zur Navigation springen

Was frei verfügbar ist : Bezahlinhalte: Google weitet Zusammenarbeit mit Verlagen aus

vom

Die Bezahlschranken von Verlagsangeboten im Web konnten in der Vergangenheit leicht durch die Google-Suche umgangen werden. Nun kommt der Internet-Riese den Verlagen entgegen: Sie können künftig selbst bestimmen, ob und was frei verfügbar ist.

shz.de von
erstellt am 02.Okt.2017 | 11:59 Uhr

Google will Verlagen weltweit dabei helfen, ihre bezahlpflichtigen Inhalte-Angebote im Web besser zu vermarkten. Die Tochter des Internetkonzerns Alphabet kündigte in Mountain View an, in der Suchmaschine journalistische Bezahlinhalte besser zu unterstützen.

Dabei können die Verlage künftig selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie eine Auswahl der kostenpflichtigen Inhalte auf den Google-Seiten frei zugänglich machen. «Wir wollen den Verlagen dabei helfen, in der digitalen Welt erfolgreich zu sein», sagte Philipp Schindler, Chief Business Officer von Google.

Dazu ändert Google die Darstellung von Bezahlinhalten auf seinen Seiten. In der Vergangenheit hatte die Suchmaschine die Verlage im Programm «First click free» dazu gezwungen, täglich mindestens drei Artikel kostenlos anzeigen zu lassen, damit die Inhalte hinter der Bezahlschranke überhaupt im Google-Index auftauchen. Das wurde von vielen Nutzern ausgenutzt, um systematisch die Paywalls auf Verlags-Webseiten zu umgehen. Google stoppt dieses Programm nun weltweit und ersetzt es durch «Flexible Sampling». Dabei können die Verlage selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie freie Proben ihrer kostenpflichtigen Inhalte sie den Google-Anwendern zeigen wollen.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) begrüßte die Pläne. «Die Ankündigung von Google und Facebook, jetzt mit den Verlagen an Modellen für kostenpflichtige Inhalte zu arbeiten, ist erfreulich und ermutigend. Auch wenn die konkrete Umsetzung noch aussteht und Details noch zu klären sind, begrüßen wir diese Entwicklung ausdrücklich», erklärte BDZV-Präsident Mathias Döpfner. Auch Facebook war zuletzt auf Medienunternehmen zugegangen.

Google-Manager Richard Gingras betonte, Google wolle den Verlagen auch dabei helfen, neue Zielgruppen anzusprechen, erfolgreiche Abo-Modelle zu entwickeln und ihre Umsätze zu steigern. Bislang seien aber viele Bezahlangebote zu kompliziert, sagte Gingras. «Manchmal benötigt man 22 oder mehr Klicks, um einen Artikel zu kaufen oder ein Abonnement abzuschließen.» Das schrecke viele Anwender ab. Wenn die potenziellen Kunden erst kompliziert Namen, Adresse. Passwort und Zahlungsinformationen eingeben müssten, werde die Hürde unnötig höher gelegt. Google könne dabei helfen, den Einkaufsprozess erheblich zu erleichtern. «Im Idealfall bekommen wir das mit einem Klick hin.»

Bei der Entwicklung des neuen «Flexible Sampling»-Modells seien Erfahrungen aus dem Dialog mit vielen Verlagen eingeflossen, darunter einem monatelangen Test bei der «New York Times» und der «Financial Times».

Schindler erklärte, Google sammle schon heute für viele Verlage mit Erfolg Geld für deren Inhalte ein. Allein im vergangenen Jahr seien umgerechnet rund 9,3 Milliarden Euro an die Publishing-Partner ausgeschüttet worden.

Das Verhältnis zwischen Google und einzelnen Verlagen war in der Vergangenheit immer wieder durch Spannungen und Konflikte geprägt. So versucht in Deutschland eine Gruppe von Verlagen, über die Verwertungsgesellschaft VG Media den US-Konzern zu Zahlungen an die Inhalte-Anbieter zu zwingen. Über die «Digital News Iniative» (DNI) arbeitet Google aber auch intensiv mit Verlagen in Europa zusammen. Über die DNI werden zum einen Entwicklungsprojekte in Verlagen finanziell gefördert. Außerdem wurden innerhalb der DNI Google-Projekte wie «Accelerated Mobile Pages» (AMP) vorangetrieben, die für eine schnellere Anzeige von Web-Inhalten auf Smartphones sorgen.

Die deutschsprachigen DNI-Partner wollen sich bei den Medientagen Ende Oktober in München mit Google treffen, um weitere Perspektiven der Zusammenarbeit zu besprechen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert