zur Navigation springen

Youtuber interviewen Angela Merkel : Isst „AlexiBexi“ mit der Kanzlerin Nutella?

vom
Aus der Onlineredaktion

Vier Youtuber interviewen Angela Merkel. Einer von ihnen ist ein Hamburger: „AlexiBexi“. Im shz.de-Interview spricht er über die Fragen, LeFloid und Nutella.

Hamburg | Er moderiert „So ein Scheiß“ und den „Erklärbär“, singt englische Lieder auf Deutsch, testet die brandneueste Technik und isst gerne Nutella – damit feiert der Hamburger Alexander Böhm, alias „AlexiBexi“, riesige Erfolge auf Youtube. Sein Kanal zählt mehr als 1,1 Millionen Abonnenten, „AlexiBexi“ gehört zu den erfolgreichsten Youtubern in Deutschland. Und zu jenen vier, die Kanzlerin Angela Merkel am 16. August zur Bundestagswahl 2017 live interviewen.

Unter dem Hashtag #Deine Wahl kann jeder seine Fragen für das Live-Interview loswerden. Welche Fragen kommen, wie sich „AlexiBexi“ auf das Interview vorbereitet, und was er die Kanzlerin gerne persönlich fragen würde, hat er shz.de im Exklusiv-Interview verraten.

Es gibt nicht viele Menschen in Deutschland, die jemals die Chance auf ein Live-Interview mit der Kanzlerin bekommen. Wie fühlt man sich, wenn man zu diesem erlesenen Kreis dazu gehört?

Ich bin äußerst neugierig und wissbegierig, stehe allem aber auch etwas skeptisch gegenüber, weil ich nicht genau weiß, was am Ende das Ergebnis ist. Es ist auch neu für mich, eine Politikerin wie Angela Merkel zu interviewen. Das schafft einen gewissen Respekt. Doch ich bin nicht aufgeregter, als ich es vor jedem anderen Interview auch wäre.

Wie hast du davon erfahren, dass du die Kanzlerin interviewen sollst?

Per Telefon. Der Redakteur einer Berliner Produktionsfirma meldete sich bei mir und berichtete von dem geplanten Live-Interview, er fragte, ob ich Interesse habe.

Und hast du sofort zugesagt?

Nicht sofort. Natürlich hatte ich Interesse, keine Frage. Trotzdem waren da auch noch ungeklärte Fragen. Vor allem: Was bringt das Interview mit sich, was denkt meine Community und was halten Außenstehende davon? Doch letztlich begreife ich das Interview als Mega-Chance. Nicht für mich und meine eigene Reputation, sondern, um einer jungen Zielgruppe, die sonst bei Politik eher einschläft, das Thema näher zu bringen. Und sie vielleicht dazu animiert wird, auch wählen zu gehen.

Wie waren die Reaktionen bisher?

Aus meiner Community, die mich regelmäßig schaut, waren die Reaktionen sehr positiv. Mein Stammpublikum sieht das Interview auch als Möglichkeit, frischen Wind ins politische Geschäft zu bringen. Anders sind die Reaktionen aus der Community, die mich nicht regelmäßig schaut. Da herrscht Panik, im Sinne von: „Das kann doch nichts werden“. Für mich ist auch das okay, ich merke einfach, es zieht weite Kreise. Natürlich spüre ich den Druck dabei, doch ich nehme die Herausforderung gerne an und sage: „Hey, lasst uns mal was ausprobieren“.

Gab es auch Reaktionen, die dich geärgert haben?

Davon gab es bis jetzt schon einige. Auffällig sind die Kommentatoren, die keine Fragen stellen, sondern vor allem gegen Flüchtlinge hetzen. Beim Thema Politik greift Hatespeech eben sehr schnell um sich. Befremdlich fand ich auch einen Tweet der AfD Berlin, die unter dem Hashtag #TraudichDeutschland, dazu auffordert, nun Fragen zu stellen.

 

Wie gehst du mit Hatespeech und unerwünschten Kommentaren um?

Es bleibt alles stehen. Ich werde nichts löschen oder moderieren, das wäre aufgrund der schieren Masse auch nicht leistbar. Da muss man dann leider auch Hatespeech hinnehmen.

Welche Fragen dürfen gestellt werden? Ist alles erlaubt?

Es gibt keine Einschränkungen, alles ist erlaubt. Ich werde alle Fragen durchschauen und dann entsprechend filtern. Auch die Fragen, die es letztlich nicht bis ins Interview schaffen, verraten mir einiges und eröffnen mir möglicherweise eine neue Menschenkenntnis und damit Raum für Ideen.

Schaust du alle Fragen alleine durch oder hast du Hilfe dabei?

Mich alleine erreichen viele tausend Fragen über die gängigen Kanäle bei Facebook, Instagram, Youtube oder Twitter. Uns vier Youtubern wurde von der Produktionsfirma angeboten, dass wir Unterstützung bei der Durchsicht bekommen können. Ich lege aber erstmal alleine los und schaue, wie weit ich komme. Wie es die anderen handhaben, weiß ich nicht.

Welche Fragen schaffen es ins Interview?

Das Interview ist eingeteilt in vier Blöcke. In Digitalisierung, ausgehend von der E-Mobilität, in Tierhaltung und Ernährung sowie Agrarwirtschaft, in Schule und Bildung sowie in Migration. Aus allen Fragen, die uns erreichen, soll der gemeinsame Sinn herausgefiltert werden. So entstehen die Fragen, die es am Ende ins Interview schaffen. Zusätzlich könnten auch spezielle Fragen auftauchen, die sich nicht so einfach kategorisieren lassen. Auch auf die würden wir eingehen. Bis jetzt habe ich davon aber noch keine gesehen.

Wie werden die Fragen unter den Interviewern aufgeteilt?

