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IfW : Bund kündigt Kieler Institut für Weltwirtschaft

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Seit mehr als 60 Jahren wirkt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Erstellung der Wirtschaftsprognosen mit. Jetzt verlängert der Bund den Vertrag nicht mehr.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2013 | 01:19 Uhr

Kiel/Berlin | Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wird erstmals seit mehr als 60 Jahren nicht mehr an den Frühjahrs- und Herbstgutachten der Bundesregierung mitwirken. Für die Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2013 bis Frühjahr 2016 habe das Konsortium mit dem Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) keinen Zuschlag erhalten, teilte das IfW am Montag mit. Den Platz räumen muss das IfW für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Berlin), das vor sechs Jahren aus dem Kreis der Gutachter geflogen war.
"Es ist bedauerlich, aber wir nehmen es sportlich", sagte der Leiter des Prognose-Zentrums, Prof. Joachim Scheide, in Kiel. Er hofft, dass das Kieler Institut 2016 wieder dabei sein wird.

"Renommee des Instituts wird darunter nicht leiden"


Die Frühjahrs- und Herbstgutachten der Bundesregierung gelten als die wichtigsten Konjunkturprognosen. An ihnen mitzuwirken bringt den Forschungsinstituten viel Renommee. Seit dem ersten Gutachten 1950 saßen die Kieler mit am Tisch, die jetzige Schlappe muss schmerzen.Scheide gibt sich jedoch zuversichtlich: "Es ist ein Nachteil, aber das Renommee des Instituts insgesamt wird darunter nicht leiden", sagte er.
Das Scheitern des Kiel-Mannheimer-Konsortiums habe keineswegs an der Qualität des Angebots gelegen, teilte das IfW mit. Die habe auf einem hohen Niveau gelegen. "Dies wird vom Auftraggeber bestätigt. Ausschlaggebend für die Absage ist der zu hohe Preis." Den Preisanstieg gegenüber dem vormaligen Angebot spiegele aber im Wesentlichen die zwischenzeitlich eingetretenen Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst wider.

"Qualität hat ihren Preis"


Für den zuständigen Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Wissenschaftsministeriums ist die Begründung der Absage ein Unding."Qualität hat ihren Preis und wenn man davon ausgeht, ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar", sagte Rolf Fischer (SPD) am Montag in Kiel. Wie die Prognosetätigkeit in Kiel künftig weitergeführt werden wird, wurde am Montag noch nicht bekannt. Einzelheiten sollen in Kürze mitgeteilt werden, hieß es beim IfW nur.
Das DIW wollte sich nicht äußern, solange die Vergabe nicht offiziell ist. Auch das Bundeswirtschaftsministerium wollte inhaltlich nicht Stellung nehmen. Es teilte auf Nachfrage nur mit, dass das Vergabeverfahren unter anderem wegen der Widerspruchsfrist noch nicht abgeschlossen sei. "Die Bieter haben Anspruch auf Vertrauensschutz. Deshalb hat der Auftraggeber bis zum Abschluss des Verfahrens strenge Vertraulichkeit zu wahren", sagte eine Sprecherin.

6603 Denkfabriken aus 182 Ländern


Die Absage des Bundeswirtschaftsministeriums fällt in eine Zeit, in der das IfW sonst vor allem positive Schlagzeilen macht und auch international sehr angesehen ist. Das vom IfW veranstaltete Global Economic Symposium (GES) zieht renommierte Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik weltweit an. Zur Verleihung seines Weltwirtschaftlichen Preises kommen jedes Jahr Persönlichkeiten wie Nobelpreisträger und Staatslenker an die Kieler Förde.
Zudem hat die University of Pennsylvania das IfW in ihrem aktuellen Think-Tanks-Ranking auf Rang vier der Denkfabriken für globale Wirtschaftspolitik gelistet. Insgesamt wurden dieses Jahr 6603 Denkfabriken aus 182 Ländern unter die Lupe genommen. Und die Leibniz-Gemeinschaft hat im vergangenen Sommer Bund und Ländern empfohlen, die Kieler Einrichtung weiter zu fördern und das Institut als sehr erfolgreich in der internationalen Wirtschaftsforschung bezeichnet.
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