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Messenger App : Es ist einsam bei Threema

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Threema heißt die neue Wunderwaffe auf dem Markt der Messenger. Sie funktioniert genauso wie das bisher verbreitete WhatsApp, soll aber um einiges sicherer sein. Unser Reporter hat die Anwendung ausprobiert und vermisst viele Kontakte.

„Du auch hier?“ – „Ja, bin eben umgestiegen. Du auch?“ So oder so ähnlich haben in diesen Tagen viele erste Dialoge auf Threema begonnen. Alle meiner Kontakte – und es sind leider nicht viele in der neuen App – sind aus Überzeugung von WhatsApp gewechselt. Und so verwundert es nicht, dass mich schon im Playstore erste Nutzerkommentare begrüßen: „Nach dem Verkauf an Facebook musste ich auf Threema umsteigen“, heißt es da zum Beispiel.

1,60 Euro – das ist der einmalige Preis für die Messenger-App Threema, die mir mehr Sicherheit bieten soll. Und diese Sicherheit bekomme ich gleich zu Beginn imposant vor Augen geführt: War es bei WhatsApp damit getan, Telefonnummer und Nickname einzugeben, so erstellt Threema zudem Sicherheitsschlüssel und eine aus acht Zahlen und Buchstaben bestehende ID-Nummer. Handynummer und Email verifiziert die App auf Wunsch und schließlich kann ich auswählen, ob mein Nickname öffentlich sichtbar sein soll. Sicherheit spielt also tatsächlich eine Rolle bei dieser App.

Threema erstellt für jeden Nutzer einen Sicherheitsschlüssel. In einem QR-Code verpackt, können andere Nutzer diesen Schlüssel scannen.
Threema erstellt für jeden Nutzer einen Sicherheitsschlüssel. In einem QR-Code verpackt, können andere Nutzer diesen Schlüssel scannen. Foto: Imago

Als ich nach einigen Minuten das Anmeldeprozedere durchlaufen habe, kann es richtig losgehen. Doch die erste Überraschung: Die Liste meiner Kontakte ist nicht sonderlich lang. Nur drei Bekannte finde ich bislang bei Threema wieder. Ein Kumpel erzählt mir, dass bereits seine ganze Familie von WhatsApp auf Threema umgestiegen sei. „Facebook, die Datenkrake, muss nicht noch Einblick in meine WhatsApp-Dialoge bekommen“, meint er. Und mit der neuen App ist er zufrieden: „Sie funktioniert genauso wie andere Messenger.“ Die Verschlüsselung würde nicht weiter bei der Bedienung stören.

In der Tat: Nach den ersten Dialogen bemerke ich kaum noch den Unterschied zu WhatsApp. Nicht nur das Nachrichtenfenster, auch die Funktionen zum Verschicken von Anhängen und Fotos muten ähnlich an. Augenscheinlicher Unterschied sind die kleinen farbigen Punkte, die vor jedem Kontakt erscheinen. Sie signalisieren die unterschiedlichen Sicherheitsstufen: Drei grüne Punkte bedeuten, ich habe den Kontakt persönlich getroffen und seinen Sicherheitsschlüssel gescannt; zwei gelbe Punkte zeigen an, dass die Handy-Nummer verifiziert wurde; bei einem roten Punkt kann ich mir über die Identität des anderen nicht sicher sein.

Nur wenn der Nutzer seine Kontakte persönlich getroffen hat, kann Threema für einhundertprozentige Sicherheit garantieren.
Nur wenn der Nutzer seine Kontakte persönlich getroffen hat, kann Threema für einhundertprozentige Sicherheit garantieren. Foto: Screenshot

Ein Problem habe ich am Anfang mit dem  Anzeigen der Kontaktnamen. Bei manchen erscheint weiterhin nur der achtstellige Sicherheitsschlüssel, obwohl der Kontakt zwei gelbe Punkte hat und die App seinen Namen eigentlich in der Kontaktliste meines Handys finden müsste. Nach dem Durchforsten der FAQ klärt sich jedoch: Durch einmal Ziehen nach unten - wie man es von den Facebook- oder Twitter-Apps kennt - aktualisiert sich die Kontaktliste und die Namen erscheinen.

Größtes Manko ist aber nach wie vor die geringe Verbreitung der App und meine Einsamkeit. Zwar ist die Zahl meiner Kontakte noch mal deutlich nach oben geschnellt, als am Sonnabendabend der Konkurrent Whats App für einige Stunden nicht funktionierte. Doch die Mehrheit meiner Freunde ist über den neuen Messenger noch nicht erreichbar. An die neunstelligen Nutzerzahlen von Whats App kommt Threema eben lange noch nicht dran. Deshalb läuft bei mir – genauso wie bei den meisten meiner Kontakte auch – Whats App parallel weiter. Auch wenn’s nicht so sicher ist.

Threema ist nach eigenen Angaben eine Kurznachrichten-App mit besonderem Fokus auf Sicherheit. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung garantiere, dass niemand außer dem vorgesehenen Empfänger eine Nachricht lesen könne, heißt es auf der Website des Schweizer Anbieters Kasper Systems. Selbst der Serverbetreiber habe absolut keine Möglichkeit, die Nachrichten mitzulesen. Zu überprüfen ist das allerdings nicht: Es handelt sich nicht um eine Open-Source-Software. Für Außenstehende ist ein Blick hinter die Kulissen nicht möglich. Datenschützer bescheinigen der App jedoch eine sehr hohe Sicherheit. Schon in den ersten 24 Stunden, nachdem der Whats App/ Facebook-Deal bekannt wurde, soll sich die Nutzerzahl von Threema auf 200.000 verdoppelt haben. Am Freitag meldete das Handelsblatt 400.000 User der neuen Messenger-App, Tendenz stark steigend.
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erstellt am 24.Feb.2014 | 16:18 Uhr

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