TV-Tipp : Spuren des Bösen - Wut

Heino Ferch mit minimalistischem Mienenspiel.  ZDF/
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Heino Ferch mit minimalistischem Mienenspiel.  ZDF/

Schlafend verpasst Kriminalpsychologe Brock den Anruf eines Polizisten, der auf der Flucht vor Kollegen ist. Obwohl er den Mann nicht kennt, ist er nun in den Fall verwickelt. Doch dass ihn das noch in Lebensgefahr bringt, ist da noch nicht zu ahnen.

shz.de von
29. Januar 2018, 00:01 Uhr

Ein Junge - umgebracht, gewaschen und im Bett aufgebahrt. Der Vater - ein bewaffneter Polizist, erschießt auf der Flucht einen Kollegen. Die Szenen spielen sich so schnell hintereinander ab, in blauschwarzer Dunkelheit, dass man kaum erkennen kann, wer hier hinter wem her ist.

Das ZDF zeigt den siebten Teil der Krimi-Reihe «Spuren des Bösen» am Montag (29. Januar) um 20.15 Uhr. Er heißt «Wut». Und bis der Zuschauer versteht warum, vergeht eine ganze Weile. Ähnlich ergeht es auch dem Kriminalpsychologen Richard Brock, gespielt von Heino Ferch. Kurz vor der Flucht hat der Vater Brock angerufen - obwohl der Verhörspezialist den Mann überhaupt nicht kennt. Bis er das aber endlich das erste Mal aussagen kann, hat ihn ein Polizeitrupp schon unsanft geweckt, aus dem Bett gerissen und mit dem Gesicht zum Boden niedergedrückt. Brock wird vom Einsatzleiter zum Tatort gerufen, in die Ermittlungen eingebunden. Doch die ganze Zeit bleibt unklar, wer hier eigentlich wen beobachtet.

Heino Ferch, 54, ist im November mit dem Bambi ausgezeichnet worden - unter anderem für seine Hauptrolle in «Spuren des Bösen». Er spielt den Psychologen, der seine Approbation verloren hat, wortkarg und eigenwillig. Dass der Rest der Handlung der deutsch-österreichischen Koproduktion (ZDF/ORF) in Wien spielt, die Figuren entsprechend also Dialekt reden, macht es nicht einfacher, dem Geschehen zu folgen. Erneut hat Andreas Prochaska Regie geführt, das Drehbuch schrieb wieder Martin Ambrosch.

Während der Vater (Tobias Moretti) auf der Flucht durch Katakomben, U-Bahn-Schächte und Tiefgaragen ist und die Polizei mit einem Großaufgebot nach ihrem Kollegen sucht, bekommt Brocks Tochter Petra eine Panikattacke. Nach und nach kommt heraus, dass die Stimme eines anderen Polizisten der Auslöser dafür gewesen sein könnte. Dadurch sieht der Kriminalpsychologe Verbindungen zu einem früheren Fall, bei dem seine Tochter angeschossen wurde. Ein Dickicht aus Korruption und Verschwiegenheit, fragwürdiger Treue und Gehorsam tut sich auf. Das Misstrauen wächst: Wer steckt mit wem unter einer Decke?

In Brock wächst das Gefühl, dass auch sein Leben in Gefahr ist. Auch wenn dem minimalistischen Minenspiel Ferchs weder Angst noch Schrecken zu entnehmen sind. Er bereitet sich darauf vor, dass dieser Fall für ihn tödlich enden könnte. Und die Befürchtung scheint sich zu bewahrheiten - als eine Art Geisel ist er auf einmal noch unmittelbarer in den Fall verwickelt. Seine Chance, das Ganze glimpflich enden zu lassen: «Büßen kann man nur im Diesseits.»

Die Szenen ziehen sich etwas, auch zum Ende hin. Häscher und Gejagte werden von der Kamera einzeln verfolgt. Es ist - wie so oft in dieser Krimi-Reihe - düster. Nur ab und zu fällt Licht auf die handelnden Personen. Mal bläuliches, mal gelbliches. Und als der letzte Schuss zu hören ist, macht sich fast so etwas wie Ernüchterung breit.

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