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Asyl-Debatte und Medienstreit : Unerhörte Worte: Til Schweigers Zorn auf den Hass und das „Gebashe“ darum

vom
Aus der Onlineredaktion

Til Schweiger schimpft über Spiegel, CSU und Rassisten. Nun wird über ihn geschimpft und er schimpft wieder zurück. Zurecht!

shz.de von
erstellt am 19.Aug.2015 | 13:32 Uhr

Hamburg | Die Nachfrage nach klaren Worten ist groß. Doch wenn sie dann wie erwartet kommen, schnappt die Falle zu: Seit seinem Spendenaufruf für Flüchtlinge steht Til Schweiger im politischen Rampenlicht, weil er ausländerfeindlichen Pöblern und Hetz-Kommentaren im Internet mit derben Worten und vielen Ausrufungszeichen die Stirn bietet.

Oh Mann- ich habs befuerchtet!! Ihr seid zum Kotzen! Wirklich! Verpisst Euch von meiner Seite, empathieloses Pack! Mir wird schlecht!!!󾮖🏻󾮖🏻󾮖🏻󾌽󾌽󾌽

Posted by Til Schweiger on  Samstag, 18. Juli 2015

Neues Opfer der schweigerschen Emotionalität in der Flüchtlingsfrage ist CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Dieser wühlte das manchmal hitzige Gemüt des Leinwandstars beim ARD-Flüchtlingstalk „Maischberger“ auf, als er Schweigers Vorschlag, den Solidaritätszuschlag zur Finanzierung von Flüchtlingsunterkünften zu nutzen, als „albern“ abtat. „Sie gehen mir auf den Sack, echt!“, platzte Schweiger darauf heraus. Solche Barschheit ist doch irgendwie ungewohnt im sachlichkeitsgefärbten, seichten Meinungstalk. Jedenfalls machten die Gazetten daraus den wohl meistzitierten Satz des Tages.

Beim Thema Hass war Schweiger dann endgültig in seinem Element und raunzte in sein Mikrofon: „Wo ist das Mitglied in unserer Regierung, das sich hinstellt und sagt: Nein, dafür werdet ihr bestraft!“ Das ist Teil der programmierten Dramaturgie, die Zuschauer und Sender erwarten und die bei Twitter „trendet“. Er werde den „Generalsekretär nun im Auge behalten“, setzte Schweiger oben drauf. Auf Scheuers Nachfrage, wann die von Schweiger geplante Vorzeigeeinrichtung für Flüchtlinge öffnen solle, reagierte der Schauspieler weiterhin gereizt: „Ich find’ das so geil, Ihren süffisanten Blick, weil Sie mich jetzt vorführen wollen“. Ein Profi hätte die Frage wohl zurück gestellt – und keine klare Antwort bekommen.

Dass der für deftige Sprüche geladene sich gegen Ende der Live-Schaltung für seine Lautstärke entschuldigte, ist heute nebensächlich. Der Mechanismus setzte sich in Gang: „Kommissar Assi“ und seine Ausraster. Letztere sind selbstverständlicher als sein Anliegen. Aussage: Wer kein Intellektueller ist, darf sich nicht einbringen.

„Sie gehen mir auf den Sack, echt!“ ist ein Satz, für den wohl jeder Bürger spontan einen passenden Adressaten fände. Weil Schweiger es sagte, fand er im Nu seinen Weg in die großen Internetportale. Widersacher wollen in ihm sogar einen berauschten Trunkenbold gesehen haben.

Die geplant herablassende Schelte gegen seinen aus vielen Gesichtspunkten nachvollziehbaren Zorn wird der beliebteste/gehassteste Choleriker des Sommerlochs nicht auf sich sitzen lassen.

Vor allem mit „Spiegel Online“ geht Schweiger gerne hart ins Gericht – und umgekehrt. Es ist eine Hassliebe, die sich erstmals Anfang des Jahres öffentlich austrug. Der Schauspieler hatte dem Portal in einem Facebook-Eintrag vorgeworfen, zur „Tatort“-Revue unqualifizierte Twitter-Kommentare einzubinden und schrieb über „Spackos“ und „irgendwelche Internetnerds, die nix anderes zu tun haben, als zu lästern und zu haten“.

Als sich Sigmar „Siggi Pop“ Gabriel und Til Schweiger jüngst zu einem Gespräch über Flüchtlingspolitik trafen, titelte „Spiegel Online“ mit Gabriel: „Ist das der neue Tatort-Bösewicht?“. Ein Politiker mit Affinität zum Showgeschäft trifft einen Filmstar, der sich politisch zu Wort meldet. Genügend Substanz, um das unprofessionelle Engagement des letzteren ins Lächerliche zu ziehen.

Hintergrund für das „Til-Schweiger-Bingo“  ist folgendes Facebook-Posting von Til Schweiger.

Ihr seid so arm....!!!! Anstatt uns bei einer extrem wichtigen Sache zu unterstützen, giesst ihr eure Häme aus...! Schä...

Posted by Til Schweiger on  Sonntag, 9. August 2015

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