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Fallende Steine aus der UdSSR : 30 Jahre „Tetris“ – Spielen Sie mit!

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Ein Meilenstein in der Geschichte der digitalen Spiele erblickt vor 30 Jahren in Moskau das Licht der Monitore. Die Faszination von „Tetris“ ist so unendlich wie die Schwerkraft. Ein Rückblick mit Spiel.

Moskau | Geniale Ideen bestechen meist durch ihre Einfachheit. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das wohl bekannteste Computerspiel „Tetris“. Am 6. Juni 1984 vollendet der damals 29-Jährige russische Programmierer Alexei Paschitnow in Moskau die erste spielbare Version des Game-Klassikers. Die spaßbringende neue Software verbreitet sich in den gut vernetzten Technik-Zirkeln der sowjetischen Hauptstadt wie ein Virus. Wenige Tage nach nach der Erfindung wird sich in der Metropole kein kompatibler Rechner mehr finden, der nicht mit einer wabbeligen Tetris-Diskette ausgestattet ist.

Das Spielprinzip ist einfach: Die Schwerkraft kitzeln und ein bisschen Gott sein. Verschiedenfarbige Spielblöcke in sieben verschiedenen Formen, die aber immer aus vier Quadraten bestehen, fallen in einen Behälter. Durch geschicktes Drehen der Figuren kann der Spieler ein Überlaufen des Gefäßes verhindern, das zum „Game Over“ führen würde. Geschlossene Mauerreihen verschwinden wie von Geisterhand und bringen dem Spieler Punkte ein. Und wieder fällt ein Stein vom Himmel... Probieren Sie es selbst! (Steuerung über die vier Cursor-Tasten)

Quelle: http://www.classicgamesarcade.com/game/21602/tetris-flash-arcade-game.html

Paschitnows ausschlaggebende Idee ist es 1984, das von ihm geliebte Familienspiel Pentomino als digitales Puzzle auf die Monitore zu bringen. Das Spiel ist schnell programmiert und verbreitet sich rasch. Die von der Sucht befallenen schlauen Köpfe der Universität widmen nun vollständig dem digitalen Puzzle. Der Forschungs- und Lehrbetrieb am Rechenzentrum der Russischen Akademie der Wissenschaften kommt beinahe vollkommen zum Erliegen. Paschitnow wird daraufhin von seinen Vorgesetzten gefragt, ob er nicht mithilfe eines Virus' das Spiel wieder zerstören könne.

Tetris als hölzernes Analogspiel.
Tetris als hölzernes Analogspiel. Foto: Imago

Früh schwirrt der Gedanke einer globalen Verbreitung von Tetris durch die Köpfe der euphorischen Involvierten. Padschitnows Kollege und Freund Wadim Gerassimow programmiert die Software so um, dass sie auch auf westlichen IBM-Computern laufen kann. Eine Möglichkeit, Paschitnow geistiges Eigentum zu schützen, besteht jedoch von Staatswegen nicht. Die Erlöse kassiert daher der Kreml: Da das Spiel offiziell von der Sowjetunion vertrieben wird, gehen Paschinow und seine Freunde beim Verkauf der Rechte leer aus.

Tetris schlägt auch im Westen voll ein - und wie es so ist im kalten Krieg, wird der Russen-Export politisch instrumentalisiert. In der ersten US-Version fliegt im Vorspann eine weiße Cessna durch das Bild - eine Anspielung des Klassenfeindes auf das für die sowjetische Luftwaffe so peinliche Bild der Landung des Wedelers Michael Rust auf dem roten Platz. Auch der Kreml erscheint bei einer Version im Hintergrund vor fallenden Gesteinsbrocken. Eine Software-Firma nennt ihr Tetris-Erzeugnis im Untertitel „Die sowjetische Herausforderung“.

Der Siegeszug der „Mutter aller Gelegenheitsspiele“ vollendet sich mit der Markteinführung des Nintendo Game Boy 1989. Von nun an fallen die Blöcke von der Russen-Diskette auch unterwegs in der U-Bahn vom Himmel ins Glas. 70 Millionen Mal verkauft sich die mobile Spielekonsole in der Standardausführung, der zu Beginn eine monochrome Version von Tetris beigelegt ist. Mit dabei ist auch immer die Melodie des russischen Volksliedes „Korobeiniki“.

Das Spiel hat es geschafft, sämtliche Generationen von Heimcomputern zu überleben. In Handys, Tablets und Co setzt das auf ewig unvollendete Bauwerk in bunten Farben und Formen sein Werk fort. So lässt sich sagen: Des Eis-Essers „Vanillie“ ist des Spielers „Tetris“. Unverändert in Prinzip und Rezeptur gelten beide als zeitlose Kulturgüter und globale Standards ihrer Rubriken.

Alexei Paschitnow freut sich 2009 im Coloneum in Köln nach der Verleihung des „Lara“.
Alexei Paschitnow freut sich 2009 im Coloneum in Köln nach der Verleihung des „Lara“. Foto: dpa

Der große Erfinder Alexei Paschitnow kehrt seiner Heimat 1991 den Rücken, gründet eine eigene Firma und arbeitet einige Jahre für den Software-Riesen Microsoft. Erst Jahre nach dem Zerfall der UdSSR wird er 1996 nach langem Rechtsstreit Lizenzgebühren erhalten. Doch das große Geschäft haben längst andere gemacht.

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erstellt am 28.Mai.2014 | 06:30 Uhr

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