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Stiftung Warentest : Datenschutz kritisch: WhatsApp-Alternativen unter der Lupe

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Messenger gibt es wie Sand am Meer. Sie heißen Threema, Textsecure oder Line. Mit dem Fokus auf Datenschutz hat die Stiftung Warentest gängige Nachrichtendienste genauer angesehen. shz.de hat den Test zusammengefasst.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 12:49 Uhr

Seit dem Verkauf von WhatsApp an Facebook sind viele Nutzer auf andere Kurznachrichtendienste umgestiegen. Aber sind die Alternativen sicherer? Die Antwort der Tester: Nur eine der getesteten Apps ist unkritisch.

WhatsApp

Testurteil: sehr kritisch

Datenschutzprobleme bei Whatsapp: Nutzer sollten wissen, dass der Messengerdienst regelmäßig alle Adressbuch-Daten an den Server in den USA übermittelt.
Datenschutzprobleme bei Whatsapp: Nutzer sollten wissen, dass der Messengerdienst regelmäßig alle Adressbuch-Daten an den Server in den USA übermittelt. Foto: Jens Büttner

In Sachen Datenübertragung setzt WhatsApp keine sogenannte „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ ein. Das heißt, dass der Anbieter die Unterhaltungen zwischen Nutzern mitlesen kann. Egal ob Android-Version oder iOS, Adressbucheinträge werden ohne Zustimmung des Nutzers oder eventuell betroffenen Dritten übertragen. Dies geht sogar so weit, dass Telefonnummern Dritten mitgeteilt werden – ohne Verschlüsselung. Die Android-Version sendet selbst die Daten unverschlüsselt, die ein Nutzer eingibt.

Whatsapp erlaubt sich die spontane Änderung der AGB zu jeder Zeit und scheut auch nicht die Weitergabe von Informationen an Dritte bzw. die Weitergabe von Daten an die Strafverfolgung. Im Klartext: Daten werden ohne Zustimmung des Nutzers weitergegeben. Jeweils ohne ihn darüber zu informieren.

In Sachen Transparenz ist Whatsapp nicht „quelloffen“. Das bedeutet, dass man zwar ausschließen kann, dass die App weitere Daten unverschlüsselt überträgt, nicht aber, ob die App möglicherweise noch verschlüsselt kommuniziert.

Der Kostenfaktor ist aber überzeugend. Die amerikanische App ist im ersten Jahr kostenlos. Danach kann man das Abo für 0,99 US-Dollar (rund 73 Cent) verlängern. Inwiefern sich nach dem Kauf durch Facebook ändert, ist unklar. In den AGB steht jedoch, dass Nutzerdaten bei einem Verkauf an den neuen Eigentümer übergeben werden können.

Threema

Testurteil: unkritisch

Threema erstellt für jeden Nutzer einen Sicherheitsschlüssel. In einem QR-Code verpackt, können andere Nutzer diesen Schlüssel scannen.
Threema erstellt für jeden Nutzer einen Sicherheitsschlüssel. In einem QR-Code verpackt, können andere Nutzer diesen Schlüssel scannen. Foto: Imago
 

Threema ist wohl die am meisten gehypte Alternative dieser Tage. Viele Nutzer haben sich für die kostenpflichtige App entschieden. Diese kostet für Android 1,60 Euro und für iOS 1,79 Euro.

Die App aus der Schweiz sorgt mit einem Ampelsystem für Sicherheit. So können Nutzer sehen, wie zuverlässig die Identität anderer Benutzer ist. Unterstützt durch eine „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ zwischen den Chatpartnern kann der Anbieter nicht mitlesen. Die bei iOS an Threema übertragene Nutzer-ID ist indes notwendig, aber ungefährlich, da die Informationen ebenfalls verschlüsselt werden. Die Android-Variante verzichtet auf jegliche Weitergabe von Nutzerdaten. Pluspunkt: Die App funktioniert auch, wenn man sein Adressbuch nicht auslesen lassen möchte. Stimmt man zu, werden Adressbucheinträge nur in pseudonymisierter Form ausgelesen.

Eine Einschränkung fand Stiftung Warentest dann doch. Threema ist keine quelloffene Software. Eine komplette Analyse des Datensendeverhaltens ist nicht möglich. Zwar werden keine Daten unverschlüsselt weitergegeben, ob aber verschlüsselte Daten übertragen werden, kann nicht festgestellt werden.

Telegram

Testurteil: kritisch

Adressbucheinträge werden ohnze Zustimmung gespeichert, eine Weitergabe findet aber nicht statt.
Adressbucheinträge werden ohnze Zustimmung gespeichert, eine Weitergabe findet aber nicht statt. Foto: Wikipedia / Telegram Messenger

Auch Telegram, das von zwei russischen Unternehmern gegründet wurde, bietet eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese muss man allerdings optional auswählen. Die Firma mit Sitz in Deutschland speichert automatisch alle Adressbucheinträge ohne Zustimmung des Nutzers oder betroffener Personen. Eine Weitergabe der Daten an Dritte findet jedoch nicht statt.

Die AGB halten fest, dass Adressbucheinträge gespeichert werden. Hat man Fragen, bleibt man aber auf der Strecke. Kontaktadresse oder Impressum: Fehlanzeige.