Jeder hat seinen Bereich. Ich kümmere mich um die E-Mobilität und alles was damit zusammenhängt. Dabei geht es vor allem um den Umweltbonus beim Erwerb eines Elektroautos, den Ausbau der Ladeinfrastruktur, die Autoindustrie, den Netzausbau und alternative Energiegewinnung.

Warum wurdest du für diesen Bereich ausgewählt?

Weil ich mich viel mit diesen Themen beschäftige. So wäre ich etwa für das Thema Schule und Bildung nicht der richtige Ansprechpartner, für die Digitalisierung, die maßgeblich von der E-Mobilität abhängt, aber schon. Besonders treibt mich etwa die Frage um, warum private Unternehmen wie beispielsweise EWE in meinem Heimatort oder Tesla an wichtigen Knotenpunkten kostenlose Ladestationen für Stromer bereitstellen, sich die öffentliche Hand aber nicht – es gibt sehr wenige Ausnahmen – darum schert.

Welche Fragen haben dich bisher erreicht?

Die Palette ist extrem breit. Zwei Beispiele, die aber nichts mit meinem Bereich zu tun haben, sind etwa: „Warum wird von der Bundesregierung nichts Konkretes unternommen, um den Journalisten Deniz Yücel aus der türkischen Haft zu befreien?“ Oder: „Warum wurde die Arbeitslosenstatistik wieder geschönt?“ Natürlich fehlt auch der Klassiker nicht: „Wie viele Flüchtlinge muss Deutschland noch aufnehmen?“ Zum Glück kamen aber auch zahlreiche Fragen, die meiner Thematik entsprechen. Zum Beispiel: „Warum bekomme ich nach dem Neukauf meines Elektroautos den Umweltbonus nicht ausgezahlt, obwohl ich schon Wochen hinterherlaufe?“ Das Hinterherjagen nach dem Förderbonus, der zwischen 1000 und 4000 Euro liegt, scheint für viele ein echter Krampf zu sein. Oft las ich auch schon die Frage: „Warum muss BMW in Chicago ein Technologiezentrum aufbauen, wenn wir doch so viele fähige Leute in Deutschland haben?“

Was sagst du jenen, die sich fragen, warum das Interview eigentlich nicht Leute führen, die sich sonst auch viel mit Politik beschäftigen?

Es sollen ja eben gerade nicht die Leute machen, die sich in ihrem Alltagsgeschäft mit Politik auseinandersetzen, sondern solche, die sich überwiegend mit einer anderen Thematik beschäftigen. Das eröffnet durchaus neue Perspektiven und soll dazu führen, dass viele Fragen kommen, die sonst vielleicht nicht angebracht wären.

 

Welche Fragen sind denn angebracht? Wird es da Vorgaben geben?

Bei dem Interview werden wir uns hinsetzen und unsere Fragen raushauen. Die wird das Team Merkel vorher auch nicht zu Gesicht bekommen, es gibt keine Abnahme. Uns als Fragestellern obliegt es also allein, aus der Zeit etwas Sinnvolles zu machen.

Wie ist das mit der Sicherheit? Gibt es dazu Extra-Bestimmungen?

Die Interviewer dürfen keine Begleitung mitbringen, es wird auch kein Publikum im Raum sein. Jeder Winkel im Studio ist durch Kameras einsehbar. Dort sitzen dann nur wir vier Youtuber und Angela Merkel.

Wo ist denn dort?

Stattfinden wird das Interview wohl im Berliner Youtube-Space und nicht im Bundestag oder Bundeskanzleramt.

Wie viele Fragen wirst du Angela Merkel stellen können?

Jeder hat zehn Minuten Zeit, seine Fragen loszuwerden. Wir werden sehen, wie viele Fragen ich in der knappen Zeit schaffe. Auf jeden Fall werden wir die Kanzlerin bei jeder Frage solange löchern bis wir befriedigende Antworten erhalten. Wir sind ja nicht LeFloid.

Nun sprichst du schon LeFloid an. Er führte als letzter Youtuber ein Interview mit der Kanzlerin – und musste für seine Fragen viel Kritik einstecken. Meinst du, das könnte dir auch passieren?

Man sollte davon ausgehen, dass es vielen Leuten nicht passt, was wir fragen. Das ist immer so. Allerdings hoffen wir durch die Aufteilung in verschiedene Themenbereiche mehr Verständnis zu schaffen. Jeder von uns kann nicht alles fragen, weil wir nur Experten auf unserem Gebiet sind, das gebe ich zu. Ich hoffe, dass wir am Ende eine ausgewogene Bandbreite schaffen können.

Gibt es eine Frage, die du Angela Merkel persönlich gerne stellen würdest?

Ja, die gibt es. Ich würde gerne, wissen, was Frau Merkel am liebsten macht, wenn sie etwa nach einem langen Arbeitstag Zuhause ist. Verbringt Sie Zeit alleine, mit ihrem Ehemann und geht sie auch mal einem Herzenswunsch oder einer Leidenschaft nach? Wahrscheinlich werde ich das aber nicht erfahren.

Dazu müsstest du mit ihr wahrscheinlich schon ein Glas Nutella öffnen. Wirst du das beim Interview machen?

Nein, zum Interview bringe ich keine Nutella mit. Aber vielleicht ziehe ich mir ein T-Shirt an, auf dem gedruckt steht: „Donald Trump ist scheiße“.

Das Interview gibt es am Mittwoch, 16. August, zwischen 13 und 14 Uhr. Übertragen wird das Gespräch live im Internet auf den YouTube-Accounts von AlexiBexi , MrWissen2GoIschtar Isik, und ItsColeslaw, außerdem auf dem neuen Kanal Deine Wahl.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2017 | 17:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen