Krebs-Diät : Dem Tumor die Nahrung entziehen

Krebskranke leiden häufig an Appetitlosigkeit oder Übelkeit. Dennoch sollten sie versuchen, ausreichend und ausgewogen zu essen. Foto: dpa
Krebskranke leiden häufig an Appetitlosigkeit oder Übelkeit. Dennoch sollten sie versuchen, ausreichend und ausgewogen zu essen. Foto: dpa

Krebskranke Menschen verlieren im Laufe der Behandlung oft an Gewicht. Das schwächt, macht anfällig. Für sie ist eine ausgewogene, kalorienreiche Kost besonders wichtig.

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07. März 2012, 12:27 Uhr

Vor dieser Diagnose fürchten sich viele: Krebs. Oft geht es dann mit einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie weiter. Einen Aspekt sollten Betroffene dabei allerdings ebenfalls nicht unterschätzen - die richtige Ernährung.
"Gerade bei einer Krebserkrankung ist es ganz wichtig, dass der Körper stark und fit bleibt", sagt Martin Strauch, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie in München.
Essen ist bei Appetitlosigkeit und Übelkeit eine Herausforderung
Wer an Krebs erkrankt ist, laufe oft Gefahr, dass der Körper mit der Zeit schwächer werde. "Das liegt an zwei Faktoren", erläutert der stellvertretende Vorsitzende der Gastro-Liga. "Die fortschreitende Krebserkrankung schwächt die Abwehrkräfte, und die Therapie zehrt ebenfalls am Körper." Es sei daher wichtig, den Körper auch durch Nahrung fit zu halten.
Das ist manchmal gar nicht so einfach. Denn Krebskranke leiden häufig an Appetitlosigkeit oder Übelkeit. Dennoch sollten sie versuchen, ausreichend zu essen, betont Chefarzt Prof. Richard Raedsch, Experte für Ernährungsmedizin, Gastroenterologie und Hepatologie am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden. Sonst kann es sein, dass der Patient anfällig wird für andere Infekte oder er die Chemotherapie schlecht verträgt.
"Man kann mit Essen den Krebs nicht heilen"
Strauch empfiehlt, das zu essen und zu trinken, worauf man Lust hat. "Egal welches Essen: Es versorgt den Körper mit Energie - und sorgt gleichzeitig für ein gutes Allgemeinbefinden und den Erhalt der Lebensqualität." Raedsch ergänzt: "Man sollte sich hochkalorisch und ausgewogen ernähren." Die kalorienreiche Kost soll dem Körper helfen, durch die Therapie nicht allzu sehr an Gewicht zu verlieren. "Und ausgewogen heißt, ausreichend Vitamine und Spurenelemente zu sich zu nehmen und zum Beispiel nicht zu viel Alkohol zu trinken."
Darüber hinaus gibt es Ansätze einer spezielleren Ernährung für Krebskranke. "Man kann mit Essen den Krebs nicht heilen", betont Gisela Krause-Fabricius aus Mühlheim, Ernährungswissenschaftlerin und Autorin des neuen Ratgebers "Wie ernähre ich mich bei Krebs?" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Aber man kann dem Körper helfen, den Krebszellen quasi ein Schnippchen zu schlagen." Krebszellen verändern den Stoffwechsel des Körpers und verbrauchen vor allem Zucker für ihre eigene Energiegewinnung. "Fette verwerten sie dagegen nur geringfügig."
Viel Fett und wenig Zucker
Ihr Rat: "Möglichst viel Fett zu sich nehmen und wenig Zucker, dann haben es die Krebszellen schwer, die zu ihrem Wachstum nötige Energie zu bekommen. Außerdem benötigt der Stoffwechsel mehr Eiweiß als ein gesunder." Auf diese Weise könne man die Krebszellen zwar nicht aushungern, stabilisiere oder verbessere aber die Körperkraft.
Dabei sei es wichtig, auf die richtigen Fette zu achten - zum Beispiel Fisch, Leinöl, Butter und Sahne. Speisen aus hellen Mehlen oder Süßigkeiten gilt es eher zu meiden. Dem Körper blieben so länger Muskelmasse und Gewicht erhalten.
Kompott und Smoothies statt rohem Obst
Dennoch ist vielen Krebskranken manchmal nicht nach Essen. "Durch eine Chemotherapie, Bestrahlung oder auch den Tumor selber kann sich zum Beispiel das Geruchs- und Geschmacksempfinden verändern", berichtet Krause-Fabricius, die jahrelang in einer Onkologie-Praxis gearbeitet hat. Gegen den Geruch helfe, keine allzu heißen Speisen zu essen. "Ein heißes Essen riecht mehr als ein kaltes." Und für wen alles metallisch schmecke, könne statt eines Metalllöffels einen aus Plastik nehmen. "Das hilft meist etwas."
Wer unter Durchfall oder Erbrechen leidet, sollte laut Strauch zum einen viel trinken, um verlorene Flüssigkeit und Salze zu ersetzen.
Krause-Fabricius ergänzt: "Man kann ausprobieren, ob man bestimmte Nahrungsmittel in einer anderen Form besser verträgt." Klappt es zum Beispiel mit frischem Obst nicht so gut, können Kompott oder Smoothies besser sein. Und wenn rohe Salate und Gemüse zu Durchfall führen, sind möglicherweise gedünstete Speisen verträglicher.

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