Ende in Sicht : Von Thelen bis Koch: Prominente und die Zeitumstellung

Für Frank Thelen hat die Zeitumstellung keinen Mehrwert.
Für Frank Thelen hat die Zeitumstellung keinen Mehrwert.

Noch stellen alle EU-Bürger die Zeit im März eine Stunde vor und im Oktober eine Stunde zurück. Damit könnte schon bald Schluss sein. Prominente unterstützen den Vorstoß der EU-Kommission.

shz.de von
13. September 2018, 09:44 Uhr

Die EU-Kommission bekommt prominente Rückendeckung aus Deutschland für ihren Vorschlag, schon nächstes Jahr zum letzten Mal die Zeit umzustellen.

«Eine Super-Entscheidung! Lasst uns wirklich das Leben vereinfachen!», sagte Unternehmer Frank Thelen («Die Höhle der Löwen») am Mittwochabend beim «Bild100»-Fest in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. «Diese Zeitumstellung hat einfach keinen großen Mehrwert mehr gehabt, aber sie hat uns alle verrückt gemacht.»

Auch der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen begrüßte den Vorstoß: «Das ist der richtige Schritt.» Ex-Skirennläuferin Maria Höfl-Riesch war «teilweise auch verwirrt», in welche Richtung an den Zeigern der Uhr gedreht werden musste: «Das ist eine Vereinfachung, die in jedem Fall ihre Berechtigung hat.» Die Zeitumstellung im Herbst sei oft am Weltcup-Wochenende in Sölden gewesen: «Einige Leute hatten wirklich Probleme damit, herauszufinden, wann sie aufstehen mussten, um nichts zu verpassen.»

Auch Promi-Köchin Sarah Wiener ist «ganz glücklich, wenn das abgeschafft wird, weil ich so verschlumpert bin» und «auch öfters eine Stunde zu früh irgendwo war oder eine Stunde zu spät». Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir gab zu, «regelmäßig die Zeitumstellung verschlafen» zu haben.

Ihm sei es einmal passiert, dass morgens beim Rasieren eine Zeitung angerufen habe, mit der er verabredet war. «Das war - glaube ich - eines meiner peinlichsten Interviews, weil ich unrasiert, halb im Pyjama, über eine Skypeleitung mit denen telefoniert habe.» Ein Foto davon hänge bei ihm im Büro «als Reminder, dass es die komische Zeitumstellung gibt».

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hält das Thema indes nicht für das brennendste Problem: «Es ist offensichtlich bei vielen Menschen ein Thema, aber ehrlich gesagt, mich bewegt das nicht so sehr.» Und TV-Moderator Frank Plasberg hofft, dass in Sachen Zeit nun kein neuer Flickenteppich droht: «Das wäre ganz großer Mist, wenn man die Zeit dann umstellen müsste, wenn man von Deutschland nach Holland fährt. Das will ich nicht hoffen.» Er setzt auf die «kollektive Vernunft der Europäer».

Schauspieler Sebastian Koch macht sich für eine dauerhafte Sommerzeit stark, «vor allem, weil der Tag länger ist». Er fügte hinzu: «Ich mag es gerne, in den Abend hinzuleben, und das ist natürlich schön, wenn es länger hell ist.» Auch Sarah Wiener ist dafür, «dass es später dunkel wird».

Ob nun permanent Sommer- oder Winterzeit herrschen sollte, ließ Eckart von Hirschhausen offen: «Es gibt Leute, die einen früheren oder einen späteren Rhythmus haben - es ist sowieso immer ein Kompromiss.» Die wichtigste Botschaft sieht er in dem Hinweis darauf, dass Zeit endlich sei: «Leute, macht euch einmal mit dem Gedanken vertraut, dass Zeit das kostbarste ist, was wir haben.»

EU-Bürger sollen nach dem Willen der EU-Kommission schon im kommenden Jahr letztmals die Zeit umstellen müssen. «Die Zeitumstellung gehört abgeschafft», sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker am Mittwoch in Straßburg. Seine Behörde legte einen Gesetzesvorschlag vor, nach dem im März 2019 zum letzten Mal verpflichtend alle EU-Staaten an der Uhr drehen müssten. Voraussetzung ist, dass das Europaparlament und die EU-Staaten dem Vorschlag der Kommission bis spätestens März 2019 zustimmen. Die Länder könnten dann selbst entscheiden, ob sie dauerhaft Sommer- oder Winterzeit haben.

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