Stehle. So erklingt die Musik plötzlich in Bad, Küche und Schlafzimmer gleichzeitig. Am besten gelingt die Mehrfachbeschallung, wenn alle Geräte vom gleichen Hersteller stammen und über die gleiche App gesteuert werden.

Teuer müssen WLAN-Lautsprecher mit anständigem Klang nicht unbedingt sein: Bei einem Test der Zeitschrift «Computerbild» (Ausgabe 2/2013) erhielten von sieben WLAN-Lautsprechern in der Preisklasse bis 350 Euro drei für den Klang die Note «Gut». Bei teureren Modellen ab 400 Euro ist toller Sound quasi garantiert - hier gab es ein «Gut» in Sachen Klang für alle sieben Kandidaten.

Testsieger unter den teureren Modellen wurden die Systeme Raumfeld M und Raumfeld L von Teufel, die allerdings auch 600 beziehungsweise 1300 Euro kosten. Ebenfalls mit «Gut» bewertet wurde zum Beispiel das Modell Libratone von Zipp für um die 400 Euro. In der günstigeren Preisklasse schnitt der XW-SMA3 von Pioneer (circa 300 Euro) am besten ab, den zweiten und dritten Platz belegen der Fidelio A5 von Philips und der ND8520 von LG, die beide um die 350 Euro kosten. Nahezu alle getesteten Geräte haben neben WLAN und Bluetooth auch Klinken- und USB-Stecker als Alternative zur drahtlosen Musikübertragung. Ein eingebauter Akku, mit dem der Lautsprecher auch mobil funktioniert, ist dagegen eher selten.

So gut der Klang auch sein mag - die Qualität einer richtig guten Anlage erreichen die WLAN-Lautsprecher nicht. «Limitierender Faktor ist im Vergleich zur Stereoanlage der kleine Abstand von linkem und rechtem Lautsprecher», erklärt «Audio»-Chefredakteur Rietschel. Viele Hersteller versuchen zwar, diesen Mangel mit elektronischen Tricks zu übertönen - echter Stereoklang hört sich für geübte Ohren aber trotzdem anders an. Einzige Ausnahme sind teurere WLAN-Systeme wie die beiden Testsieger von Teufel: Sie bestehen aus zwei separaten Boxen, die getrennt voneinander aufgestellt werden.

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