TV-Tipp : Uralt und Blut-jung

Was es genetisch, biologisch, medizinisch und ethisch bedeutet zu altern, davon handelt die Dokumentation mit dem Titel «Uralt und Blut-jung».
Was es genetisch, biologisch, medizinisch und ethisch bedeutet zu altern, davon handelt die Dokumentation mit dem Titel «Uralt und Blut-jung».

Die Menschen werden immer älter. Der Alterungsprozess selbst ist jedoch nicht zu stoppen, höchstens etwas aufzuhalten, wie 3sat berichtet.

shz.de von
07. Juni 2018, 00:01 Uhr

Wir werden alle jeden Tag älter - Was das genetisch, biologisch, medizinisch und ethisch bedeutet, davon handelt die Dokumentation mit dem Titel «Uralt und Blut-jung», die an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) auf 3sat zu sehen ist.

Im Anschluss (21.00 Uhr) folgt die philosophische Diskussion «Abschaffung des Todes» mit Gert Scobel - beides im Rahmen der Themenwoche «Projekt Unsterblichkeit».

Dieter Hesch (79) lebt im ägyptischen Hurghada und ist emeritierter Professor für Biologie und Endokrinologie. Er sieht seinen Körper als wissenschaftliches Experiment, hat alles (Blutdruck, Cholesterin, Testosteron) medikamentös optimal eingestellt und stemmt sich vehement gegen das Alter. Das ist gut zu sehen, wenn er am Strand sein streng strukturiertes Krafttraining absolviert. Er hofft, dass der Zeitpunkt, an dem gar nichts mehr geht, noch möglichst lange auf sich warten lässt und empfindet ihn schon jetzt als «eine narzisstische Kränkung». Über irgendwelche Zipperlein redet er nicht, jedwede Behinderung ist ihm «etwas ganz Schlimmes». 20 Jahre jünger möchte er allerdings auch nicht sein.

Nir Barzilai (62) ist Gründungsdirektor des «Institute for Aging Research» am Albert Einstein College of Medicine of Yeshiva University (Einstein) in New York und meint, dass man das Altern als Krankheit begreifen müsse, deren Symptome die typischen Altersleiden sind, und dass die Medizin lediglich an Symptomen herumdoktere, wenn es bereits zu spät sei. Er sagt: «Wir können den Ausbruch der Alterskrankheiten in ihrer Gesamtheit nach hinten verschieben, wenn wir das Altern selbst ins Visier nehmen».

Er preist ein bestimmtes und günstiges Medikament (Herr Hesch probiert es) an, das nahezu jedes Leben um bis zu zwei Jahre verbessern könne, was bislang aber nur an Tieren ausprobiert worden sei. Er nennt keine Inhaltsstoffe, verspricht aber immerhin, dass sich die gesamte Pharmaindustrie im kommenden Jahrzehnt auf das Thema Altwerden einstellen werde.

Der Filmautor Ingolf Baur ist Naturwissenschaftler und TV-Moderator («nano», 3sat) - und selbst auch schon 54. Graue Haare und Falten stören ihn wohl weniger, der Verlust von Beweglichkeit und Fitness schon eher. Er befragt eine österreichische Kunsthistorikerin (58), wie sie mit dem Altern umgeht (offensichtlich sehr souverän), und die auf die Schwierigkeiten des Alterns in unserer Gesellschaft verweist. Baur besucht einen Stammzellenforscher (50), der alten Mäusen junges Blut injiziert, und einen Chemiker (69), der sehr auf den Blutdruck achtet und auf die Senkung des Blutzuckers mit entsprechender Ernährung schwört. Zu nahezu jedem Interviewpartner zeigt Baur ein paar von deren Jugendfotos.

Der Abbau der Muskeln ist nicht zu verhindern, das Entstehen von Krankheiten kann hinausgeschoben werden, jedoch schwächeln die Stammzellen immer mehr, je älter man wird. Deshalb lassen sich einige Menschen welche entnehmen, für spätere Notfälle konservieren und sind bereit, dafür eine Menge Geld zu bezahlen. Mark Katakowski (42) ist Gründer des kalifornischen Laboratoriums «Forever Labs» und sagt im Film: «Wir haben das Altern geknackt. Wir verstehen zwar noch nicht ganz genau, was beim Altern passiert, aber das heißt nicht, dass wir die Unterschiede im biologischen Alter nicht ausnützen könnten». Das klingt verheißungsvoll, aber es bleibt die Frage, ob alles gemacht werden darf, nur weil es eben möglich ist.

Welche ungeahnte Folgen für das soziale Leben ein immer höheres Alter haben könnte, lässt Baur offen. Es wäre vermutlich besser, Schlagwörter wie «Anti-Aging» oder «Ewige Jugend» zu vergessen und einfach lustvoll zu leben, anstatt das Leben zu verpassen. Altsein kann durchaus mit Lebensfreude, Körperlichkeit und Glück zusammenpassen und eben auch seine schönen Seiten haben. Das zeigt ganz deutlich Irene Obera (84) - die Weltrekordhalterin im 100-Meter-Sprint in ihrer Altersklasse nimmt selbstverständlich gar keine Pillen. Sie liebt Herausforderungen, lehnt negatives Denken rundweg ab und sagt: «Lebe das Leben, das du liebst, und liebe das Leben, das du führst».

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