Kampf ums Überleben : Survival-Abenteuer «Alpha»: Junge mit Wolf in der Eiszeit

Keda (Kodi SmitMcPhee) ist ein junger Jäger, der eine Freundschaft zu einem Wolf aufbaut. Sony Pictures
Keda (Kodi SmitMcPhee) ist ein junger Jäger, der eine Freundschaft zu einem Wolf aufbaut. Sony Pictures

Beide sind verwundet und alleine - zusammen kämpfen ein Junge und ein Wolf in «Alpha» ums Überleben. Der bildgewaltige Abenteuerfilm um eine ungewöhnliche Freundschaft spielt vor 20 000 Jahren.

shz.de von
03. September 2018, 08:42 Uhr

Mitten in den Kino-Sommer mit lauten Superhelden und schnellen Actionthrillern platzt nun ein fast wortloser Film über eine ungewöhnliche Freundschaft, die vor 20 000 Jahren beginnt. Beide Hauptdarsteller sind recht schweigsam.

Keda ist ein junger Jäger, der sich mit simplen Wortbrocken einer Eiszeit-Sprache verständigt. Sein titel gebender Gegenspieler ist ein heulender Wolf, der anfangs furchterregend knurrt und die Zähne fletscht.

Dies sei die unglaubliche Geschichte, wie die Menschheit ihren treuesten Freund fand, so das eher großspurige Versprechen in einem Trailer für den Film. Eingefleischte Katzenfreunde mögen «Alpha» wenig abgewinnen, doch Hundemenschen kommen bei diesem eiszeitlichen Überlebensdrama zumindest stellenweise auf ihre Kosten.Eine Warnung vorneweg: «Alpha» ist kein rührseliges Disney-Vergnügen. Vielmehr gibt es nervenaufreibende Szenen, die mit dem brutalen Survival-Drama «The Revenant – Der Rückkehrer» mithalten können. Mit dem Stempel «PG-13» ist der Film in den USA wegen Momenten «starker Gefahr» erst ab 13 freigegeben.Mit grandiosen Aufnahmen von Mammut-Herden, riesigen Wasserfällen und feuerspeienden Vulkanen werden die Zuschauer auf ein bildgewaltiges Epos eingestimmt. Europa vor 20 000 Jahren heißt es zum Auftakt der schnell erzählten Story. Ein Stamm unter dem Anführer Tau (Johannes Haukur Johannesson) schickt die besten in Leder und Felle gekleideten Jäger auf eine gefährliche Büffeljagd. Erstmals nimmt Tau seinen eher sanften als kriegerischen Sohn Keda (Kodi Smit-McPhee) mit, dessen Mutter (Natassia Malthe) das Schlimmste befürchtet. Der Junge führe durch sein Herz, nicht durch den Speer, warnt sie. Das ist fast der ganze Text, den die norwegische Schauspielerin für den Film zu lernen hatte.In einer spektakulären Jagdszene geht für Keda alles schief. Tot geglaubt wird der junge Höhlenmensch auf einem Vorsprung an einer steilen Felswand zurückgelassen. Die Odyssee, die nun folgt - mit reißenden Fluten, eisigen Schneestürmen, gefährlichen Bestien und mageren Würmern als Mahlzeit - ist kaum zu überleben.Mit selbstgebastelten Speerspitzen wehrt Keda ein Rudel Wölfe ab, doch bald hat er Mitleid mit einem verletzten Tier. «Ich nenne dich Alpha» und «Ich halte dich am Leben» murmelt er dem knurrenden Wolf zu. Und so entwickelt sich langsam eine Freundschaft, die trotz Ungereimtheiten, Vorhersehbarkeit und einem zuckersüßen Ende zumindest Hundefreunden ans Herz geht.Die Stärke von «Alpha» ruht auf den Hauptdarstellern: der Wolfhund mit dem wirklichen Namen Chuck wurde so trainiert, dass er Furcht einflößen kann, spielerisch ein Stöckchen fängt und in einer fesselnden Szene Keda aus einem zugefrorenen See rettet.Auch der 22-jährige Australier Kodi Smit-McPhee überzeugt in seiner fast stummen Rolle, wie er sich zunehmend mutiger den harschen Naturgewalten stellt und gemeinsam mit dem Wolf den Weg zurück zu seinem Stamm findet. Smit-McPhee, der in «X-Men: Apocalypse» den blauhäutigen Nightcrawler spielte, hatte sich in der düsteren Bestseller-Verfilmung «The Road» (2009) schon einmal durch eine bedrohliche Welt geschlagen, damals an der Seite von Viggo Mortensen in einer packenden Vater-Sohn-Beziehung.«Alpha»-Regisseur Albert Hughes setzte früher auf städtische Szenarien. Mit seinem Zwillingsbruder Allen drehte er 1993 «Menace II Society» über schwarze Ghettos im Amerika. In «The Book of Eli» (2010) schickten sie Denzel Washington als postapokalyptischen Held durch eine zerstörte Welt. Bei «Alpha» führte Albert Hughes erstmals alleine Regie.Mit seinem Kameramann, dem Österreicher Martin Gschlacht («Ich seh, Ich seh»), fängt er großartige Bilder ein. Das Team drehte unter anderem in der kanadischen Provinz Alberta und in Island. Vor allem im Imax- und 3D-Format zieht «Alpha» in seinen Bann. Das macht für die eher einfach gestrickte Story von Regisseur Hughes wett, der wohl gerne die komplexe Materie über die Domestizierung des Hundes in knapp 100 Minuten erklärt hätte. Schließlich brüsten sich die Filmemacher in einem Trailer über die Verbindung von Keda und Alpha, die «den Lauf der Geschichte» verändern sollte.

Alpha, USA 2018, 97 Min., FSK o.A., von Albert Hughes, mit Kodi Smit-McPhee, Natassia Malthe, Johannes Haukur Johannesson

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