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Rasantes Wachstum : Facebook – Ein Riese wird erwachsen

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2004 schaltete Harvard-Student Mark Zuckerberg „thefacebook.com“ erstmals online. Mit weltweit mehr als 1,23 Milliarden Nutzern steht das soziale Netzwerk heute an einer Wegscheide.

Kurz vor Weihnachten 2012 brach Zuckerberg zu einer streng geheimen Mission nach Los Angeles auf. Angeblich, um den Stararchitekten der neuen Facebook-Zentrale im Silicon Valley, Frank Gehry, zu treffen. Tatsächlich hatte sich der 29-jährige Milliardär in einer eigens angemieteten Wohnung mit einem anderen „Tech-Wunderkind“ verabredet: Evan Spiegel (23). Der ehemalige Stanford-Student hatte kürzlich mit „Snapchat“ einen Online-Dienst an den Start gebracht, der sich unter den jungen Leuten so rasant verbreitet wie seinerzeit Facebook. Nutzer können über Snapchat Fotos und Filme verschicken, die sich nach dem Anschauen in Wohlgefallen auflösen.

Der schlaksige Spiegel wusste sofort, worum es ging. „Ich freue mich, Dich kennenzulernen“, antwortete der Snapchat-Gründer als Zuckerberg ein Treffen im Silicon Valley vorschlug. Um dann keck hinzuzufügen: „Wenn Du zu mir kommst“. Der Start-Up-Unternehmer aus dem hippen Venice-Beach im Süden Kaliforniens hatte sich die Chuzpe bei dem Wuschelkopf abgeschaut. Dieser verteilte vor nicht allzu langer Zeit selber noch Visitenkarten mit dem frechen Spruch „I’m CEO, bitch“, was soviel heißt wie „Ich bin der Chef, Mistkerl“.

Der notorische Träger schlabbriger Kapuzenpullover zeigte einem kaufbereiten Riesen nach dem anderen die kalte Schulter: Viacom, Time Warner, Google, Yahoo und Microsoft. Mit dem kompromisslosen Festhalten an seiner Vision baute der Facebook-Gründer in rasantem Tempo ein Imperium auf, das er 2012 erfolgreich an die Börse brachte und heute über einhundert Milliarden Dollar wert ist. Facebook verbindet rund jeden sechsten Erdenbürger und gehört so sehr zum Alltag wie Telefon und Fernsehen. Eine Art digitaler Brunnen im globalen Dorf, an dem Nutzer alles Mögliche austauschen. Vom belanglosen Klatsch über Persönliches bis hin zu harten Informationen.

Ganz nebenbei geben die Nutzer Zuckerberg einen unendlichen Schatz an Daten über sich preis, den Facebook in bare Münze umsetzt. Zuckerberg häufte in nicht einmal zehn Jahren ein Vermögen von rund 19 Milliarden US-Dollar an. In dem Maß wie Facebook und sein Gründer erwachsen geworden sind, müssen sie sich mehr anstrengen, junge Nutzer bei der Stange zu halten. Abgeschreckt durch eine Flut an Werbung und Bedenken über den Schutz der Privatsphäre sucht die nächste Internet-Generation nach Alternativen.

Das erklärt Zuckerbergs konspirativen Besuch in L.A. ebenso wie den früheren Kauf von „Instagram“. Dass er dem Snapchat-Gründer vergangenen Herbst schließlich drei Milliarden Dollar bot, hielten nicht wenige Analysten für „verrückt“. Dabei passte es zu Zuckerbergs Motto „Beweg Dich schnell und verändere Dinge“. Notfalls mit einer teuren Übernahme.

Dass in der Öffentlichkeit zuweilen der Eindruck besteht, Facebook sei nicht wegen sondern trotz Zuckerberg erfolgreich, gehört zu den Zerrbildern, die dessen einzigartigen Aufstieg zu einem der reichsten Menschen der Welt begleitet haben. Erheblichen Anteil daran hatte der Kinohit „The Social Network“ (2010). Der Streifen schuf die Karikatur eines rücksichtslosen Außenseiters an der Spitze eines sozialen Netzwerks.

Das Image des unbeholfenen Einzelgängers ist dabei so eindimensional, wie es nicht das Genie des in White Plains im US-Bundesstaat New York geborenen Sohns eines Zahnarztes und einer Psychiaterin zu erklären vermag. Am meisten unterschätzt wird Zuckerbergs Fähigkeit zur Selbstkritik. Das erlaubt ihm eingefahrene Pfade zu verlassen und sich mit starken Personen zu umgeben.

Im März 2008 landete Zuckerberg einen Coup als er die Marketing- und Online-Werbeexpertin Sheryl Sandberg (44) als seine neue Nummer 2 von Google abwarb. Die Chemie stimmte von Anfang an. „Ein Geschenk der Götter“, kommentieren Insider das Tandem, das den jährlichen Umsatz von 150 Millionen auf 2,6 Milliarden Dollar steigerte.  Einen guten Teil der Einnahmen steckte Zuckerberg zuletzt in die „Facebook Home“-Strategie. Damit soll das soziale Netzwerk die Welt der Smartphones und Tablets genauso dominieren wie die Monitore auf den Schreibtischen.

Die größte Bedrohung seines Imperiums bleiben Dinge, die er nicht kontrolliert. Zum Beispiel Snapchat-Gründer Edward Spiegel, der das drei Milliarden Dollar Kaufangebot im Herbst ausschlug. Zuckerberg wurmt das bis heute. Weiß er doch aus eigener Erfahrung, wie umwälzend eine Idee sein kann. Als er vor zehn Jahren in seiner Studentenbude „thefacebook.com“ freischaltete, hätte niemand gedacht, dass er damit einmal den Alltag von Hunderten Millionen Menschen verändern würde.

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erstellt am 03.Feb.2014 | 17:31 Uhr

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