Auszeichnung : Thomas Gottschalk erhält Fernsehpreis für Lebenswerk

Thomas Gottschalk war alternativlos zu Beginn seiner Karriere.
Foto:
Thomas Gottschalk war alternativlos zu Beginn seiner Karriere.

Thomas Gottschalk ist fleischgewordenes deutsches Fernsehen: Er hat schon für alle großen Sender gearbeitet. Nun bekommt der Moderator den Fernsehpreis für sein Lebenswerk. Gottschalk und Fernsehpreis? Da klingelt doch was! Zur Erinnerung: «Ich nehme diesen Preis nicht an!»

shz.de von
25. Januar 2018, 18:17 Uhr

Thomas Gottschalk (67) hat die Seiten gewechselt. 2008 moderierte er die Gala zum Deutschen Fernsehpreis und musste beobachten, wie Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) die Auszeichnung für sein Lebenswerk wortreich ablehnte.

An diesem Freitag (26. Januar) bekommt Gottschalk nun selbst ausgerechnet diese Ehrung. Vier Fragen und Antworten zu ehrlichen Momenten im Fernsehen, die gute alte Zeit und die Frage, ob aus ihm heute ein YouTuber würde.

Frage: Herr Gottschalk, was fällt Ihnen zu dem Satz «Ich nehme diesen Preis nicht an!» ein?

Antwort: Das war einer der seltenen Momente, wo jemand live im Fernsehen, ohne Rücksicht auf Verluste, wirklich ehrlich war. Marcel Reich-Ranicki hatte in einer mehrstündigen Veranstaltung bemerkt, dass man ihn in den falschen Film gesetzt hatte und er hat seiner Entrüstung darüber eloquent Luft gemacht. Dafür bewundere ich ihn noch heute.

Frage: Nun die entscheidende Frage: Werden Sie den Preis annehmen?

Antwort: Ich sitze ja im richtigen Film und hatte das Glück, darin eine Hauptrolle zu spielen. Ich freue mich über die Auszeichnung und nehme sie dankbar und in Demut an. Wie alle Hoch und Tiefs, die ich in meiner Karriere erlebt habe.

Frage: Wie würden Sie allgemein den Zustand des deutschen Fernsehens gerade beurteilen?

Antwort: Das sollen andere machen, bevor ich hier in die «Früher war alles besser»-Falle trete.

Frage: Die Medienwelt hat sich ganz schön verändert. Früher musste man als Unterhalter zum Fernsehen, um den ganz großen Durchbruch zu schaffen. Heute geht das vermeintlich leichter: auf YouTube, Instagram oder Snapchat. Wäre aus Ihnen auch ein YouTuber geworden, würden Sie heute noch mal ihre Karriere beginnen?

Antwort: Leichter ist gar nichts. Als ich angefangen habe, im Fernsehen mein blondes Haupt zu schütteln, war ich alternativlos. Heute schüttelt an jeder Ecke irgendjemand irgendwas und findet seine Follower. Der eine mehr, der andere weniger. Aber die warten alle nicht mehr darauf, dass es Samstagabend wird und 20.15 Uhr.

ZUR PERSON: Thomas Gottschalk (67) blickt auf mehrere Jahrzehnte im deutschen Fernsehen zurück. Zuvor hatte er in München ab Anfang der 70er Jahre Germanistik und Geschichte auf Lehramt studiert. Seine größten Erfolge verbuchte der ehemalige Messdiener aus Kulmbach mit «Wetten, dass..?» im ZDF, das zwischen 1987 und 2011 zu seiner Visitenkarte wurde. 15 Millionen Zuschauer waren keine Seltenheit, auch weil Gottschalks Spontanität legendär ist. So gelang es ihm auch 2008, bei der Gala des Deutschen Fernsehpreises Marcel Reich-Ranicki zu besänftigen. Der Literaturkritiker bot ihm als Dank für die gelungene Moderation das «Du» hinter der Bühne an.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert