TV-Duell Merkel gegen Schulz : „Was erlauben Strunz?“ – Heftige Kritik an Sat.1-Moderator

Die Moderatoren (v.l.) Claus Strunz, Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Peter Kloeppel im Fernsehstudio Adlershof.
Die Moderatoren (v.l.) Claus Strunz, Sandra Maischberger, Maybrit Illner und Peter Kloeppel im Fernsehstudio Adlershof.

Claus Strunz fiel mit tendenziösen Bemerkungen auf. Das sorgte vor allem auf Twitter für Empörung.

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04. September 2017, 11:24 Uhr

Berlin | Vier Moderatoren standen Angela Merkel und Martin Schulz beim TV-Duell am Sonntag gegenüber. ARD, ZDF, Sat.1 und Phoenix übertrugen das Wortgefecht der Spitzenkandidaten live. Maybritt Illner (52, ZDF) und Peter Klöppel (58, RTL) haben seit 2002 alle fünf Duelle moderiert. Sandra Maischberger (51, ARD) und Claus Strunz (50, Sat.1) stellten sich erstmals in einem TV-Duell Kanzler und Herausforderer entgegen.

Über die Vor- und Nachteile der 90-minütigen Sendung mit vier Moderatoren hatte es im Vorfeld Debatten gegeben. Merkel hatte gedroht, gar nicht teilzunehmen, falls die übertragenden Sender ZDF, RTL, ARD und Sat.1 das Format ändern würden. Am Ende hatte sie sich durchgesetzt, war dafür aber kritisiert worden.

Der Medienwissenschaftler Bernd Gäbler kritisierte nach Ende des Duells die Moderatoren der vier Sender scharf: „Die viel zu zahlreichen Moderatoren traten in einen Überbietungswettbewerb, beide Politiker ausschließlich mit Fragen zu traktieren, wie sie von rechts gestellt werden. Der Wähler, um den es ja angeblich gehen soll, schaute im wahrsten Sinne des Wortes in die Röhre.“ Er sei in die Rolle eines ungefragten Zuschauers gedrängt gewesen. „Der Appell an die übertragenden Sender kann nur lauten: So nicht noch einmal!“

Das sahen auch auf Twitter viele so. Kritik erntete dort aber in erster Linie Claus Strunz für unvollständige Zitate und populistischen Bemerkungen. Schon bei seiner ersten Frage leistete sich Strunz einen Fehler, als er ein Zitat von Martin Schulz aus dem Zusammenhang riss. Der SPD-Kanzlerkandidat habe die Mehrzahl der Flüchtlinge als „Gold“ bezeichnet. Strunz fragte, ob Schulz das heute so wiederholen würde. Schulz konterte daraufhin, dass Strunz das Zitat vollständig wiedergeben müsse. Schulz hatte gesagt: „Was die Flüchtlinge zu uns bringen, ist  wertvoller als Gold. Es ist der unbeirrbare Glaube an den Traum von Europa. Ein Traum, der uns irgendwann verloren gegangen ist.“

Ausgewählte Tweets:

Strunz' Formulierung „Wann sind die weg?“ auf die Frage, warum sich aktuell noch 226.000 Ausreisepflichtige in Deutschland aufhalten, sorgte ebenfalls für Kritik. Zusätzlich ist auch die Zahl falsch. Denn von den 226.000 sind über 159.000 geduldet.  

Strunz hatte bei „Maischberger“ im Dezember 2016 Populisten als „Viagra der Demokratie“ verteidigt. So stellte er auch als erster eine Frage zur AfD. Er fragte Merkel: „Haben Sie die Ängste der Menschen nicht ernst genommen?“

Doch nicht nur Strunz transportierte in seinen Fragen rechtspopulistische Positionen. Auch Maybrit Illner und Sandra Maischberger ließen es sich nicht nehmen, Fragen zu Gastarbeitern oder Gefährdern zu stellen. So war es auch nicht verwunderlich, dass der Themenbereich Flüchtlinge, Islam und Türkei einen großen Teil des TV-Duells bestimmte.

Das Format des TV-Duells im Bundestagswahlkampf hat sich aus Sicht des Journalistik-Professors Bernd Gäbler in seiner jetzigen Form überholt. „Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass das Format ,TV-Duell‘ an Haupt und Gliedern reformiert werden muss, dann wurde er in diesem Jahr endgültig geliefert: Die Sendung war leblos und frei von jeder Überraschung“, sagte der Professor für Journalistik aus Bielefeld. Fast alle wichtigen Zukunftsfragen, vor denen Deutschland stehe, seien ausgeklammert worden. „Die Sendung war mehr Parallelslalom als Duell“, so Gäbler. „In diesem Nebeneinander demonstrierten die Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz inhaltlich eigentlich nur, dass eine große Koalition jederzeit wieder möglich ist.“

(mit dpa)

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