Nach Veranstaltung in Flensburg : Überfall auf AfD-Mitglied sorgt für Widersprüche

Ein Parteimitglied wird auf dem Nachhauseweg von einer Veranstaltung angegriffen. Die Polizei sucht nach den Tätern.

shz.de von
22. September 2017, 13:56 Uhr

Flensburg | Am Dienstag ist ein AfD-Mitglied nach einer Diskussionsveranstaltung der SSW-Jugend (SSWUngdom) im Flensborghus in der Norderstraße in Flensburg auf dem Weg zu seinem Auto von zwei Personen angepöbelt und geschlagen worden. Die Pressesprecherin der Polizei Flensburg, Sandra Otte, bestätigte den Vorfall an der Hafenspitze auf Nachfrage von shz.de. Ob er sich aber zugetragen hat, wie aus einer Pressemitteilung der AfD hervorgeht, ist fraglich.

Laut Mitteilung des AfD-Kreisverbandes Schleswig-Flensburg, ist das junge Mitglied für die Jugendbetreuung zuständig. Er war auf der Veranstaltung als Vertreter der Jungen Alternative Schleswig-Holstein anwesend. Laut AfD Kreisverband hatten die Täter offenbar Kontakt zu Anwesenden im Flensborghus, da sie das AfD-Mitglied mit Namen ansprachen. Nach Angaben in der Pressemitteilung sollen sie „Na (Name) du ... Schwein, Bock auf Stress?“ gesagt haben.

 

Das Parteimitglied habe dann Schläge auf den Hinterkopf bekommen und habe sich jedoch körperlich und mit Pfefferspray zur Wehr setzen können. Die Täter hätten daraufhin die Flucht ergriffen. Nach Angaben von Sandra Otte wurde bei der Anzeige bei der Polizei angegeben, dass es genau einen Schlag gegeben habe. Der junge Mann sei unverletzt geblieben und habe eine ärztliche Versorgung vor Ort ausgeschlossen, so Otte. In der Pressemitteilung der AfD ist hingegen von leichten Blessuren die Rede. Das Opfer habe sich zur Sicherheit in ärztliche Behandlung begeben.

Im Anschluss präzisierte der Kreisvorsitzende Frank Hansen seine Angaben und begründete die ungenaue Ortsangabe damit, dass das Opfer nicht aus Flensburg stamme „und in der Aufregung bei dem Notruf keine genaue Ortsangabe gemacht“ habe. Hansen widerspricht außerdem der Aussage, es habe nur einen Schlag gegeben. Die Polizei machte auf Nachfrage allerdings erneut die Angabe, es sei ein Schlag angezeigt worden. Bezüglich der ärztlichen Behandlung teilt Hansen mit: „Richtig ist, dass das Opfer sich nach Meldung des Überfalls an seinen Kreisvorsitzenden Frank Hansen auf dessen anraten hin in ein Krankenhaus begeben hat. Die Verletzung wurde dort protokolliert.“

Eine Täterbeschreibung sei durch die Polizei aufgenommen worden, sagt Otte. Dass es sich, wie in der AfD-Mitteilung behauptet, um Anhänger der Antifa handelt, konnte die Pressesprecherin nicht bestätigen.

Die AfD will hingegen in einem Telefonat in Erfahrung gebracht haben, das neben den zwei Angreifern an der Hafenspitze fünf weitere Anhänger der Antifa „direkt am Flensborghus auf unser Mitglied warteten“. Die Attacke selbst ereignete sich laut Polizeibericht jedoch weit vom eigentlichen Veranstaltungsort entfernt. „Der Wagen des Mannes war auf der anderen Hafenseite geparkt“, sagt Otte.

Der Landesvorsitzende der SSWUngdom, Christopher Andresen, verurteilte den Angriff. „Wir lehnen physische Gewalt konsequent ab – durch wen oder gegen wen auch immer. Wir führen die Auseinandersetzung im Austausch von Argumenten und lassen dabei jeden zu Wort kommen. Deshalb haben wir auch alle Jugendparteien, deren Mutterpartei eine Chance auf den Einzug in den Bundestag hat, zu unserer gestrigen Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl eingeladen.“

Was genau sich nach der Veranstaltung auf dem Parkplatz abgespielt habe, sei für den SSWUngdom nicht abschließend nachvollziehbar. „Wir vertrauen darauf, dass es unserer Polizei gelingen wird, den Vorfall zu erhellen“, sagte Andresen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen