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Überdrehtes Musiktheater : Webers «Oberon» als Puppenspiel in München

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Oberon und Titania kennt man von Shakespeares «Sommernachtstraum». Auch Carl Maria von Weber hat die Geschichte aufgegriffen in seiner Feenoper «Oberon, König der Elfen» - nun in einer Neuinszenierung zu sehen. Interessant daran: Lebensgroße Handpuppen auf der Bühne.

Liebende werden zu Versuchstieren und die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen: In einer Neuinszenierung der romantischen Feenoper «Oberon, König der Elfen» werden die Menschen zum Spielball eines zynischen Paares.

Mit dabei: lebensgroße Handpuppen, die neben den Sängern ebenfalls Rollen übernehmen. Regisseur Nikolaus Habjan setzt seine Puppen wohldosiert ein und bereichert das Stück um eine märchenhafte, unwirkliche Ebene. Am Freitagabend war Premiere bei den Münchner Opernfestspielen.

Oberon und Titania haben sich zerstritten. Um Abbitte zu leisten, soll der König seiner Gattin zwei Menschen zeigen, die sich wahrhaft lieben und deren Gefühle auch schweren Prüfungen standhalten. Oberon wählt dafür den Kreuzritter Hüon und die Kalifentochter Rezia aus Bagdad.

Mit seiner Zauberkraft sorgt der Elfenkönig dafür, dass Hüon und sein Knappe Scherasmin sich in Bagdad wiederfinden, wo Rezia gezwungen werden soll, einen Prinzen zu heiraten. Die Schöne hofft auf Rettung und Hüon will sie entführen, unterstützt von den Elfen. Wenn Oberon den Menschen erscheint, wird er vom gegängelten Ehemann zum mächtigen König - in Gestalt einer vier Meter großen Stabpuppe. Eine wunderbare Idee, wie überhaupt die Puppenszenen zu den besten der ganzen Oper zählen. Die Stadt Bagdad ist von diesen skurrilen Puppen-Wesen bevölkert - Palastwachen, eine schwatzhafte Alte oder Harun al Raschid, Kalif von Bagdad.

Nikolaus Habjan interpretiert den «Oberon» als mitunter etwas überdrehtes Musiktheater zwischen nüchterner Laboratmosphäre und den zauberhaften Verheißungen aus 1001 Nacht. Ein märchenhafter, bunter Reigen, der wegen der mitunter langatmigen Erzählung zwischendrin etwas an Schwung einbüßt. Auch die Hauptpartien können nicht durchgängig überzeugen. Rezia-Sängerin Annette Dasch und Brenden Gunnell in der Rolle des Hüon wirken manchmal etwas unkonzentriert und blass. Klar, kraftvoll und mitreißend dagegen Rachael Wilson als Rezias Dienerin Fatime und Johannes Kammler als Scherasmin, ebenso wie Anna El-Khashem in einem kurzen Auftritt als Meermädchen. Verdienten Beifall gab es für das Orchester unter Leitung von Ivor Bolton.

Stars des Abends sind eindeutig Habjans Handpuppen. Die drei Darsteller, die die Puppen mit ihren ausdrucksstarken Köpfen und den flatternden Stoffkörpern führen, sind großartig. Sie kichern, stöhnen, poltern und schnarren, dass es eine wahre Freude ist. Sie übertreiben hemmungslos und aufs Schönste, ohne ein einziges Mal albern zu wirken. Ihr Auftritt hat etwas Traumhaftes, Unwirkliches.

Im Kontrast dazu das Labor, wo Oberon und die Elfen in weißen Kitteln die Gefühle von Rezia und Hüon erforschen, wenn auch etwas klischeehaft mit Rorschachtest, Stethoskop und Elektroden an den Köpfen. Habjan orientierte sich an den Versuchen des US-Psychologen Harry Harlow in den 1950er Jahren, der bei Primatenaffen die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind untersuchen wollte. Auch Oberon und Titania treiben fasziniert ihre psychologischen Spielchen mit Hüon, Rezia, Fatime und Scherasmin. Ein gefährliches Unterfangen. In Liebesdingen, so die Erkenntnis am Ende, verlassen sich die Menschen dann doch besser auf sich selbst.

Oberon, König der Elfen

Nikolaus Habjan

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erstellt am 23.Jul.2017 | 12:18 Uhr

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