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Mehr als nur Emanzipation : «Zarah» mischt die Medien auf: ZDF-Serie über die 70er

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Zarah Wolf hat sich vorgenommen, im Journalismus durchzustarten. Sie wird stellvertretende Chefredakteurin bei einem Hamburger Magazin. Und bekommt es mit etlichen Machos zu tun, die sie ausbremsen wollen.

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erstellt am 06.Sep.2017 | 14:18 Uhr

Zarah Wolf weiß, was sie will. Und was nicht. Sie will sich nichts sagen lassen, schon gar nicht von Männern, die meinen, alles besser zu wissen.

Und sie will die Medienlandschaft aufmischen, als neue stellvertretende Chefredakteurin bei «Relevant», einem Magazin in Hamburg, in dem Zuschauer den «Stern» erkennen könnten. Den «Stern» von damals in den 70er Jahren, als Zeitschriften noch von Männern gemacht wurden, die nichts von Gender-Gerechtigkeit wussten und meist wenig von Frauen in Führungspositionen hielten. Das ZDF hat daraus gleich eine sechsteilige Serie gemacht, die «Zarah» heißt und am Freitag (7. September) um 21 Uhr startet.

Die Hauptrolle spielt Claudia Eisinger, kühl, manchmal verletzlich, selbstbewusst und unnachsichtig gegenüber Männern, die sich wie Machos fühlen oder so benehmen. Da gibt es gleich mehrere, auf die das passen könnte. Verleger Frederik Olsen (Uwe Preuss) ist so einer, der die junge Feministin einstellt, weil er sich Auflage von ihren Geschichten verspricht - und gegen den Willen des Chefredakteurs. Der heißt Hans-Peter Kerckow (Torben Liebrecht) und fühlt sich durch die junge Kollegin von Anfang an gestört.

Und das lässt er sie auch spüren. Die übrigen Kollegen sind meist herablassende, ignorante Männer im besten Alter, Typen, die auch mal einer Frau den Hintern tätscheln oder schlimmstenfalls betrunken in der Redaktion in den Papierkorb pinkeln. Und wenn es nicht so schlimm kommt, hocken sie zusammen und schwadronieren.

Regie führt Richard Huber. Das Drehbuch stammt von Eva und Volker Zahn - und die haben keine Angst, auch mal mit dem groben Pinsel zu zeichnen und das ein oder andere Klischee zu bedienen. Die Bekannten aus Zarah Wolfs Frauengruppe sind manchmal etwas überzeichnet, die Männerclique der Redakteure sowieso.

Und Zarah Wolf ist nicht nur cool, lässig und stark, sondern auch offen für eine Beziehung zu Verlegertochter Jenny (Svenja Jung), die bei «Relevant» ein Volontariat beginnt, weil ihr Vater nicht so recht an ein erfolgreiches Studium glauben mag. Und gleich noch ein Klischee: Der Grafiker Tom Balkow (Leon Ullrich) ist natürlich ein Künstler, der immer wieder die Beherrschung verliert und dann Tobsuchtanfälle bekommt.

«Titel & Titten» heißt die erste Folge, in der Zarah Wolf aus London nach Hamburg zurückkehrt und ihren neuen Posten übernimmt. Mit dem Chefredakteur gerät sie mehrfach aneinander - schon wegen des geplanten Titelbildes, auf dem unvermeidlich kaum bekleidete Frauen posieren. Das will Zarah erst mit Argumenten verhindern, dringt bei den Machos aber nicht durch. Und muss dann zu einem Trick greifen, der ihre Entlassung zur Folge hat. Nicht für lange natürlich. Denn Folge zwei kommt schon am 21. September. Darin geht es ums Thema Abtreibung und das Recht von Frauen, darüber selbst zu entscheiden. Ein etwas ernsteres Sujet.

«Zarah» ist aber kein TV-Drama und auch keine Doku, insgesamt geht es eher munter zu, bunt und unterhaltsam. Und im Zweifel darf es ruhig auch mal etwas übertrieben sein. Ist ja lange her - und wer nicht dabei war, kann sich vielleicht gar nicht vorstellen, wie das so war in Zeiten, als Männer noch dauernd rauchten, Bier tranken und Frauen aus dem Zimmer schicken wollten, wenn über Politik geredet werden sollte.

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