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#OscarsSoWhite : Wirbel um „Weiße Oscars“: George Clooney und andere Stars sehen rot

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Die Oscars sind zu weiß. Wieder sind alle Kandidaten in den Schauspielkategorien Weiße - Afroamerikaner haben in Hollywood das Nachsehen. Die Kritik wächst.

shz.de von
erstellt am 22.Jan.2016 | 15:30 Uhr

Los Angeles | „Black is beautiful“ war der Tenor der 74. Oscar-Verleihung: Als erste Afroamerikanerin überhaupt gewann damals Halle Berry („Monster's Ball“) den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Denzel Washington wurde als bester männlicher Schauspieler gefeiert, Alt-Star Sidney Poitier für sein Lebenswerk mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Doch das alles ist 14 Jahre her. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung sind zum zweiten Mal in Folge 20 weiße Schauspieler nominiert.

Der Oscar gilt als die wichtigste Auszeichnung in der Filmbranche. Wiederholt sind in diesem Jahr nur weiße Schauspieler nominiert. Die Debatte um die Verteilung der Nominierungen ist nicht neu - in diesem Jahr kocht sie aber besonders hoch.

Halle Berry, die sich damals unter Tränen bedankte, glaubte noch: „Die heutige Nacht hat eine Tür aufgestoßen.“ Doch davon ist nicht viel geblieben, die Filmakademie ist mehr denn je unter Beschuss. Unter #OscarsSoWhite wächst die Entrüstung in den sozialen Netzwerken. Stars wie George Clooney, Spike Lee, Lupita Nyong'o und Michael Moore melden sich zu Wort.

#OscarsSoWhite... Again. I Would Like To Thank President Cheryl Boone Isaacs And The Board Of Governors Of The Academy Of Motion Pictures Arts And Sciences For Awarding Me an Honorary Oscar This Past November. I Am Most Appreciative. However My Wife, Mrs. Tonya Lewis Lee And I Will Not Be Attending The Oscar Ceremony This Coming February. We Cannot Support It And Mean No Disrespect To My Friends, Host Chris Rock and Producer Reggie Hudlin, President Isaacs And The Academy. But, How Is It Possible For The 2nd Consecutive Year All 20 Contenders Under The Actor Category Are White? And Let's Not Even Get Into The Other Branches. 40 White Actors In 2 Years And No Flava At All. We Can't Act?! WTF!! It's No Coincidence I'm Writing This As We Celebrate The 30th Anniversary Of Dr. Martin Luther King Jr's Birthday. Dr. King Said "There Comes A Time When One Must Take A Position That Is Neither Safe, Nor Politic, Nor Popular But He Must Take It Because Conscience Tells Him It's Right". For Too Many Years When The Oscars Nominations Are Revealed, My Office Phone Rings Off The Hook With The Media Asking Me My Opinion About The Lack Of African-Americans And This Year Was No Different. For Once, (Maybe) I Would Like The Media To Ask All The White Nominees And Studio Heads How They Feel About Another All White Ballot. If Someone Has Addressed This And I Missed It Then I Stand Mistaken. As I See It, The Academy Awards Is Not Where The "Real" Battle Is. It's In The Executive Office Of The Hollywood Studios And TV And Cable Networks. This Is Where The Gate Keepers Decide What Gets Made And What Gets Jettisoned To "Turnaround" Or Scrap Heap. This Is What's Important. The Gate Keepers. Those With "The Green Light" Vote. As The Great Actor Leslie Odom Jr. Sings And Dances In The Game Changing Broadway Musical HAMILTON, "I WANNA BE IN THE ROOM WHERE IT HAPPENS". People, The Truth Is We Ain't In Those Rooms And Until Minorities Are, The Oscar Nominees Will Remain Lilly White. (Cont'd)

Ein von Spike Lee (@officialspikelee) gepostetes Foto am

Regisseur und Darsteller Lee (58, „Malcolm X“, „Do the Right Thing“ ) bekräftigte in einem Interview mit dem Sender ABC, dass er und seine Frau nicht zur Oscar-Show gehen würden. Dies sei aber kein Aufruf zu einem Boykott der Preisgala, erläuterte Lee. Im vorigen November hatte der Star von der Filmakademie einen Ehren-Oscar erhalten und bei der Gala geklagt: „Es ist einfacher, als Schwarzer Präsident der USA als Präsident eines Studios zu werden.“ 

Auch Jada Pinkett Smith (44) will aus Protest fernbleiben und die Show auch nicht im Fernsehen anschauen. „Um Anerkennung zu betteln oder auch nur darum zu bitten, mindert Würde und Macht“, sagte die Schauspielerin und Ehefrau von Will Smith (47) in einem Facebook-Video. Smith war für seine Rolle in dem Drama „Concussion“ als Oscar-Kandidat gehandelt und dann übergangen worden.

Der Ausschluss sei „einfach verrückt“, wetterte der Oscar-Preisträger Michael Moore (61, „Bowling for Columbine“). Er wolle die Show boykottieren, sich als „stolzes“ Academy-Mitglied aber weiter für eine Stärkung der Vielfalt und für einen Wandel in dem Verband einsetzen. Oscar-Preisträger George Clooney (54) klagte im Interview der Filmzeitschrift „Variety“ ebenfalls über die gegenwärtige Praxis. „Wir gehen in die falsche Richtung“, sagte Clooney. „Wir müssen das besser machen. Wir waren schon mal besser.“

Die Oscar-Preisträgerin Lupita Nyong'o (32, „12 Years a Slave“) tat ihren Frust auf Instagram kund. „Ich stimme meinen Kollegen zu, die zu einem Wandel aufrufen“, schrieb die Kenianerin. Der Oscar-Akademie gehören rund 7000 Mitglieder an - 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die „Los Angeles Times“. Die Vorsitzende Cheryl Boone Isaacs, eine Afroamerikanerin, setzt sich schon länger für eine größere Vielfalt ein. Natürlich sei sie über die rein weißen Nominierungen „untröstlich und frustriert“, sagte Isaacs. 

Schon im vergangenen Jahr konnten schwarze Schauspieler bei der Oscar-Gala nur Preise überreichen, aber keinen entgegennehmen. „Heute ehren wir Hollywoods Weißeste, äh, Entschuldigung, Hellste“, hatte Moderator Neil Patrick Harris gleich zu Beginn der Show sarkastisch bemerkt. Bei der 88. Oscar-Verleihung am 28. Februar könnte es noch bissiger werden, wenn der Komiker Chris Rock als Gastgeber auf der Bühne steht. Zuletzt lieferte er mit der derben Komödie „Top Five“ einen zynischen Blick hinter die Fassaden des Showbiz, eine Darstellung des Lebens als schwarzer Entertainer.

Könnte Rock am Ende aus Protest abspringen? Dazu gibt es schon Aufrufe, unter anderem von US-Rapper und Schauspieler 50 Cent (40, „Southpaw“). „Chris, bitte mach die Oscar-Preise nicht. Du bist wichtig, Mann, tue es nicht“, schrieb der Afroamerikaner auf Instagram. Andere sehen es als große Chance, dass Rock bei der Zeremonie richtig Druck macht.

Bei Twitter kommentieren auch deutsche Nutzer unter #OscarsSoWhite die aktuelle Debatte rund um die Awards.

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