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Britische Monarchie : Wie die Windsors zu ihrem Namen kamen

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Briten und Deutsche teilen mehr als ihre Begeisterung für den Fußball: Die Royals haben deutsche Wurzeln. Doch vor genau einem Jahrhundert war dieses Erbe zugleich Belastung und Peinlichkeit.

Prinz Williams Deutschland-Reise ist auch ein Besuch der Heimat seiner Vorfahren: Denn seit 1714 sitzen Monarchen mit deutschen Wurzeln auf dem englischen Thron.

Vor genau 100 Jahren, am 17. Juli 1917, gab das britische Königshaus den angestammten und deutsch klingenden Namen «Saxe-Coburg-Gotha» auf und wurde zu «Windsor». Wie es dazu kam:

Warum wollten die Briten damals von ihrem Namen nichts mehr wissen?

Während des Ersten Weltkriegs missfällt vor allem der deutschfeindlichen Presse der Name der Dynastie. Premierminister David Lloyd George soll König George V. als «meinen kleinen deutschen Freund» betitelt haben.

Der schimpft zwar: «Ich will verflucht sein, wenn ich ein Ausländer bin», ändert aber am 17. Juli 1917 den Namen von Dynastie und Familie in «Windsor» - nach dem gleichnamigen Schloss westlich von London. Auch der betroffene Adel muss auf seine deutschen Titel verzichten und die Namen anglisieren.

Wie kommt es überhaupt, dass ein weitgehend politisch unbedeutendes Adelsgeschlecht die britischen Monarchen stellt?

Das liegt an Queen Victoria, die zwischen 1837 und 1901 Herrscherin über das Weltreich war. Sie selbst war eine direkte Nachfahrin von Georg I., der 1714 als Kurfürst von Hannover in Personalunion auch den Königsthron in London bestieg und so die Regentschaft des Welfenhauses auf der Insel begründete.

Durch ihre Heirat mit Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha legte Victoria jedoch den Grundstein für dessen Geschlecht auf den Britischen Inseln - denn ihr Sohn Edward VII. gehörte gemäß Tradition dem Haus seines Vaters an.

Wie reagierten seinerzeit die Verwandten in Deutschland auf die Namensänderung in Windsor?

Für den deutschen Kaiser Wilhelm II. - wie George V. ein Enkel Victorias - ist das Ganze offensichtlich eine Farce. Er soll gespottet haben, er werde künftig das Shakespeare-Stück «Die lustigen Weiber von Windsor» im Deutschen Reich unter dem Titel «Die lustigen Weiber von Sachsen-Coburg-Gotha» aufführen lassen.

Also heißen die Royals heute alle Windsor?

Nicht ganz. Das Königshaus heißt zwar offiziell Windsor, doch findet auch die Herkunft von Königin Elizabeths Mann Philip Beachtung im Nachnamen ihrer eigenen Nachkommen.

Wenn also einmal zum Beispiel auf einem Formular der royale Titel nicht ausreicht und der Familienname gefragt ist, würde da Mountbatten-Windsor stehen - wie etwa bei der Heirat von Tochter Anne und Mark Philips im Register der Westminster Abbey. Mountbatten ist übrigens auch 1917 anglisiert worden - vom hessischen Geschlecht der Battenbergs.

Und wie sieht es mit den Vornamen aus? Kommt nach Queen Elizabeth II. dann König Charles III.?

Nicht unbedingt. Der Kronprinz kann seinen Königsnamen eines Tages frei wählen, wie es auch schon frühere Monarchen taten. Charles III. wäre wegen Charles II. (Regierungszeit 1660-1685) wohl etwas delikat - dieser hatte mindestens 14 Nachkommen von diversen Mätressen.

Die Regentschaft von Charles I. (1625-1649) wiederum fand ein jähes Ende: Er wurde wegen eines Streits mit dem Parlament und anschließenden Bürgerkriegen geköpft. Der Grund: Hochverrat. Sein Grab liegt übrigens auf Schloss Windsor.

Herrschen heute noch Könige aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha?

Ja, aber nur in Belgien. Leopold I. wurde 1831 der erste König der Belgier. Seit 2013 sitzt Philippe auf dem Thron. Auch die früheren Könige von Portugal und Bulgarien gehörten dem Haus an.

Und wo ist Elizabeth II. heute noch Staatsoberhaupt?

Nicht nur in Großbritannien und Nordirland, sondern auch in 15 weiteren selbstständigen Ländern rund um den Globus - von Kanada bis Neuseeland. Sie alle sind Monarchien. Die Krone wird dort von Generalgouverneuren vertreten. Die verbliebenen Kolonien gehören ebenfalls zu ihrem Hoheitsbereich, etwa Gibraltar und mehrere Karibikinseln.

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erstellt am 18.Jul.2017 | 14:05 Uhr

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