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«Apple Stories»: Irrfahrt hinter den iPhone-Kulissen

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Berlin (dpa) - Der Dokumentarfilm «Apple Stories» will die Realität hinter den Kulissen der iPhone-Glitzerwelt aufdecken - zeigt jedoch vor allem, wie schwer es ist, einen Blick hinter die Apple-Bollwerke zu erhaschen.

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erstellt am 15.Aug.2013 | 04:44 Uhr

Berlin (dpa) - Der Dokumentarfilm «Apple Stories» will die Realität hinter den Kulissen der iPhone-Glitzerwelt aufdecken - zeigt jedoch vor allem, wie schwer es ist, einen Blick hinter die Apple-Bollwerke zu erhaschen.

Wenn es darum geht, Glanz und Schattenseiten des Technologie-Booms zu illustrieren, ist Apple eine beliebte Zielscheibe. Das teuerste Unternehmen der Welt, das mit iPhone und iPad Milliarden scheffelt - und sich immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert wird, seine technischen Kunstwerke aus Glas und Aluminium würden unter unwürdigen Arbeitsbedingungen produziert.

Der Dokumentarfilmer Rasmus Gerlach hat sich beim Werk «Apple Stories» das Ziel gesetzt, «die Herstellungskette moderner Handys am Beispiel des iPhones zu hinterfragen». Dafür stieg er in Minen in Ruanda herab, recherchierte in Hongkong und am chinesischen Produktions-Standort Shenzhen und versuchte, den deutschen Kult um das Apple-Handy in Hamburg zu begreifen.

Die Reise hinter die iPhone-Kulissen wird jedoch am Ende zur Irrfahrt, denn es ist keine Welt, in die man einfach so hereinspazieren kann. Ein Besuch in den riesigen Fabriken des Auftragsfertigers Foxconn ist für einen Dokumentarfilmer ebenso undenkbar wie tiefere Einblicke in das Lieferanten-Geflecht. So kommt es, dass er in Afrika etwas hilflos fragen muss: «Meinen Sie, in diesem Telefon könnte Tantal aus dieser Mine sein?» Achselzucken beim Gesprächspartner: Ja. Vielleicht. Warum nicht.

Und in Asien kann Gerlach statt des Werks eines Apple-Fertigers nur einen Blick in eine Untergrundfabrik erhaschen, in der ohne Wissen des Konzerns Ersatz-Bildschirme für iPhones hergestellt werden. Die Bilder gehören zu den beeindruckendsten im Film: Es ist wie ein echtes Werk in Miniatur, mit Reinraum und moderner Technik. Nur dass es eigentlich nichts direkt mit Apple und dem iPhone zu tun hat, ebenso wenig wie die «Handy-Doktoren» aus Hamburg oder Hongkong.

Sie haben es zu ihrem Geschäft gemacht, neben anderen Handys auch iPhones günstiger als Apple zu reparieren, und dienen als Kronzeugen für steile Thesen wie «Apple weiß alles, was Sie auf ihrem Gerät machen». Spätestens seit dem aktuellen Skandal um Internet-Überwachung durch US-Geheimdienste ist in der Öffentlichkeit angekommen, dass die Realität differenzierter - und auch erschreckender - ist. Doch schon als der Film gedreht wurde, hätte es bessere Quellen für die Datenschutz-Probleme der Smartphone-Ära gegeben.

Genauso hätte auch ein Blick in die von Apple selbst verfassten Berichte hochoffiziell mehr Missstände offenbart: Mehrere Dutzend Kinder im Alter unter 16 Jahren, die von einem Vermittler mit falschen Papieren durchgeschmuggelt worden seien, teilweise viel zu lange Arbeitszeiten, Fälle von Umweltverschmutzung. Apple-Chef Tim Cook bemüht sich zwar sichtlich um mehr Transparenz und ließ den Konzern als erstes Unternehmen der Branche der Organisation Fair Labor Association (FLA) beitreten, die eigene Inspektionen durchführt. Ein jüngster Aktivisten-Bericht prangerte jedoch wieder Missstände beim Auftragsfertiger Pegatron an. Apple sagte immerhin sofort eine Prüfung der Vorwürfe zu.

Trailer von Apple Stories

Der Apple-Gründer Steve Jobs galt als schwieriges Genie mit einer komplexen Persönlichkeit. Aus dem schüchternen Adoptivkind wurde ein erfolgreicher Technik-Visionär. Der Vater von iPod, iPhone & Co. schrieb mit seinen durchgestylten Produkten eines der faszinierendsten Kapitel der modernen Wirtschaftsgeschichte.

Am 24. Februar 1955 in San Francisco geboren, wächst Steven «Steve» Paul Jobs als Adoptivkind in Kalifornien auf. Schon früh interessiert sich der Junge für Computertechnik. Jobs beginnt 1972 in Oregon ein Studium, bricht nach einem Semester ab, lebt als Hippie, experimentiert mit Drogen und wird Vegetarier. 1974 heuert er beim Videospiele-Hersteller Atari an und lebt mehrere Monate in Indien.

Mit seinem Freund Steve Wozniak gründet er 1976 die Firma Apple. «Woz» ist das technische Genie, Jobs vermarktet die Vision der Apple-Computer. Der Erfolg macht ihn zum Millionär - doch in einem internen Machtkampf wird er 1985 aus der Firma gedrängt. Jobs gründet mit anderen das Unternehmen NeXT Computer und entwickelt das Animationsstudio Pixar, dessen Börsengang ihn zum Milliardär macht.

Jobs heiratet 1991 Laurene Powell, mit der er zwei Töchter und einen Sohn bekommt. Aus einer früheren Beziehung hat er bereits eine Tochter. Als Apple 1997 vor dem Ruin steht, holt man den geschassten Mitbegründer zurück. Nach seinem Comeback auf den Apple-Chefposten behält der Mann mit dem schwarzen Rollkragenpulli die Zügel fest in der Hand. Erst der iPod-Player, dann das iPhone und der Tablet-Computer iPad machen Apple zur Milliarden-Maschine. Der Perfektionist setzt seine Visionen auch gegen Zweifel durch, was ihm gelegentlich den Vorwurf einbringt, diktatorisch zu agieren. Am 5. Oktober 2011 verliert die Leitfigur von Apple mit 56 Jahren den Kampf gegen den Krebs.

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