Als einzige App ist Telegram zumindest teilweise quelloffen. Das heißt, dass eine vollständige Analyse auch hier nicht möglich ist. Die Tester können jedoch bestätigen, dass Daten nicht unverschlüsselt gesendet werden. Pluspunkt: Die App ist für Android und iOS-Systeme kostenlos.

Blackberry Messenger

Testurteil: sehr kritisch

Blackberry setzt auf massive Datenweitergabe um personalisierte Werbung zu schalten.
Blackberry setzt auf massive Datenweitergabe um personalisierte Werbung zu schalten. Foto: Wikipedia / Blackberry

Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist nicht eindeutig festzustellen. Ebenso fanden die Tester heraus, dass Nutzerdaten teilweise unverschlüsselt übermittelt werden. Name und Vorname werden beim Blackberry Messenger sogar an Dritte weitergegeben. Auch Nachrichteninhalte könnten unverschlüsselt übermittelt werden. In verschlüsselter Form wird die Emailadresse des Nutzers übertragen. Die Android-Version geht sogar noch weiter. Hier wird neben dem vollständigen Namen auch das Passwort, Geburtsdatum, Heimatland und die Sicherheitsfrage inklusive Antwort versendet. Immerhin kann man dem Auslesen des Adressbuches widersprechen – die App bleibt trotzdem nutzbar.

Folglich fanden die Tester ebenfalls kritische Punkte in den AGB. Erkenntnisse über den Nutzer werden von Blackberry mit Informationen aus anderen Quellen kombiniert. So erstellt das Unternehmen Persönlichkeitsprofile und kann nutzerbezogene Werbung anbieten. Blackberry lässt ebenso offen, an wen es welche Information weiterreichen darf. Dritte können also großzügig zugreifen.

Dies ergänzt sich prima zu der nicht quelloffenen Software, weshalb die Stiftung Warentest nicht herausfinden kann, welche Daten in verschlüsselter Form übertragen werden. Das andere Daten als die genannten übertragen werden, können die Tester ausschließen. Einziger Lichtblick: Die App ist auch hier kostenfrei.

Line

Testurteil: sehr kritisch

Knackpunkt ist die unzureichende Verschlüsselung bei Line.
Knackpunkt ist die unzureichende Verschlüsselung bei Line. Foto: Naver Japan Corp.
 

Hier gibt es keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, der Anbieter kann also mitlesen. Adressbücher werden nur ausgelesen, wenn der Nutzer zustimmt. Wenn nicht, bleibt die App trotzdem benutzbar. Die Android-Version sendet die IMEI (Seriennummer des Gerätes) unverschlüsselt an Dritte. In der iOS-Variante ist es die sogenannte IDFA, eine Identifikationsnummer des Gerätes. Hier kann der Nutzer dies jedoch untersagen.

Die AGB erlauben Line, die Bestimmungen jederzeit zu ändern ohne Nutzer über Neuerungen zu informieren. Auch Line ist nicht quelloffen, eine vollständige Analyse war daher nicht möglich. Die App ist kostenlos und stammt von einem japanischen Anbieter.

Nicht getestet

Stiftung Warentest will einen Überblick über die gängigen Nachrichtendienste geben. Viele Apps am Markt wurden jedoch nicht getestet. Mit dabei unter anderem eine Messenger-App namens „TextSecure“

Die OpenSource-Lösung 'TextSecure' scheint eine echte Alternative zu sein. Bisher ist sie aber nur für Android zu haben.
Die OpenSource-Lösung "TextSecure" scheint eine echte Alternative zu sein. Bisher ist sie aber nur für Android zu haben. Foto: whispersystems
 

Diese bietet eine OpenSource-Lösung, bietet „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ und speichert alles lokal auf dem eigenen Smartphone. Die App unterstützt verschlüsselte Gruppenchats, ist in deutscher Sprache erhältlich und ist von vielen Nutzern positiv bewertet worden. Die App ist bisher nur für Android zu bekommen, dafür aber kostenlos. 

Weiterhin gibt es die hauseigenen Produkte der einzelnen Firmen. Neben Blackberrys Messenger, bietet Samsung den Messenger „Chat On“ an. Dieser ist serienmäßig auf Android-Telefonen installiert und auch für andere Plattformen zu haben. „Joyn“ wurde zusammen von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 entwickelt und soll ebenfalls WhatsApp konkurrieren. „Skype“ gibt es nach wie vor für das Smartphone und bietet alles, was man braucht. Zwar gehört Skype inzwischen zu Microsoft und ist etwas verstaubt, jedoch nutzen das Programm noch sehr viele. „Google Hangouts“ benötigt ein Google Konto und bietet mäßigen Datenschutz. Dafür kann man Videochats mit bis zu zehn Kontakten führen.

Einen Blick wert ist auch die „App Surespot“. Der Instant-Messenger nimmt Datenschutz besonders ernst und verschlüsselt alle Nachrichten über den kompletten Weg zum Chatpartner. Besonders heraus sticht eine Löschen-Funktion, die das Löschen von Nachrichten aus dem Verlauf ermöglicht - so verschwindet sie auch beim Gegenüber.

Wer WhatsApp den Rücken kehren möchte, findet die passende App für die Sicherheit der eigenen Daten bestimmt. Welche der Alternativen aber setzt sich am Ende durch? Fest steht, mit einer neuen App ist man noch ziemlich allein, wie unser Kollege Michael Althaus im Selbstversuch mit Threema herausgefunden hat.

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