TV-Tipp : Tschick

Der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg (Tristan Göbel, r) und Tschick (Anand Batbileg). /STUDIOCANAL/rbb/ARD
Der 14-jährige Außenseiter Maik Klingenberg (Tristan Göbel, r) und Tschick (Anand Batbileg). /STUDIOCANAL/rbb/ARD

Zwei ungleiche 14-jährige Schüler eint der Drang nach Freiheit. Fatih Akins Verfilmung von Wolfgang Herrndorfs Bestseller entwickelt ihren ganz eigenen Ton zwischen Überschwang und Weltschmerz.

shz.de von
24. Juli 2018, 00:01 Uhr

Der große Traum von der großen Freiheit: Für zwei 14-Jährige, die mit dem Lada in die Walachei wollen, ist er in Fatih Akins Film «Tschick» zum Greifen nah. Vor knapp zwei Jahren kam der Roadmovie nach dem Buch des 2013 gestorbenen Autors Wolfgang Herrndorf in Kinos.

Mehr als 800 000 Zuschauer strömten in die Lichtspielhäuser. Jetzt ist der Film, der mit dem Bayerischen und dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, erstmals im Free-TV zu sehen: Das Erste zeigt ihn an diesem Dienstag um 22.45 Uhr.

In keiner Sequenz driftet dieses kurzweilige Roadmovie in seichte deutsche Comedy-Gefilde ab. Stattdessen ist es überzeugend gelungen, den Geist des preisgekrönten Romans in das Medium Film zu übertragen, ohne sich sklavisch an die Vorlage zu klammern. Akin erzählt die Geschichte konsequent aus der Perspektive des 14-jährigen Maik Klingenberg (Tristan Göbel), dessen alkoholkranke Mutter (Anja Schneider) sich mal wieder in die Entzugsklinik verabschiedet hat, während Maiks Vater (Uwe Bohm) mit Freundin in Urlaub fährt.

Die großen Ferien beginnen, und da kommt dann der seltsame neue Klassenkamerad Tschick (Anand Batbileg) ganz recht. Der Russlanddeutsche steht eines Tages mit einem reichlich schrottreifen blauen Lada vor der Tür, und bald befinden sich die Jungs aus Berlin auf großer Fahrt durch den endlosen Sommer. Ab jetzt tauchen Erwachsene nur noch als Randfiguren auf. Trottelige Dorfpolizisten, schrullige Öko-Muttis oder nervige Lehrer. Eigentlich sind Maik und Tschick mutterseelenallein auf einer Welt, die nachts beim entzückten Sternegucken bis ins Weltall reicht. Zwischendurch lernen sie noch die verlauste Rumtreiberin Isa (Mercedes Müller) kennen, und der tief beeindruckte Maik bekommt eine erste Ahnung davon, was es mit der Liebe und dem Sex auf sich haben könnte. Tschick reagiert etwas cooler auf Isa: «Die hatte schöne Augen, aber leider Asi.» Solche Sprüche tauchen aber immer nur sehr dosiert auf.

Fatih Akins Gute-Laune-Roadmovie feiert ganz unaufdringlich den Nonkonformismus. «Es ging ums Anderssein. Und das ist der Punkt, der mich auch an dem Roman interessiert hat. Die Moral des Films ist, dass es okay ist, anders zu sein», wurde Regisseur im Presseheft 2016 zitiert. Das schwankende Lebensgefühl der beiden Ausreißer wird feinfühlig und ohne Anbiederung entfaltet. Dabei erweisen sich die Hauptdarsteller als Volltreffer: Tristan Göbel spielt den schüchternen Maik mit langer Grunge-Frisur zurückgenommen, während Anand Batbileg als Tschick den Schalk im Nacken hat. Alle Autoritätspersonen dieser Welt scheinen ihm schnuppe zu sein - ein Huckleberry Finn aus Berlin-Marzahn.

Für den Vater-Darsteller Uwe Bohm (56) schloss sich mit «Tschick» ein kleiner Kreis. 1976 spielte er unter der Regie seines Vaters, Hark Bohm, die Hauptrolle im Jugenddrama «Nordsee ist Mordsee», in dem Uwe (so lautete auch sein Rollenname) mit seinem Freund Dschingis in einer geklauten Jolle auf der Elbe von Hamburg Richtung Nordsee will - weit kommen sie nicht. So geht es im Grunde auch Tschick und Maik.

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