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„Ich weiß, dass ich nichts weiß“ : Vicky Leandros und ihr neues Album über Liebe

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Seit 50 Jahren ist Vicky Leandros schon im Musikgeschäft. Los ging's als 13-Jährige mit „Messer, Gabel, Schere, Licht“. Jetzt gibt es zum Jubiläum ein Dutzend neue Songs. Meist geht es, na klar, um Liebe.

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2015 | 12:05 Uhr

Hamburg | Nein, zwischen „Theo“ und ihr war es keine Liebe auf den ersten Blick. Vicky Leandros entfleucht noch immer ein leises „Oje!“, wenn sie sich an die erste Begegnung mit ihrem späteren Hit „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ erinnert. Als ihr der Song vorgelegt wurde, habe sie gedacht: „Wie umgehst du dieses Lied?“ Das war 1974.

Heute blickt die 63-Jährige auf ein halbes Jahrhundert im Musikgeschäft zurück. Zum Jubiläum erscheint am Freitag (9. Oktober) ihre neue Platte. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, heißt sie, frei nach Sokrates. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich bisher überhaupt weiser geworden bin“, sagt sie. „Ich ertappe mich immer dabei, dass ich oft die gleichen Fehler mache, und dann eben manchmal nicht mein Kopf, sondern mein Bauch entscheidet.“ Eigentlich sei ihr bewusst, was gut für sie sei. Dann stößt sie ihr elegantes Leandros-Lachen aus und sagt: „Doch ich halte mich nicht dran.“ Eine Bauchentscheidung war es auch 1965. Damals wollte sie unbedingt eine Platte aufnehmen. Ihr Vater, der über die Jahre auch für Demis Roussos, Julio Iglesias oder Nana Mouskouri produziert hat, schneiderte ihr das Debüt „Messer, Gabel, Schere, Licht“ auf den Leib. Es folgten schnell Auftritte im Fernsehen, bald auch beim Grand Prix Eurovision: Zuerst 1967 mit „L'amour est bleu“, dann 1972, als sie mit „Après toi“ gewann.

Vicky Leandros' Erfolge waren auch immer zugleich die Erfolge ihres Vaters. Die meisten ihrer Hits hat er geschrieben: neben „Après toi“ und „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ auch „Ich liebe das Leben“ und „Ich bin wie ich bin“. Die Hamburgerin gibt zu, dass er oft den besseren Riecher für einen Kassenschlager hatte.

Bei den meisten ihrer neuen Songs hat Leandros selbst mit Hand angelegt. Zwei Lieder steuert Ex-Rosenstolz-Mitglied Peter Plate bei, der auch schon für Helene Fischers „Farbenspiel“ und Sarah Connors „Muttersprache“ komponierte. Von ihm ist die erste Single „Das Leben und ich“, ein klassisch-zeitloser Schlager, der ganz auf Leandros' unverwechselbaren Gesang setzt. Tonangebendes Album-Thema: die Liebe. „Ich empfinde nichts als ein großes Experiment auf dieser CD“, gibt die auf Korfu geborene Sängerin zu, die im Alter von fünf Jahren nach Deutschland kam. Doch es lässt sich auf der Platte durchaus moderner Pop finden - etwa im zweiten Plate-Song, der Ballade „Der Sommer unseres Lebens“. Und auch die nackte Piano-Version des Jupiter-Jones-Hits „Still“ nimmt Leandros ganz für sich ein.

Irgendwie glaubt man ihr nach all den Jahren, wenn sie singt: „Wenn ich auch Tausend Lieder vom Vermissen schreib, heißt das noch nicht, dass ich versteh, warum dieses Gefühl für immer bleibt.“ Privat lässt sich die Sängerin in Beziehungsfragen allerdings nicht allzu sehr in die Karten schauen. Nach der Trennung von ihrem zweiten Ehemann vor zehn Jahren dringt kaum etwas an die Öffentlichkeit.

Selbst der „Bild“, der sie eigentlich schon oft Einblicke gewährte, sagte sie kürzlich im einem Interview nur, der Liebe gehe es gut. „Aber mehr will ich nicht darüber reden.“ Daneben führte auch Leandros' Alter in der Vergangenheit zu einigen Diskussionen. Einige Medien hatten aufgrund von Quellen aus den 60er und 70er Jahren gemutmaßt, die Sängerin würde sich jünger machen. Sie ließ aber über ihren Anwalt klarstellen, sie sei wie angegeben 1952 geboren. Und ihre Plattenfirma sagt dazu: Sie habe sich am Anfang ihrer Karriere älter gemacht als sie damals war.

Wie dem auch sei: Ihre 50 Musikjahre stehen fest. Und die sind mit unzähligen Gold- und Platinplatten eindrücklich. Nach eigenen Angaben hat Leandros weltweit mehr als 55 Millionen Alben verkauft.

Sie sagt, Chansons und Balladen singe sie am liebsten. Deswegen habe ihr der humorvolle „Theo“ anfangs auch nicht gelegen. Aber dann hat sich doch einmal ihr Kopf gegen den Bauch durchgesetzt. „Das war ein Werden mit diesem Lied, ein Kampf.“ Die Single wurde einer ihrer größten Erfolge. Und auch 41 Jahre später kann sie auf die Frage, ob sie schon einmal in Lodz war, nur kleinlaut-schelmisch antworten: „Noch nicht.“ Soll aber noch kommen. „Da nehme ich meine ganze Truppe mit und dann wird dort gefeiert.“

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