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Bissig und pointiert : «The Party»: Unterhaltsame Satire mit Bruno Ganz

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Eigentlich soll es ein netter Abend mit Freunden werden. Doch dann brechen alte Konflikte auf und neue Geheimnisse werden gelüftet - die Situation eskaliert immer mehr. Stark besetzt mit Kristin Scott Thomas, Patricia Clarkson, Timothy Spall und Bruno Ganz.

shz.de von
erstellt am 22.Jul.2017 | 14:26 Uhr

Das liberale Bürgertum sieht sich selbst gern als moralische und besonnene Instanz. Dass man aber nicht immer über alles vernünftig reden kann - oder will -, davon erzählt nun die bitterböse und zugleich sehr komische Tragikomödie «The Party».

Stars wie Bruno Ganz, Patricia Clarkson, Kristin Scott Thomas und Timothy Spall nehmen darin kein Blatt vor den Mund und müssen zugleich hilflos zuschauen, wie ihr Leben innerhalb weniger Momente zerbricht.

Eigentlich soll es ein Abend der Freude werden. Schließlich ist Janet gerade zur Gesundheitsministerin im Schattenkabinett ernannt worden und lädt deswegen ihre engsten Freunde zu einer Dinnerparty ein. Gut gelaunt steht sie für die letzten Vorbereitungen in der Küche, während ihr Handy ununterbrochen klingelt: Von allen Seiten wird sie zu diesem Erfolg beglückwünscht.

Schnell wird aber auch klar, dass da irgendetwas nicht stimmt. Janet (Kristin Scott Thomas) scheint eine Affäre zu haben, und auch ihr Ehemann Bill (Timothy Spall) kann sich nicht wirklich freuen. Er sitzt vielmehr mit einer Flasche Wein brummelig im Wohnzimmer und lässt wenig später die Bombe platzen: Er hat Krebs und will jetzt endlich mit seiner Geliebten zusammenziehen.

Für die britische Regisseurin Sally Potter, die auch das Drehbuch hierzu schrieb, ist dies allerdings nur der Auftakt für ihr bissiges und pointiertes Drama, in dem die Situation immer mehr eskaliert. Schon bald bekriegen sich die Freunde, aber auch die Paare untereinander. Bisher unausgesprochene Ängste, aufgestaute Konflikte, Verletzungen und Vorurteile - all das bricht aus den sonst so überlegt agierenden Figuren heraus. Was als netter Abend mit guten Freunden begann, endet im Desaster. Freude und Ausgelassenheit schlagen um in Wut und Anschuldigungen.

Besonders Patricia Clarkson bleibt einem als Janets beste Freundin April in Erinnerung. Zynisch und mit spitzer Zunge kommentiert sie die Ereignisse und feuert die Konflikte nur noch mehr an. De-Eskalation sieht anders aus. Doch auch ihr esoterischer deutscher Mann Gottfried (herrlich: Bruno Ganz) sorgt nicht wirklich für Entspannung - seine betonte Lässigkeit in diesem Chaos lässt die Anderen nur noch mehr explodieren. Als dann noch Cillian Murphy als überspannter Banker dazustößt, ahnen die Zuschauer längst, dass die Lage vollends aus dem Ruder laufen wird.

Dieser Banker ist dann allerdings auch eine der wenigen Schwachstellen des Films: Dass ausgerechnet er kokst und völlig unter Druck steht, ist nicht besonders originell. Ansonsten aber entlarvt Regisseurin Potter in diesem in Schwarz-Weiß gedrehten Werk die Schwächen ihrer Protagonisten präzise und mit sehr schwarzem Humor. «The Party» überrascht so als rasanter und amüsanter Mix aus Komödie und Satire, der keine Minute zu lang ist, sondern stattdessen über immer absurdere Enthüllungen und Wendungen aufs Finale zusteuert.

The Party, Großbritannien 2017, 71 Min., FSK ab 12, von Sally Potter, mit Patricia Clarkson, Bruno Ganz, Cherry Jones

The Party

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