Bundesminister und Regierungschefs : Politiker-Dienstwagen: Diesel statt Elektro

Horst Seehofer: «In der Frage der Abschiebung herrscht in Deutschland eine große Illusion.»
Fährt den dreckigsten aller Dienstwagen: Bayerns Regierungschef Horst Seehofer.

Gehen die Politiker in Sachen E-Mobilität mit gutem Beispiel voran? Die Umwelthilfe hat in Bund und Ländern nachgefragt.

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19. September 2017, 16:13 Uhr

Berlin | Spitzenpolitiker achten zunehmend auf spritsparende Autos – aber Elektro-Antriebe setzen sich bei ihren Dienstwagen trotz der Diesel-Debatte nur langsam durch. Im Bundeskabinett lassen sich nur Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in Hybrid-Pkw fahren, die sowohl mit Benzin als auch elektrisch vorankommen. Das ergab der diesjährige Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH), den diese am Dienstag veröffentlichte. 171 von 233 befragten Politikern sind demnach mit Diesel-Autos unterwegs.

In der Minister-Rangliste belegen Hendricks und Dobrindt, die sich in der Abgas-Affäre ständig in den Haaren liegen, die vorderen Plätze – Hendricks mit einem CO2-Ausstoß von 115 Gramm pro Kilometer, Dobrindt mit 129 Gramm. Schlusslichter sind Justizminister Heiko Maas und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries, deren Diesel-Autos jeweils 159 Gramm CO2 pro Kilometer aus dem Auspuff blasen.

Von den Regierungschefs der Länder lässt sich nur der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg in einem Hybrid-Dienstwagen fahren. Im CO2-Ranking der Landesfürsten belegt er trotzdem Platz fünf. Vorne liegen die Diesel-Limousinen von Carsten Sieling (SPD) in Bremen und Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Saarland. Schlusslicht Horst Seehofer (CSU) in Bayern ist in einem Benziner mit 303 Gramm CO2 pro Kilometer unterwegs.

Übersicht: Dienstwagen der Bundesminister

Bundesminister Dienstwagen Baujahr/Motor CO2-Ausstoß in g/km
Barbara Hendricks BMW 740e iPerformance 2016, Benzin/Elektro 115
Alexander Dobrindt BMW 740 Le xDrive iPerformance 2016, Benzin/Elektro 129
Johanna Wanka BMW 730Ld xDrive 2016, Diesel 132
Manuela Schwesig BMW 730Ld xDrive 2016, Diesel 137
Hermann Gröhe Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 155
Gerd Müller Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 155
Andrea Nahles Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 155
Heiko Maas Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 159
Brigitte Zypries Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 159

„Der jährliche Blick unter die Motorhauben des politischen Spitzenpersonals zeigt Wirkung“, zog die DUH am Dienstag in Berlin Bilanz. 19 Politiker zeichnete der Verein mit einer „Grünen Karte“ aus. Vergangenes Jahr waren es nur acht. „Grüne Karten“ gab es diesmal für Autos mit weniger als 117 Gramm CO2-Ausstoß – außer für Diesel, deren Ruf in der Debatte um gesundheitsschädliche Stickoxide schwer gelitten hat. Bei Landesministern und Staatssekretären im Bund hat der Anteil an Hybrid-Fahrzeugen deutlich zugenommen.

Regierungschef Dienstwagen Baujahr/Motor CO2-Ausstoß in g/km
Carsten Sieling (Bremen) Mercedes-Benz E 220d Limousine 2016, Diesel 102
Annegret K.-Karrenbauer (Saarland) BMW 730Ld xDrive 2016, Diesel 137
Olaf Scholz (Hamburg) BMW 530d xDrive 2017, Diesel 138
Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt) BMW 740Ld xDrive 2016, Diesel 142
Winfried Kretschmann (Ba.-Wü.) Mercedes-Benz S500 e lang 2017, Benzin/Elektro 147
Bodo Ramelow (Thüringen) BMW 750Ld xDrive 2017, Diesel 154
Stanislaw Tillich (Sachsen) BMW 750Ld xDrive 2016, Diesel 154
Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz) Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 154
Torsten Albig (Schleswig-Holstein) Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 159
Erwin Sellering (Meckl.-Vorpommern) Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 159
Stephan Weil (Niedersachsen) Audi A8 3.0 TDI quattro 2017, Diesel 159
Dietmar Woidke (Brandenburg) Audi A8 L 3.0 TDI quattro 2016, Diesel 159
Volker Bouffier (Hessen) Audi A8 L Security 4.0 TFSI quattro 2016, Benzin 254
Hannelore Kraft (Nord.-Westfalen) Mercedes-Benz S600 2016, Benzin 268
Michael Müller (Berlin) Mercedes-Benz S-Guard 600 2015, Benzin 270
Horst Seehofer (Bayern) BMW 760Li High Security k.A., Benzin 303

CO2 ist in der Atemluft immer enthalten und nicht gesundheitsschädlich, trägt aber mit steigender Konzentration in der Atmosphäre zur Erwärmung des Erdklimas bei. Da ab 2020 strengere Flottenzielwerte in der EU gelten, verschärft die DUH ihre Kriterien für „Grüne Karten“ von Jahr zu Jahr. In der Rangliste geht es um den Normverbrauch der Autos auf dem Papier – im Alltag auf der Straße brauchen Autos oft deutlich mehr Sprit als angegeben.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie die Verteidigungs-, Finanz-, Innen- und Außenminister sind aus Sicherheitsgründen nicht in der Liste, damit niemand Rückschlüsse auf die Sicherheit ihrer Dienstwagen ziehen kann. Bei den Flotten der Bundesministerien liegt das Auswärtige Amt vorn, das Umweltministerium auf dem zweiten Platz. Die rote Laterne geht an das Verteidigungsministerium.

Die Befragung führte die DUH von Februar bis September 2017 durch. So kommt es, dass für Mecklenburg-Vorpommern noch Ex-Ministerpräsident Erwin Sellering in der Liste steht, obwohl seit Juli Manula Schwesig Regierungschefin in Mecklenburg-Vorpommern ist. „Neu bestellte und im Einsatz befindliche Dienstwagen wurden bis einschließlich April 2017 einbezogen“, erklärte die DUH.

Weitere Vergleichszahlen:

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