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Deutschland & Welt

11. Dezember 2017 | 07:38 Uhr

Familie : Brust oder Flasche?

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Fast alle jungen Mütter wollen stillen - aber nur ein Teil tut es tatsächlich. Aus verschiedensten Gründen. Die Weltstillwoche stellte deshalb in diesem Jahr die Bedürfnisse der Frauen in den Mittelpunkt.

shz.de von
erstellt am 10.10.2013 | 13:00 Uhr

Berlin | Eine zufriedene Mutter mit einem zufrieden schmatzenden Baby an der Brust - so schön kann's sein. Aber so einfach ist's nicht immer. Viele Frauen in Deutschland fühlen sich beim Thema Stillen nach wie vor zu allein, und manche auch unter Druck. Zwar ist die Zeit vorüber, als einige hitzig darüber stritten, ob es mittlerweile eine Art gesellschaftlichen Zwang zum Stillen gebe. Aber eine entspannte, freie Entscheidung pro oder kontra, Brust oder Fläschchen, fällt vielen immer noch schwer.

«Das Thema ist nicht ausdiskutiert. Im Gegenteil, die Diskussion hat erst richtig begonnen und wird langsam konstruktiv», sagt die Autorin und Stillberaterin Sabine Lüpold («Stillen ohne Zwang», Rüffer & Rub). «Es geht eben nicht darum, zu beweisen, ob heutige Mütter dazu gezwungen werden zu stillen oder nicht - das erlebt jede Mutter anders -, sondern darum, herauszufinden, was genau Mütter vom Stillen abhält und wie ihre Situation verbessert werden kann.»

Dabei sprechen die Zahlen grundsätzlich für sich: «Seit den 80er Jahren hat sich die Einstellung zum Stillen in Deutschland stark verbessert und die Zahl derer, die voll und auch länger stillen, ist deutlich gestiegen», sagt Prof. Michael Abou-Dakn, Chefarzt der Gynäkologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin. Etwa neun von zehn Frauen wollen ihr Baby stillen - aber immer noch geben viele bereits nach Tagen oder Wochen ganz oder teilweise auf.

«Nach vier Monaten stillen nur noch 60 Prozent der Frauen, und nur noch die Hälfte davon stillt ausschließlich», sagt Abou-Dakn. Dabei sind die gesundheitlichen Vorteile für gestillte Babys nachweislich und groß. Die Nationale Stillkommission empfiehlt mindestens vier komplette Monate voll zu stillen - und danach Schritt für Schritt mit Beikost zu ergänzen.

Abou-Dakn sieht mehrere Hauptgründe für den frühen Abschied vom Stillen: «Wir erreichen viele bildungsferne Frauen nicht. Sie laufen eher Gefahr, Versprechungen der Säuglingsnahrungs-Industrie Glauben zu schenken.» Aber auch Raucherinnen und Frauen, die bald wieder in den Beruf zurück wollen oder müssen, stillten bald wieder häufig ab. «Es ist ja leider immer noch nicht üblich, in der Kita abgepumpte Muttermilch zu füttern, oder eben auf der Arbeit abzupumpen oder zu stillen.»

Corinna Lenné, Stillbeauftragte des Berliner Hebammenverbandes, sieht den Knackpunkt in den allerersten Tagen: «Da brauchen Mutter und Kind viel Körperkontakt und viel Zeit miteinander. Und es darf nicht so sein, dass im Krankenhaus aus jedem Mund eine andere Information zum Stillen kommen.»

In Deutschland gibt es über 80 sogenannte babyfreundliche Krankenhäuser, die das Stillen via Konzept unterstützen. Das St.Joseph Krankenhaus ist eines davon. «Wir möchten den Frauen alle Informationen über das Stillen geben. Aber dann akzeptieren und unterstützen wir selbstverständlich auch eine andere Entscheidung», sagt Abou-Dakn.

Auch Hebamme Lenné betont: «Auf gar keinen Fall würde ich eine Frau zum Stillen überreden.» Tatkräftige und aufbauende Unterstützung sei wichtiger. Denn Druck machten sich, aus ihrer Erfahrung, vor allem Spätgebärende oft schon genug. «Da ist ein hoher Perfektionsdrang. Nach der Berufskarriere und dem späten Wunschkind muss auch das Stillen dann perfekt sein. Aber das ist ganz schön viel hereingepresst in so ein Frauenleben.»

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