Annegret R. : Umstrittene Schwangerschaft in Berlin: 65-Jährige bringt Vierlinge zur Welt

Ganz Deutschland hat über diese Schwangerschaft diskutiert – jetzt hat eine 65-jährige Berlinerin drei Jungen und ein Mädchen auf die Welt gebracht. Die Frühchen haben Überlebenschancen.

shz.de von
23. Mai 2015, 11:33 Uhr

Berlin | Die ultraspäte, umstrittene Vierlingsschwangerschaft der 65-Jährigen Annegret R. aus Berlin ist laut RTL glücklich zu Ende gegangen. Ein Mädchen und drei Jungen kamen bereits am Dienstag per Kaiserschnitt auf die Welt, nachdem die Wehen eingesetzt hatten, wie Sendersprecherin Heike Speda sagte. Der Kölner Privatsender RTL hat die Englisch- und Russischlehrerin exklusiv unter Vertrag.

„Der Mutter geht es den Umständen entsprechend gut“, sagte Speda. Natürlich sei sie nach der Operation erschöpft. Aber es bestehe nach Einschätzung der Ärzte für sie kein Risiko.

Annegret R. hatte sich in der Ukraine aus Eizell- und Samenspenden im Labor gezeugte Embryonen einpflanzen lassen. Sie ist jetzt 17-fache Mutter und siebenfache Großmutter. Das Bekanntwerden der Schwangerschaft von Annegret R. sorgte im April bundesweit für Aufsehen und auch Kritik. Viele Zuschauer und Leser warfen der 65-Jährigen Verantwortungslosigkeit vor.


Mediziner kritisierten die Entscheidung als sehr riskant und gefährlich für Mutter und Kinder. Sie wehrte sich dagegen: „Ich rede anderen Leuten nicht in ihr Leben rein, und ich erwarte, dass meins genauso akzeptiert wird.“ Sie begründete ihre Schwangerschaft damit, dass ihre Tochter Lelia (10) sich ein Geschwisterchen gewünscht habe.

Laut RTL sind die Vierlinge nicht voll entwickelt, sollen aber nach Angaben der Ärzte gute Überlebenschancen haben. Die Babys liegen demnach im Brutkasten. Sie sind zwischen 655 und 960 Gramm schwer und zwischen 30 und 35 Zentimeter groß. Es handle sich um ein Mädchen namens Neeta (655 Gramm/30 Zentimeter) sowie die Jungen Dries (960 Gramm/35 Zentimeter), Bence 680 Gramm/32 Zentimeter) und Fjonn (745 Gramm/32,5 Zentimeter).

In Deutschland gab es von 2000 bis 2012 laut offiziellen Zahlen 18 Vierlingsgeburten nach künstlicher Befruchtung. Bei nur einer davon war die Mutter über 40 Jahre alt, wie aus dem sogenannten IVF-Register hervorgeht. Darin werden Daten unter anderem zur In-vitro-Fertilisation (IVF) gesammelt. Bei Schwangerschaften ohne eine künstliche Befruchtung liegt die Wahrscheinlichkeit für Vierlinge bei 1 zu 600.000. Mehrlings-Schwangerschaften sind immer Risiko-Schwangerschaften: Die werdenden Mütter haben eher mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, die Kinder werden häufiger zu früh geboren. In der Folge drohen Hirnblutungen, Infektionen und Lungenschäden. Vor allem die ersten Wochen nach der Geburt sind riskant.
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