Schmutzkampagnen : Facebooks Politik-Chef: Auch andere PR-Firmen angeheuert

Im «War Room» von Facebook werden wahlkampfrelevante Inhalte auf der Plattform überwacht. /AP
Im «War Room» von Facebook werden wahlkampfrelevante Inhalte auf der Plattform überwacht. /AP

Facebook hat auf Kritiker und Konkurrenten mehr auf Schmutzkampagnen spezialisierte PR-Agenturen angesetzt als bisher bekannt.

shz.de von
22. November 2018, 13:29 Uhr

«Ich wusste von der Entscheidung, Definers und andere ähnliche Firmen zu engagieren, und billigte sie», schrieb der scheidende Politik-Chef Elliot Schrage in einem von Facebook am späten Mittwoch veröffentlichten internen Rundschreiben.

Bisher ist nur die Arbeit von Definers für Facebook bekanntgeworden. Die Firma hatte unter anderem verbreitet, dass eine Organisation von Facebook-Kritikern von Finanzier George Soros unterstützt worden sei. Soros ist oft Ziel antisemitischer Anfeindungen und Verschwörungstheorien, in die die Kampagne von Definers mit reinspielte.

Schrage räumte ein, dass Definers von Facebook den Auftrag bekam, sich mit Soros zu beschäftigen, nachdem er Facebook im Januar 2018 beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos unter anderem als «Bedrohung für die Gesellschaft» kritisiert hatte. «Wir hatten solche Kritik von ihm zuvor nicht gehört und wollten ermitteln, ob er irgendeine finanzielle Motivation hat», verteidigte Schrage das Vorgehen. Zugleich schränkte er ohne weitere Details ein, dass der Auftrag an Definers ohne sein Wissen ausgeweitet worden sei.

Die in dem Skandal ebenfalls in die Kritik geratene Geschäftsführerin Sheryl Sandberg schrieb dazu, dass sie in der Vergangenheit ebenfalls Material mit Inhalten von Definers zu lesen bekommen haben - aber sich zuletzt nicht mehr an die Firma erinnern konnte. Es sei nie die Absicht gewesen, antisemitische Berichte über Soros zu befeuern, betonte Sandberg, die selbst jüdisch ist.

Schrage, dessen Abgang bereits vor Monaten angekündigt worden war, nimmt mit der Übernahme der Verantwortung etwas Druck von Sandberg, die sich viel mit politischen Fragen beschäftigt. Sein Nachfolger, der ehemalige britische Vizepremier Nick Clegg, soll die Arbeit mit PR-Beratern nun neu ordnen. Gründer und Chef Mark Zuckerberg habe sich gegen Einsatz externer Agenturen im Umgang mit Politik und Kritikern ausgesprochen. Zuckerberg hatte erklärt, dass er erst aus einem Bericht der «New York Times» über die Kampagnen von Definers für Facebook erfahren habe.

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