TV-Tipp : Teufelsmoor

Im TEufelsmoor: Anna (Bibiana Beglau) und Inga (Silke Bodenbender). NDR
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Im TEufelsmoor: Anna (Bibiana Beglau) und Inga (Silke Bodenbender). NDR

Ein Junge ist vor langer Zeit verschwunden. Doch 30 Jahre später glaubt seine Schwester noch immer, dass er nicht tot ist. Im Familiendrama «Teufelsmoor» geht es um Geister der Vergangenheit - und längst vergessene Geschichten.

shz.de von
17. Januar 2018, 00:01 Uhr

Das Teufelsmoor ist eine ebenso schöne wie geheimnisvolle Landschaft nördlich von Bremen. Dort ist vor 30 Jahren der kleine Magnus verschwunden. Als nun dessen Vater stirbt, kommen längst vergessen geglaubte Geschichten wieder ans Tageslicht. Davon erzählt der Film «Teufelsmoor», der am Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen ist.

Inga (Silke Bodenbender, 43, «Der Kommissar und das Kind») lebt mit ihrem Mann Christian (Steven Scharf) und ihrem Sohn Max (Cai Cohrs) in Hannover, als sie die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhält. Als sie in ihr verschneites Heimatdorf im Teufelsmoor reist, trifft sie im Elternhaus auf Anna (Bibiana Beglau), die vor 30 Jahren als Waisenkind von Ingas Eltern aufgenommen wurde. Ingas verzweifelte Mutter Tuva (Barbara Schnitzler) lebt seither in einem Kloster.

Um das Erbe antreten zu können, müsste Inga ihren seit 30 Jahren vermissten Bruder Magnus endgültig für tot erklären lassen. Immer wieder wird sie von Tagträumen aus der Vergangenheit geplagt, zudem ist ihr Sohn Max jetzt genauso alt wie ihr Bruder damals.

So ein Moor hat es in sich - und das Leben auch. Anders gesagt: Das Moor kann einem ebenso den Boden unter den Füßen wegziehen wie das Leben. Im Film geht es darum genauso wie um das schwierige Verhältnis der seelisch labilen Inga zu ihrem fünfjährigen Sohn, der sogar Angst vor ihr hat. Und um die Aufarbeitung einer düsteren Vergangenheit und deren Schatten, denen sich Inga stellen muss. Das alles wird auch symbolisch mit Masken und seelenfangenden Geistern dargestellt, die als Schutzgötter bestimmter Orte und Familien gelten.

Regisseurin Brigitte Maria Bertele (43, «Die vierte Gewalt») setzt dabei auf symbolträchtige Bilder samt knarrenden Türen, unheimlichen Masken und toten Fledermäusen. Sie verwebt unvermittelt Szenen aus der heutigen Zeit mit solchen aus der Vergangenheit, ohne dass sie in schwarz-weiß gehalten oder anderweitig verfremdet wären. Das wird ein bisschen zu oft gemacht, sorgt aber für eine gewisse Spannung - ebenso wie das alte Kinderzimmer unter dem Dach oder eine Schachtel mit Liebesbriefen, die über ein intimes Verhältnis aufklären.

Silke Bodenbender ist nahezu ständig im Bild, muss oft erschreckt die Augen aufreißen oder weglaufen, spielt ihre klar angelegte und traumatisierte Figur aber ebenso glaubhaft wie Bibiana Beglau als undurchschaubare und seltsam fremde Freundin, über die lange nicht klar wird, auf welcher Seite sie eigentlich steht. Die Handlung wirkt allerdings arg konstruiert und sehr in die Länge gezogen, das Figurentableau undurchsichtig - und manche Sätze sind etwas zu oft zu hören («Wo warst Du? Was hattest Du dort zu suchen?»).

Die simple Aufklärung legt schließlich ein Verbrechen offen. Denn nicht nur das Moor, sondern auch die befreiten Seelen geben endlich verschüttete Erinnerungen frei.

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